Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Leben mit Drogen hat nichts Glanzvolles

Auch in kleinen Wohnungen findet die Polizei öfter Cannabis-Pflanzen.
Auch in kleinen Wohnungen findet die Polizei öfter Cannabis-Pflanzen.

Die luxuriöse Welt der Drogendealer aus den Streaming-Serien und aus Hollywood-Filmen hat – nicht überraschend – mit der Realität herzlich wenig zu tun. Statt um teure Autos und ausschweifende Partys geht’s bei kleinen Fischen im Drogenmilieu eher darum, den eigenen Konsum zu finanzieren. Das setzt oft eine Abwärtsspirale in Gang. Mit unschönem Ende.

In Filmen und Serien fahren Drogendealer oft große Autos, verprassen ihr Geld bei rauschenden Partys und führen zwei Leben. Die Wirklichkeit sieht anders aus, wie Josephine Eigendorf erklärt. „Banker und Juristen sind eher weniger unser Klientel“, sagt die Kriminalbeamtin, die im Polizeipräsidium Westpfalz das Kommissariat 3, Rauschgiftkriminalität, leitet. Sie erklärt: „Wer einem geregelten Leben samt Beruf nachgeht, bezahlt sein Rauschmittel mit legal verdientem Geld und wird selten in flagranti erwischt.“ Solche Menschen würden sich gelegentlich Stoff für den Eigengebrauch besorgen, „und die fallen dann vielleicht zufällig bei einer Verkehrskontrolle auf, wenn sie konsumiert haben“.

Die Arbeitswelt der Rauschgiftermittler in der Westpfalz ist deutlich unglamouröser. Sogar im Gegenteil: Die Polizisten müssen oft dahin, wo’s richtig schmutzig ist. Eigendorf: „Es ist ganz, ganz selten, dass jemand nur dealt. Meistens dealen Rauschgiftabhängige selbst, um den eigenen Konsum zu bezahlen.“ Der Aufgabenbereich des K3 umfasse die kleine bis mittlere Ebene der Drogenkriminalität – „also meist selbst Konsumenten“ –, für die Drahtzieher dahinter sind Eigendorfs Kollegen des K13 (Organisierte Kriminalität) zuständig.

Drogenkarriere beginnt oft schon im Elternhaus

Die „typische“ Karriere eines Dealers beginne häufig schon in der Jugend, oft in sozial schwachen Familien. Erste Kontakte zu Rauschgift und Alkohol gebe es im Elternhaus, weil Vater und Mutter selbst oft süchtig seien. „Natürlich gibt’s auch, aber deutlich seltener, Kinder aus gutem Haus, die einen falschen Weg einschlagen“, sagt Eigendorf, „es gibt nichts, was es nicht gibt.“ Sie erinnert sich an einen Fahranfänger, der gerade Abitur gemacht hatte und bei einem Autounfall mit elf Kilogramm Marihuana erwischt wurde.

Das klingt viel. Aber Eigendorf weiß: „Was wir sicherstellen, das ist nur die Spitze des Eisbergs. Wir werden geradezu überschwemmt mit Rauschgift.“ Die erfahrene Beamtin warnt: „Wer meint, die Rauschgiftpolizei kann das wirklich durchbrechen, träumt.“ Schließlich liege dem Drogenkonsum in den meisten Fällen eine Sucht zugrunde: „Wenn ich einem Suchtkranken etwas wegnehme, holen die sich das nächste. Niemand hört auf, Rauschgift zu nehmen, nur weil er mal von der Polizei durchsucht wurde.“ Dann schränkt sie ein: „Vielleicht mal ein Teenager, den wir erwischen und über die Folgen aufklären.“

Deshalb treffen die Ermittler des K3 in der Westpfalz immer wieder auf dieselben Personen – das Kommissariat ist für Stadt und Kreis Kaiserslautern, die Südwestpfalz, Pirmasens und Zweibrücken, den Landkreis Kusel und den Donnersbergkreis zuständig, außerdem noch für einen Teil des Landkreises Bad Kreuznach. Für Eigendorf hat das auch einen Vorteil: „Wir kennen unsere Pappenheimer.“ Der Zyklus aus konsumieren, dealen, erwischt werden und vielleicht einer Gefängnisstrafe wiederhole sich leider meist „bis unsere Klienten sterben“. Nur ganz wenige würden aus sich heraus initiativ und könnten die Sucht überwinden: „Niemand hört auf, weil wir ihn verfolgen.“

