Kaiserslautern Ein kleiner Kämpfer

Alle kümmern sich um Pepe: von links Chefarzt Thomas Kriebel, Vater Michel Buschbaum, Krankenschwester Julia Schäfer und Mutter
Alle kümmern sich um Pepe: von links Chefarzt Thomas Kriebel, Vater Michel Buschbaum, Krankenschwester Julia Schäfer und Mutter Verena Buschbaum.

Von einer Frühgeburt spricht man, wenn ein Säugling vor der Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommt – eine normale Schwangerschaft beträgt vierzig Wochen. Dabei können verschiedene Faktoren auslösend sein. Im Fall von Verena Buschbaum sorgte ein vorzeitiger Blasensprung in der 23. Schwangerschaftswoche für eine viel zu frühe Geburt ihres Söhnchens Pepe. Die junge Mutter wurde von Idar-Oberstein in das Westpfalz-Klinikum verlegt und dort über alle Möglichkeiten, aber auch Risiken einer Frühgeburt aufgeklärt. „Das oberste Ziel war, dass Pepe so lange wie möglich in mir bleibt“, schildert die 33-jährige Mutter heute. „,Jeder Tag zählt` – das hat mir das Team des Perinatalzentrums immer wieder gesagt. Das war mir in dieser Schock-Situation gar nicht bewusst – erst als Pepe einen Tag später auf der Welt war.“ Die jungen Eltern mussten eine schwierige Entscheidung treffen: Pepe per Notkaiserschnitt holen zu lassen oder der natürlichen Geburt ihren Lauf lassen – auf die Gefahr hin, dass ihr Söhnchen nicht überlebt. „Da Pepe für uns gekämpft hat, wollten wir auch für ihn kämpfen und haben uns für den Kaiserschnitt entschieden“, erzählt Verena. Während die junge Mutter den Kampf antrat, bangte Vater Michel im Kreißsaal um das Überleben seines Sohnes – mit gutem Ausgang. Am 22. September um 16 Uhr erblickte Pepe Buschbaum in der 23. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt – mit 350 Gramm bei einer Größe von 25 Zentimetern. „Ich habe ihn das erste Mal gar nicht gesehen“, erinnert sich Michel Buschbaum – heute mit einem Lächeln. „Er war so klein, dass ich nicht mal die Erhebung unter der Decke erkannt habe.“ Verena hingegen hatte Angst davor, dass sie ihren Sohn zum ersten Mal sehen und ihn nicht schön finden würde. „Aber es war nicht so. Ich habe ihn gesehen und fand ihn wunderschön“, sagt sie – immer noch hörbar erleichtert. „Er sah aus wie ein Vogelbaby, das aus dem Nest gefallen ist.“ Von da an begann jedoch die zweite Phase des Bangens. Pepe konnte nicht selbstständig atmen, hatte Komplikationen am Herzen und stand vor der Gefahr einer Hirnblutung. Der Kleine musste schnellstmöglich professionell versorgt werden. Die ersten fünf Tage nach der Geburt seien für alle Beteiligten die schwierigsten gewesen, so Verena Buschbaum. Sie und ihr Ehemann verbrachten möglichst viel Zeit bei ihrem Schützling, lasen ihm vor und richteten den Bereich um den Inkubator so ein, „dass es normaler wirkt. Das machte die Situation erträglich.“ Jeder neue Tag war ein kleiner Sieg für die junge Familie. Die Eltern wurden früh in die entwicklungsfördernde Pflege einbezogen – was ein wesentlicher Bestandteil des Entwicklungsprozesses ist, wie Chefarzt Thomas Kriebel betont. Das Perinatalzentrum des Westpfalz-Klinikums gehört zu den Level 1-Einrichtungen im Land, ist also in der Versorgungsqualität auf sämtliche Bedürfnisse von Früh- und Neugeborenen ausgerichtet und bietet sowohl in Sachen Technik als auch therapeutisch alles, was für eine gesunde Entwicklung der kleinen Patienten und der Betreuung der Eltern nötig ist. Dazu gehört auch eine ständige Rufbereitschaft eines ausgebildeten Neonatologen. Etwa 40 Frühchen unter 1500 Gramm werden im Jahr hier versorgt. Der Fall von Pepe war dennoch eine medizinische Herausforderung. „Es war befremdlich, das eigene Kind voll mit Schläuchen in allen Extremitäten zu sehen. Aber die Schwestern und Ärzte am Klinikum haben immer ein Klima geschaffen, das uns ein gutes Gefühl gegeben hat. Wenn Pepe manchmal Rückschritte machte, wurde man in den Arm genommen oder abgelenkt. Wir konnten zu jeder Zeit alles fragen. Und wenn einen die Situation überkam und man weg wollte, nahmen sich die Ärzte und Pflegekräfte Zeit, um uns Eltern individuell zu betreuen“, erzählt Mutter Verena. Das Paar bewohnt zurzeit eine Ferienwohnung in Morlautern, um noch schneller bei ihrem Kind zu sein. Eine persönliche Entscheidung. Denn das Klinikum bietet auch Apartments im Haus für Eltern und Begleitpersonen von Patienten an. Dennoch haben die Eltern zu dem Personal der Station eine starke Bindung aufgebaut. Heute wiegt Pepe fast 1500 Gramm bei einer Größe von 39 Zentimetern. Wann genau Pepe nach Hause entlassen werden kann, ist noch nicht absehbar; „in der Regel um den errechneten Geburtstermin. In Pepes Fall wäre das Mitte Januar 2019. Das hängt aber natürlich von den Komplikationen und der Zunahme ab“, erklärt Oberärztin Nura Follmann. Bisher macht Pepe jedoch gute Fortschritte. „Der Weg ist jetzt schon ziemlich lang, es gab viel zu ertragen, und die Kräfte sind am Ende“, gibt Mutter Verena zu. „Aber Pepe macht das gut. Er ist eben ein Kämpfer durch und durch.“ Und die Buschbaums hoffen jeden Tag auf eine frühere Entlassung. Das erste gemeinsame Weihnachtsfest feiert die junge Familie dieses Jahr noch im Westpfalz-Klinikum; im nächsten Jahr darf der Weihnachtsbaum dann aber sicher wieder im eigenen Heim geschmückt werden.

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