Kaiserslautern Ein Herz für die kleinen Leute

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Wenn auch der Lothringer Liedermacher Marcel Adam in seinem aktuellen, siebten Album von „Min Testament Dixie“ singt – seine Gitarre hängt er noch lange nicht an den Nagel, wie vielerorts publiziert wird. Eine Art Resümee ist der Silberling mit dem Titel „Merci“, seinen 18 Titeln und einer Stunde Spieldauer trotzdem. Der 62-jährige Künstler ist darauf putzmunter und charmant wie eh und je. Die RHEINPFALZ hat in die CD, die Adam bei seinem Konzert am Samstag in Weilerbach vorstellt, schon mal reingehört.

„Kläänkunschd isch kenn Rock’n’Roll“, konstatiert Adam gegen Ende der CD, „kenner hat se meh in Plon; sie steht in keinem Kulturkalenner; sie kummt bi kennen Dorffeschd mehr dron.“ Wenn er dazu, wie das Foto auf dem Booklet zeigt, wie ein Honigkuchenpferd grinst, erkennt man: Das kann nur parodistisch gemeint sein. Satirisch-humorvoll wie viele seiner Lieder, die er in seinem Lothringer Dialekt singt.

Adam hat ein gutes Gespür für seine Muttersprache, experimentiert damit und gewinnt ihr dadurch ganz neue Ausdrucksmöglichkeiten ab. Er hat das Aroma des Lothringer Dialekts in der Nase und die mundartliche Redeweise auf der Zunge. Und so stimmt er den Hörer heiter, zumal er seine Lieder mit seinem unverkennbaren Timbre singt, das voller Charme und Esprit ist.

Wieder singt Marcel Adam das Hohelied auf Frauen. „Lass mich niemals untergehn, kannst du mich auch nicht verstehn; ich komm ja selbst nicht mit mir klar“, heißt es in „Lolita Spleen“. Er bewundert die „Wilde Marilou“, die sich „nit klän krin lässt“, vor „kenn Sesselfurzer“ sich biegt und „rotzfrech dreggisch uff de Roseteppisch laaft“. Wie ein Zungenbrecher klingt dabei dieser Temposong. Die häusliche Gewalt thematisiert er in „Judith unn die blinde Wut“, der die Ehefrau unterliegt. „Unn es kocht in jedem Herz das Blut wie e Glut, die hämlich schmuht uff blindi Wut“, so bringt er es zum Schluss auf den Punkt.

Überhaupt ist sein Herz auf der Seite der „kleinen Leute“. Mokant und zynisch jedoch besingt er die „Feine Litt“, in deren Kreisen er sich pudelwohl fühlt, denn: „ Jo, ich geh ganz gär zu feine Litt, treff mich mit de Creme de la Creme, denn ihr Fraue honn scheen viel Zitt, do kummsch de erscht moajens frieh spät hemm.“ Aber auch die französischen Chansons „Le lac Majeur“ (Roda Gil/Mort Shuman) und „C’apres que ca se passe“ (Guy Beart) sowie „Birgit 2013“ aus eigener Feder bestechen, zumal Adam sie mit viel Süße in der Stimme und mit sanftem Vibrato brillant intoniert. Der musikalische Kosmos ist dabei zwischen Blues, Rock’n’Roll oder Walzer grenzenlos, wobei sich der Liedermacher von herausragenden Musikern begleiten lässt.

Christian Di Fantauzzis Akkordeon bekommt mal elegisch-melancholische, mal eruptiv-vitale Qualität, wenn er ungestüme Jagden und tanzhafte Tändeleien neben sinisteren Meditationen entstehen lässt. Adams „Hausgitarrist“ Ivo Müller und sein Sohn Yann Loup sowie die großartigen Gäste Joscho Stephan, Christian Conrad und Guido Allgaier verführen zu „Saitensprüngen“ in die weite Welt des Jazz, und der Hörer bestaunt das atemberaubend schöne Geflecht aus Rhythmus, Harmonie und Melodik. All dies verschmilzt mit dem schmeichelnden Saxofon von Dirk Juchen, der wunderbaren Klarinette von Helmut Eisel sowie dem Bass von Stefan Engelmann organisch.

„Liebe ist wie ein Messer, das dir im Herzen brennt“, heißt es in „Die Rose“, einem der schönsten Lieder auf der CD. Die Nummern von Marcel Adam brennen wie ein Messer ins Herz des Hörers.

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