KAISERSLAUTERN
Echoes: Neue Ideen für die alten Pink-Floyd-Songs
Es ist nicht leicht, die Titel einer stilistisch und kompositorisch so komplexen Rockband wie Pink Floyd zu covern. Fast unmöglich erscheint es da, diese Stücke auch mal rein akustisch umzusetzen. Bombastisch-vertrackte Originaltitel und gleichzeitige Reduktion der Mittel bei der Neu-Interpretation – wie soll das funktionieren?
Die Musiker der Band Echoes haben beides gewagt. Als reine Coverband waren sie dabei schon zweimal zu Gast in Kaiserslautern, am Samstagabend präsentierten sie in der voll besetzten Fruchthalle erstmals ungewöhnliche akustische Versionen der Pink-Floyd-Songs. Man durfte gespannt sein.
Spieltechnische Qualität
Um es gleich schon vorweg zu sagen: Es hat funktioniert. Sehr gut sogar. Mit viel spieltechnischer Qualität und guten Ideen zur Inszenierung haben die Aschaffenburger Musiker – nicht umsonst seit über einem Vierteljahrhundert eine der anerkannt besten Pink-Floyd-Tributebands überhaupt – aus den Songs der legendären britischen Rockgruppe etwas Neues, bisher so noch nicht zu Hörendes gemacht.
„Barefoot to the Moon“ hat die Gruppe ihr Akustik-Programm in Anlehnung an Pink Floyds Erfolgsalbum „The Dark Side of the Moon“ (1973) genannt. Ohne größere Hilfe also in ungeahnte Höhen soll es gehen. Ein großer Anspruch, dem insbesondere der harte Kern der zehnköpfigen Formation von Anfang an schon allein spieltechnisch-qualitativ gerecht wurde.
Entkernte Originalsongs
Hochkonzentriert dabei war Frontmann, Sänger und Gitarrist Oliver Hartmann, verlässlich neben ihm Bassist Martin Hofmann, Schlagzeuger Steffen Maier, Pianist Markus Nanz und nicht zuletzt Multi-Instrumentalist Christian Felke (beeindruckend mit unter die Haut gehenden, emotionalen Saxofonpassagen).
Gemeinsam entkernten sie die üppigen Vorgaben der Originalsongs und füllten die entstandenen Lücken mit neuem Material in Sachen Interpretation und Sound. Stark prägende vokale, bisweilen auch perkussive Akzente, etwa mit einer simplen Handglocke, setzte llka Müller in nahezu allen Songs.
Skurrile Klangquellen
Alle Musiker agierten absichts- und programmgemäß fast nur auf akustischen Instrumenten, neben denen noch allerlei andere, bisweilen skurrile Klangquellen zum Einsatz kamen. Außer der erwähnten Glocke gab es da etwa einen klassischen Aufziehwecker, ein altes Transistor-Radio, zum Auftakt des Konzerts sogar eine mehrstimmige Glasharfe, die trefflich eine Art Synthesizersound nachahmte.
Höhepunkt dieser Einsätze war am Schluss der berühmte Registrierkassen-Loop im „Money“-Intro, den die vier bis dahin die Band perfekt unterstützenden Streicherinnen des Bohemian Symphony Orchestras aus Prag in einer nicht ganz einfachen Choreografie mit allerlei Gerätschaften ganz analog und ziemlich originalnah rekonstruierten – eine starke Leistung des Streichquartetts insgesamt, ein fulminanter Interpretationsschlusspunkt als Krönung.
Mit Parabolantennen
Nichts wurde vergessen, nichts ungerechtfertigt verändert. Berühmte Titel wie „Wish You Were Here“, „Mother“ und vor allem der Welthit „Another Brick in the Wall“ erklangen anders, aber nicht weniger faszinierend als die Vorbilder.
Vier unterschiedlich beleuchtbare Parabolantennen im Bühnenhintergrund, die Bezug nahmen auf Pink Floyds Album-Meisterwerk, deuteten zugleich auch die Grundidee und sogar das Ergebnis der Performance an: Zu Fuß zum Mond, mit Zurückhaltung viel erreicht. Dadurch: Anhaltender Schluss-Applaus in der Fruchthalle und ein ordentlicher Zugabenteil. Mission geglückt!