Kaiserslautern Ein Abend der leisen Töne

Unterwegs mit ihrer Gitarre: Johna.
Unterwegs mit ihrer Gitarre: Johna.

Die Singer-Songwriterin Johna ist eine deutsche Künstlerin mit Tour-Erfahrung in Europa, USA und Kanada, mit und ohne wankendem Kreuzfahrtschiff. Am Samstagabend ankerte sie auf Einladung von „Kunstgriff“ in den Räumen des Business Centers Otterberg.

Auch der kurzfristig verlegte Konzertort tut dem Ereignis keinen Abbruch. Es haben sich rund 60 Zuhörer in dem fachwerkumrahmten Saal eingefunden, um der neuen Musik einer in unserer Region noch unbekannten Künstlerin zu lauschen. Johna ist von Köln aus zu ihrer aktuellen Tournee aufgebrochen. Mit ihren Duo-Partner Kolja Pfeiffer hat sie jetzt den Südwesten erreicht und begrüßt begeistert die Hörerschar. Sie hatte an diesem Abend nur mit einer Handvoll Leuten gerechnet. Entsprechend beflügelt bezupft sie ihre akustische Taylor-Gitarre und stimmt gefühlvoll in einen Abend der leisen Töne ein. Nach wenigen Titeln wird deutlich, dass Johnas Markenzeichen die klare Stimme mit schnellen Vibratopassagen und das bewusste Schieben kurzer Töne in den Falsettbereich ist. Sehr gekonnt, aber vielleicht zu häufig eingesetzt. Dennoch meint man beim Schließen der Augen, statt Johna ihr großes musikalisches Vorbild Jewel, die amerikanische Singer-Songwriterin, vor sich zu haben. Alle Songs haben die Gemeinsamkeit, dass sie in reduzierter musikalischer Form dargeboten werden, etliche Passagen nur mit der Gitarre. Stimme und Text stehen im Vordergrund der Performance. Überzeugend und durchaus mit einer Prise Charisma gesegnet, präsentiert sie ihre Eigenkompositionen. Der musikalische Begleitteppich ist dabei sehr zurückhaltend und befördert genau damit ihre gesanglichen Statements in englischer Sprache. Der plötzliche Tod ihres Vaters veranlasste sie den ersten Text in der Muttersprache zu verfassen: „Sommertag“, ein ansprechender Song der auch ohne den persönlichen Hintergrund in der Lage wäre, den Hörer einzufangen und eine nachhaltige Wirkung zu entfalten: „... du fliegst davon, kann dich nicht mehr halten, mit dem Klang der Stille, über den Horizont ...“. Ein anderes Mal werden auch auflockernde Songs eingestreut, die das offene, altersgemischte Publikum zum Mitmachen anregen. Im Pausengespräch berichtet Johna der RHEINPFALZ, dass sie absolute Autodidaktin sei und einfach immer Musik gemacht, sich das Singen, das Gitarre- und Klavierspielen selbst beigebracht habe. Die Texte seien aus dem persönlichen Umfeld und spiegelten ihre Gedanken wider. Die Musik sei ihr Weg, die Emotionen zu transportieren – wie ein musikalisches Tagebuch. Johna und ihr musikalischer Partner Kolja Pfeiffer kennen sich seit vielen Jahren und sind seit sechs Jahren gemeinsam als Duo unterwegs. Er vermag mit dem gezielten Einsatz verschiedenster Instrumente (E-Piano, Cajon, beides auch gleichzeitig, Harmonika, E-Gitarre) die Songs nicht einfach nur zu unterstützen, sondern ihnen auch eine eigene Note zu geben. Das macht das Programm äußerst abwechslungsreich und sehr hörenswert. Im Gepäck haben sie an diesem Samstagabend ihre aktuelle EP „Mountains“ mit fünf neuen Titeln. Eine ganz besondere Stärke mit Unterhaltungswert haben auch die eingestreuten Anekdoten. Sie sorgen zugleich für ein erinnerungsreiches Nachhören der Songs zuhause. Mehrere Zugaben und der Wunsch des Auditoriums auf ein Wiederhören.

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