Kaiserslautern Ein Schmuggler mit dynamischem Drive

91-71934994.jpg

Von der Presse wird Thomas Blug aus Saarbrücken als „Deutschlands bester Rock- und Popgitarrist“ gefeiert: Mit einer All-Star-Besetzung zollte er am Donnerstag im Cotton Club der Kammgarn einem anderen legendären Gitarristen seinen Tribut: Jimi Hendrix. Mit unglaublicher Power ließ das Quartett das Werk des größten Gitarrenhelden aller Zeiten aufleben.

Jimi Hendrix

konnte keine Noten lesen, aber seine virtuose Gitarrentechnik ließ die Konkurrenz wie Stümper erscheinen und seine Fans in wirbelnde Trance verfallen. Er entfesselte die Wut seiner Zeit, aber er besänftigte sie zugleich mit Harmonien von nie gehörter Sanftheit. Es endete mit einer lautlosen schwarzen Explosion: Mit 27 Jahren war James Marshall Hendrix tot. Thomas Blug zelebrierte zwar die bekanntesten Titel dieser Legende, aber er coverte sie nicht. „Wir machen unser eigenes Ding“, sagte er im RHEINPFALZ-Gespräch. „Jimi Hendrix war Jimi Hendrix, wir sind wir. Wir wollen ihn moderner präsentieren, seinen Stücken noch mehr Groove geben.“Und wie das groovte! Lässig steht er auf der Bühne, leichtfüßig wie ein Bantamboxer hüpft er zum Takt der Musik. Die Gitarre hält er ganz tief vor der Hüfte. Von Anfang an brennt die Luft. „Are you experienced?“ wirft er in die Küchenmaschine und zerschreddert den Song, dass er kaum wiederzuerkennen ist. Die Band geht ab wie eine Rakete. Blugs Spiel hat einen ungeheuer dynamischen Drive. Den Metallklang der Saiten jagt er durch pedalgesteuerte Verzerrer und „Wahwah“-Geräte, die wie startende Triebwerke kreischen. Dramatische Steigerungen lösen sich ins ironische Nichts auf. Aus straffen Breaks werden zuweilen privat vor sich hingezupfte Kadenzen. Er fährt mit der Zunge über den Steg und entfesselt ein 100-Phon-Inferno von hochdifferenzierten Jaul-, Splitter- und Überlagerungsklängen. Mittels Rückkoppelung bringt er die Saiten derart virtuos in Schwingung, dass er teilweise nur mit der Griffhand spielen kann. Blugs Spiel hat viele Facetten. Er vereint eine ausgereifte und hoch individuelle Spieltechnik mit einem feinen Empfinden für die richtige Melodie. Mit perkussiv gespielter Slap- und zweihändiger Tapping-Technik entwickelt er eine eigene Art des Gitarrenspiels. Während die Rechte über die Saiten wirbelt, schnurrt die linke Hand auf dem Gitarrenhals auf und ab. Blug hat drei Kollaborateure dabei, die in dieser brodelnden Küche mächtig Dampf machen. Ein wahrer Pyromane ist Schlagzeuger Manni von Bohr. So gar nichts Adeliges ist an ihm. Im Gegenteil. Ständig ist er am Zündeln mit raffinierten, ballernden Schlagfolgen und komplizierten Akzentverschiebungen. Raoul Walton (Westernhagen) prasselt ebenso flinkfingrig auf seinem Bass ein scharfkantiges Splitterspiel und wirkt dabei trotzdem wie ein Fels in der Brandung. Das hüftlange Blondhaar schüttelt David Readman aus Nordengland bei seinen charismatischen Gesangsauftritten. Dabei versteht er seine ungemein flexible Stimme vom schmiegsamen Soul-Gewisper bis zum ekstatischen Rock-Crescendo hinaufzuschrauben. Seine Stimme könnte Papier schneiden, während die Band sich in ein Trommelfeuer steigert und in einem Kettensägenmassaker ausläuft. Die Lauterer Rockfans hielt es nicht mehr auf den Plätzen. Sie forderten zwei Zugaben heraus.

x