Alte Liebe rostet nicht RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Familienmitglied aus England: der Triumph Spitfire 1500 der Scheifeles

Die Eleganz einer weit auslaufenden Welle ist das Vorbild für die fast unmerklich nach vorne abfallende Motorhaube. Sie prägt de
Die Eleganz einer weit auslaufenden Welle ist das Vorbild für die fast unmerklich nach vorne abfallende Motorhaube. Sie prägt den Charakter des offenen Zweisitzers. Am Steuer: Norbert Scheifele.

Dass der ADAC dem Typ Triumph Spitfire 1500 wegen seiner Qualitätsmängel 1976 die „Silberne Zitrone“ verlieh, stört Barbara und Norbert Scheifele nicht im mindesten. Das Auto habe sie noch nie im Stich gelassen. Und durch seine vorbildliche Haltung nehme es mittlerweile einen Ehrenplatz in der familiären Vita ein. Seit 45 Jahren hütet Norbert Scheifele den britischen Roadster wie seinen Augapfel.

Das ist auch sofort nachvollziehbar. Selbst ein hereinbrechender Gewittersturm und das künstliche Licht in der Garage nehmen dem orangefarbenen Flitzer nichts von seinem Charme. Die Scheifeles stört es auch überhaupt nicht, dass unverbesserliche Neidhämmel selbst auf der Insel den Roadster als Jaguar des kleinen Mannes veralbern. Das Design des Zweisitzers hat nämlich etwas, was ihn in die Nähe des klassischen Schönheitsbegriffes rückt. Die edel wirkende Schlichtheit der Karosserie verleiht dem Triumph etwas von der Größe zeitloser Wirkung.

Die Eleganz einer weit auslaufenden Welle ist das Vorbild für die fast unmerklich nach vorne abfallende Motorhaube. Sie prägt den Charakter des offenen Zweisitzers. Keine Riefe, keine Falte, keine Kante stört die stille Größe des feinen Blechs. In einer fast natürlich anmutenden Bewegung erhebt sich links und rechts davon das sanfte Rund genau auf die Größe der beiden Scheinwerfer in der Front. Die chromglänzende Stoßstange gibt schmallippig die niedrige Gürtellinie für das Auto vor.

Unterbodenlack schützt vor Feuchtigkeit

„Unser Spitfire war erst einmal in der Werkstatt“, erzählt Scheifele, „in Ramstein sind der Zylinderkopf und die Ventile überarbeitet worden.“ Ansonsten habe er sich schon immer für Autotechnik interessiert. Deshalb könne er auch eine Reihe von Arbeiten am Fahrzeug selbst ausführen. Die Bremsen und die Simmerringe habe er beispielsweise selbst erneuert. Er halte den Roadster auch gut in Schuss. Als das Auto einmal beim TÜV auf der Hebebühne stand, erinnert sich der Spitfire-Fan, habe er den einen Ingenieur rufen hören: „Wie verrostet ist er denn?“. Aber davon könne keine Rede sein, erklärt Scheifele weiter, „denn ich habe den Unterboden lackiert.“ Dann sei nämlich die Kontrolle auf Schäden viel einfacher. Außerdem krieche dadurch die Feuchtigkeit nicht unter dem üblichen Unterbodenschutz unerkannt weiter.

Aber der Triumph werde ja heute bei weitem nicht mehr so viel gefahren. Früher seien er und seine Frau öfter einmal ins alte Jugoslawien und nach Istrien gefahren. Eine so weite Tour komme aber heute nicht mehr in Frage. Kurze Ausfahrten bei schönem Wetter seien nun eher angesagt, ergänzt Barbara Scheifele. Es freue sie aber immer wieder, dass der kleine Flitzer auch anderen Leuten so gut gefalle. Einmal sei es sogar passiert, dass zwei Herren auf dem Parkplatz des Pörrbacher Hofes ihnen das Auto auf der Stelle hätten abkaufen wollen.

Sommertraum wird im Schneewinter Wirklichkeit

Dabei sei es schon erstaunlich, fügt Norbert Scheifele an, dass die Wahl eines solchen Autos in ihrem Fall rein auf einem Zufall beruht habe. „Am Ende der Siebzigerjahre sind wir ja noch nicht groß in Urlaub gefahren“, berichtet er, „den Sommer haben wir sehr oft am Gelterswoog verbracht.“ Und auch zeitig wieder heim zu gehen, sei nicht ihr Ding gewesen. Einmal habe ihrer beider Orientierungssinn derart versagt, dass sie sich in der Wald-Umgebung dieses Lauterer Badesees mit einsetzender Dunkelheit verirrt hätten. Erst am Einsiedlerhof sei die Orientierung wieder da gewesen. Dort hätten sie schließlich fasziniert auf dem Hof eines Autohauses vier Exemplare des Triumph Spitfire erblickt. „Schön aufgereiht haben die Roadster in unterschiedlichen Farben dagestanden“, schwärmt Scheifele. Sie beide hätten sich spontan für diesen Autotyp entschieden. Ein bisschen habe es dann noch gedauert, bis im Dezember 1978 alle finanziellen Modalitäten geklärt waren. Im Schneewinter dieses Jahres sei dann der Sommertraum wahr geworden.

Serie: Alte Liebe rostet nicht

Können Sie Ihr erstes Auto noch Jahrzehnte später Ihr Eigen nennen? Haben Sie sich Ihren automobilen Jugendtraum erfüllt? Fahren Sie ein Schmuckstück, das schon seit Generationen in Familienbesitz ist, oder haben Sie Ihren Traumwagen in einer staubigen Scheune gefunden? In unserer neuen Serie „Alte Liebe rostet nicht“ wollen wir Menschen und ihre Oldtimer vorstellen. Egal ob Weltreise oder Liebesgeschichte: Schreiben Sie eine E-Mail an redkai@rheinpfalz.de, wenn Sie uns erzählen wollen, welche Geschichte Sie mit Ihrem historischen Gefährt verbindet.

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