Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Echte „Fasenachtskichelcher“ brauchen Schmalz

Die Ganzjahresversion ist nichts für echte Liebhaber: Berliner sind für den „Fasenachtskichelche“-Fan Produktfälschung.
Die Ganzjahresversion ist nichts für echte Liebhaber: Berliner sind für den »Fasenachtskichelche«-Fan Produktfälschung.

„Die Kichelcher sin geback, die Kichelcher sin geback, eraus mit, eraus mit, ich steck’ se in moi Sack.“ An den Haustüren artig diesen melodischen Sprechgesang vortragend zogen die Kinder, die heute vielleicht Uroma oder Uropa sind, vor vielen Jahrzehnten an Fastnachtsdienstag in den Dörfern und in der Stadt von Haus zu Haus bis der Sack voll war – voll mit „Fasenachtskichelcher“.

In den Dörfern wurde jedes Haus besucht. Die Leute fühlten sich geehrt. Sie waren sogar empfindlich und vielleicht beleidigt, wenn die Kinder mit ihren roten Pappnasen nicht zu ihnen kamen. Ob die „Fasenachtskichelcher“ im vorigen Jahr nicht geschmeckt haben? Trotz erheblicher Dialektunterschiede: „Fasenachtskichelche“ versteht jeder Pfälzer, obwohl das Gebäck in der Vorderpfalz auch „Fastnachtskräppel“ oder einfach „Kräppel“ heißt. Unsere Lauterer „Fasenachtskichelcher“ sollte es nur um die Fastnachtstage geben, etwa ab Donnerstag, der Altweiberfastnacht.

Apfelgroß und knusprig-braun

Echte „Fasenachtskichelcher“ sind eine fettige, schmalzige Angelegenheit. Auf dem Dorf musste das Schmalz vom letzten Schlachtfest stammen, in der Stadt wurde das Schmalz kiloweise eingekauft. „Fasenachtskichelcher“ sind etwa apfelgroß und knusprig-braun. Ringsherum haben sie einen schmalen, hellen Rand. Das kommt daher, dass der mit einem Löffel ausgeschöpfte Teig im heißen Schmalz sofort nach oben schwimmt und das „Fasenachtskichelche“ gewendet werden muss, um eine zweite knusprige Seite zu bekommen.

Das Aussehen hängt davon ab, wie schnell und wie geschickt die Bäckerin den Teig ins heiße Fett gleiten lässt. Wenn die „Fasenachtskichelcher“ heiß und triefend aus dem Fett kommen, werden sie in grobkörnigem Kristallzucker „gewälzt“. Als Original sind sie nie mit Marmelade oder Konfitüre gefüllt.

Wenn der Boden nicht klebt, ist es Stilbruch

Und noch etwas: Das Backgeschirr muss ein guter alter schwarzer Eisentopf sein, keine Fritteuse. Herdplatte und Küchenboden müssen nach der Backaktion vom überschäumenden, aufspritzenden Schweineschmalz leicht bedeckt und klebrig sei. Alles andere ist Stilbruch. Echte „Schweineschmalz-Fasenachtskichelcher“ dürfen nicht nach dem Schweineschmalz schmecken, in dem sie gebacken wurden, aber sie müssen etwas fett und schwer im Magen liegen. Die Buben haben sich früher gegenseitig gefragt: „Wie viel hasche dann gepackt?“ Fünf bis sieben waren Spitzenleistung. Und was passierte nach der Fastnacht mit den „Fasenachtskichelcher“, wenn sie Tage später schon etwas trocken waren? Der Opa hat sie in den Kaffee „gedunkt“.

„Fasenachtskichelcher“ haben unterschiedliche Namen. In Norddeutsch heißen sie mancherorts „Liebesschleifchen“ oder „Schleifchen“. Wo anders heißen sie „Schmalzgebäck“. Einen fast so schönen Namen wie unser „Fasenachtskichelche“ trägt das „Nonnenfürzchen“, das im Schwäbischen auch um die Fastnachtszeit in schwimmendem Fett gebrutzelt wird.

Berliner als Abklatsch

Alle diese schmackhaften Schmalzbäckereien ufern heutzutage aus – über die Fastnacht, die Fasenacht, den Fasching und den Karneval hinaus. Ein Abklatsch, ein Imitat des „Fasenachtskichelchens“ ist der über das ganze Jahr erhältliche „Berliner“. Ein Fettgebäck, gefüllt oder ungefüllt in genormter Rundform, manchmal mit Altfett-Nachgeschmack. Das ist für den „Fasenachtskichelche“-Fan Produktfälschung.

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