Landstuhl RHEINPFALZ Plus Artikel Duo Yannisha singt französische Chansons und Eigenkompositionen

Zusammen Yannisha: Anisha und Yann Loup Adam.
Zusammen Yannisha: Anisha und Yann Loup Adam.

Bei „Summer in the City“ trat am Samstag die Band Yannisha vor der Stadthalle auf und stellte ihr CD „Endlich!“ vor, das im SR als Album der Woche ausgezeichnet wurde.

An dem milden Sommerabend herrschte beste Stimmung. Viele der über 100 Besucher, die in kleinen Gruppen zusammen saßen, hatten ein kühles Getränk vor sich stehen. Gut gelaunt moderierten Anisha und Yann Loup Adam ihr Konzert. Unterstützt wurden die Gäste aus dem saarländisch-lothringischen Grenzgebiet von dem Landstuhler Oliver Abt an der Sologitarre.

„Wer kann hier gut französisch?“, fragte Yann Loup Adam, der Sohn des lothringischen Chansonniers Marcel Adam, in die Runde. Einige Zuschauer hoben die Hand. „Ok, dann können wir nicht dreimal die gleiche Strophe singen“, meinte er zu seiner Frau, bevor sie das Chanson „Oh Champs Elysées“ von Joe Dassin anstimmten. So manche Besucher sangen den Refrain dieses flotten Liedes in bester Laune mit.

Mit klarer, kühler, manchmal auch soulig aufblühender Stimme intonierte die hochschwangere Anisha „House of the Rising Sun“, einen amerikanischen Folk Song, der 1964 in der Fassung der britischen Band The Animals zum Hit wurde. Mit vielen Nuancen ließ sie die gefühlvolle Ballade in ihrer sensiblen Interpretation wieder lebendig werden, begleitet von Oliver Abt und ihrem Mann Yann Loup an der akustischen Rhythmusgitarre.

Gemeinsam stimmte das Paar „Aïcha“ des algerischen Sängers Cheb Khaled an, in dem eine Frau das eindringliche Werben eines Mannes mit den Worten zurückweist, dass sie keine Luxusgüter wolle, sondern Liebe und Respekt. Sehr ausdrucksvoll gestalteten die beiden Sänger zu immer kraftvoller pulsierenden, schnell fließenden Rhythmen diesen Dialog, in englischer und französischer Sprache, um so die Unvereinbarkeit der beiden Lebensmodelle hervorzuheben.

Lebensträume besang Anisha Adam auch in Edith Piafs unvergessenem Chanson „La vie en rose“. Glockenklar, voll und doch weich klang ihre Stimme, abwechselnd in Deutsch und Französisch.

„Wir haben noch ein paar eigene Songs mitgebracht“, plauderte Yann Loup Adam gut gelaunt. „Von unserem neuen Album ,Endlich!’“. Wie es ist, wenn Lebensträume sich zerschlagen, wenn man plötzlich aus allem „rauskatapultiert“ wird, besang Anisha mit ihrer ausdrucksvollen, wandlungsfähigen Stimme in der Popballade „Degradiert“. Laute Bravo-Rufe der Besucher mischten sich in den spontan aufbrandenden Applaus.

„Jetzt stellen wir euch ein Lied vor, dass wir zusammen mit Manuel Sattler aus Saarbrücken für unser neues Album geschrieben haben“, leitete Yann Loup Adam zu dem Titel „Hörige Henker“ über, einem Protestsong gegen Rechtsradikalismus.

Kraftvolle kurzgliedrige Gitarrenakkorde wirkten aufrüttelnd, als Anisha hier mit ihrer klaren und doch berührend warmen Stimme mit wachsender Erregung über die selbst ernannten Verteidiger des Abendlandes sang und jeglicher Diktatur eine flammende Absage erteilte. „Schöne Grüße nach Moskau“, kommentierte sie ihr Lied, dem die Besucher spontan applaudierten.

Danach wurde es wieder privat, das alte und doch immer wieder neue Thema „Beziehungskiste“ stand auf dem Programm. „Wenn du mich verlässt, darf ich dann mitgeh’n“ heißt der humorvoll-anrührende Song. „Wir Männer sind ja viel sensibler als Frauen und für uns ist das ein echtes Problem, wenn sie plötzlich sagt, dass sie geht: Wer kocht, wer putzt, wer macht die Wäsche?“, kommentierte Yann Loup Adam diesen Song. „Der schläft heute im Gästezimmer“, mutmaßte ein Besucher halblaut. „Nein, im Hof“, antwortete eine Frau. Und Anisha zuckte dazu leise die Schultern, bevor sie unter dem unterdrückten Lachen und Schmunzeln der Zuhörer anfing zu singen. „Gut, das war toll“, kamen spontane Rufe aus dem Publikum.

Weitere Höhepunkte waren Nino Ferrers „Le Sud“ und „Il est où, le bonheur?“ von Christophe Mahé, bevor Yannisha ihr Konzert traditionell mit Leonard Cohens „Halleluja“ ausklingen ließ, das Anisha mit zutiefst berührender Eindringlichkeit interpretierte. Auf viele „Zugabe, Zugabe“-Rufe hin steuerte Anisha und Yann Loup noch den Klassiker „Che sarà sarà“ bei.

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