Kaiserslautern
Ein Nordlicht bringt frischen Wind: Der Jazzmusiker und Musiklehrer Philipp Huchzermeier sieht Ensembles am Reichswald-Gymnasium Ramstein-Miesenbach im Umbruch
In der Schulmusik am Reichswald-Gymnasium Ramstein-Miesenbach findet eine Akzentverschiebung statt: Nachdem der Schulmusiker und bodenständige Landstuhler Heribert Molitor als „Mann der ersten Stunde“ des 1996 gegründeten Gymnasiums Ramstein den Schülern vor allem die klassische Musik näherbrachte, setzt sein Nachfolger Philipp Huchzermeier, ein in Minden gebürtiger Westfale und aktiver Bandmusiker, seit 2018 mit Jazz, Rock und Pop andere Schwerpunkte.
Nicht nur geographisch, sondern auch musikalisch trennt Heribert Molitor und Philipp Huchzermeier einiges, obwohl sie eine rege Freundschaft verbindet. Molitor profitierte in der damaligen Außenstelle des Landstuhler Gymnasiums vom Engagement des Schulleiters Manfred Leonhardt. Gemeinsam bauten sie das klassische Instrumentarium der Schule aus Konzertflügeln, Klavieren, Cembalo und Pauken auf und legten darüber hinaus eine beträchtliche Notenbibliothek an.
Als weitere Besonderheit regte Molitor an, dass anstelle von Gong oder Dreiklangbrechung ständig wechselnde Ausschnitte aus klassischen Musikwerken die Pause einläuteten. Molitor leitete klassische Ensembles und den klassischen Chor und führte Schulklassen zu Generalproben der Sinfoniekonzerte in die Fruchthalle. Schließlich machte er sich als Gründer und Leiter des Landstuhler Kammerchors und als pianistischer Begleiter bei Liederabenden einen Namen und trägt als Organist zum kulturellen Leben seiner Region bei.
Dagegen studierte Huchzermeier in Oldenburg Schulmusik, ging dann in die Vereinigten Staaten nach Colorado, lernte dort seine Ehefrau kennen, durch die er schließlich nach Ramstein-Miesenbach und zum Referendariat am dortigen Gymnasium kam. In der Schule hat er eine Bigband aufgebaut und deckt die Popularmusik mit Schwerpunkt der Einzelförderung ab, die er derzeit als primäre Aufgabe empfindet. Ohnehin sieht er die gymnasialen Musiziervereinigungen im Umbruch. Im Studium belegte Huchzermeier das Hauptfach Klavier, aber mit Schwerpunkt Jazz-Piano und er hat reichlich Erfahrung in den Stilbereichen Pop und Rock.
Durch den kulturellen Austausch zwischen Oldenburg und der University Greenlaw in Colorado lernte er einen – wie er es einschätzt – mehr systematischen, handwerklich orientierten Klavierstil kennen, der nach Akkordpatterns und schematisierten Abläufen spielt. So sammelte er reiche Erfahrung in allen Jazzarten wie Swing, Funk oder Latin und auch Boogie Woogie.
Schnell baute sich Huchzermeier in unserer Region ein Netzwerk auf, spielt bei Fusion-Bands in Saarbrücken und Oldenburg, unterhält Kontakte zu Musikern der regionalen Air-Force-Big-Band und spielt auch in der hiesigen Formation Acoustic Colour mit der Stilausrichtung Soul, Jazz und Pop, mit der er am kommenden Samstag, 21. September, auf dem Hahnbacherhof zu hören ist.
Für die Unterrichtszwecke – auch das ist ein gravierender Unterschied zum Vorgänger – greift er nicht nur auf vorhandenes und angelegtes Notenmaterial zurück, sondern arrangiert vor allem auch selbst. Allerdings, schränkt er ein, in den USA wurde größter Wert auf auswendigen Vortrag gelegt, eine Absage an ausarrangiertes oder heruntergeladenes Notenmaterial. Mit Huchzermeiers Ansätzen und Auftritten weht nun also ein frischer Wind durch die Musiklandschaft der Region.