Klares Nein zur Cannabis-Freigabe

Wie eingangs erwähnt, spielt sich der Alltag der Drogenfahnder nicht in Villen oder Einfamilienhäusern ab. Oft sind es Wohnungen in Wohnblocks, die von Polizeibeamten durchsucht werden: „Und das sind in der Regel ziemlich heruntergekommene Räume. Menschen verlieren durch den Drogenkonsum ihre Handlungsfähigkeit – und das beginnt oft schon beim Müll Rausbringen. Die kriegen ihr Leben selbst nicht mehr hin.“ Dafür brauche es nicht einmal harte Drogen wie Kokain oder Heroin. Eigendorf: „Das sind oft nur Kiffer.“ Die Leiterin des Kommissariats spricht sich deutlich gegen jeglichen Drogenkonsum aus: „Es bleibt nie bei dem einen Joint.“

Die Kriminalbeamtin warnt davor, Haschisch oder Marihuana mit Blick auf vergangene Jahrzehnte zu verharmlosen: „Früher, noch in den 90ern, lag der THC-Gehalt bei drei bis sechs Prozent. Durch gezielte Züchtungen sind es heute mindestens zehn und bis zu 30 Prozent. Das Rauschgift hat so eine ganz andere Qualität und Wirkung.“ THC, Tetrahydrocannabinol, ist der rauschbewirkende Bestandteil von Cannabis, einer Hanfpflanze. Bei Stoff mit einem niedrigen THC-Gehalt werde man nicht so schnell abhängig.

Kein Wunder, dass Eigendorf eine klare Meinung zur Freigabe von Cannabis hat: „Unsere Kliniken sind voll von Kiffern, die Psychosen entwickelt haben. Die Freigabe ist politisch gewollt, aber in meinen Augen nicht sinnvoll.“ Sollte Cannabis in Deutschland für Erwachsene legal zu erwerben sein, sieht Eigendorf nicht einmal eine Entlastung für ihr Kommissariat: „Jugendliche dürfen auch dann kein Cannabis erwerben. Kein Teenager wird von sich aus sagen: ,Na, dann warte ich eben noch bis ich 18 oder 21 bin!’“ Die mögliche Gesetzesänderung werde sich kaum auf die Arbeit der Drogenermittler auswirken: „Jugendliche sind die Opfer – auch wenn sie Täter sind. Die haben oft keine andere Chance. Wer abhängig ist, kommt da nur schwer raus. Das ist sehr traurig.“

Auch auf dem Dorf wird gern Cannabis angebaut

In der Westpfalz sind Cannabisprodukte die am meisten verbreiteten Betäubungsmittel, häufiger auf die Blüten der Pflanzen als auf das gepresste Harz. Die Marihuana-Blüten werden sowohl im Inland angebaut, als auch aus anderen europäischen Staaten, vorzugsweise aus den Niederlanden, eingeführt. Das Haschisch stammt überwiegend aus den nordafrikanischen Ländern.

Doch auch in der Westpfalz wird selbst angebaut, wie immer wieder Plantagen – in Gebäuden oder im Freien – zeigen, die von der Polizei aufgedeckt und zerstört werden. Eigendorf hat im Berufsleben gelernt: „Ein Dorf kann gar nicht klein genug sein.“ Im Gegenteil, ländliche Gebiete seien im Drogenmilieu oft sogar recht beliebt, weil der Kontrolldruck der Polizei vermeintlich geringer ist als in Städten. „Ich könnte jetzt nicht sagen, dass wir in einer Ecke der Westpfalz noch nie im Einsatz waren“, sagt Eigendorf.

Nur fürs Foto liegen beschlagnahmte Waffen und Rauschgift auf dem Schreibtisch von Josephine Eigendorf. Die Polizeibeamtin leite
Nur fürs Foto liegen beschlagnahmte Waffen und Rauschgift auf dem Schreibtisch von Josephine Eigendorf. Die Polizeibeamtin leitet das Kommissariat 3, Rauschgiftkriminalität.
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