Ramstein RHEINPFALZ Plus Artikel Dubbeglas-Brieder machen im Congress Center Stimmung

Stimmungskanonen: die Dubbeglas-Brieder.
Stimmungskanonen: die Dubbeglas-Brieder.

Partylaune im Ramstein! Die Dubbeglas-Brieder aus Frankenthal stellten am Donnerstagabend das Congress Center auf den Kopf. Das Musiker-Duo mit Schorle Gidda Willi (Willi Brausch) und Dubbe Sax Olli (Oliver Herrmann), das in der Weinebene längst Kult ist, warb nicht nur für das einzig wahre Trinkgefäß, sondern riss die 200 Besucher von den Sitzen. Neben eigenen Stücken spielten die beiden bekannte Rock- und Popsongs.

Zu einem richtigen Pfälzer Weinfest gehört ein Dubbeglas einfach dazu. „Dubbe“ gehören wohl auch zu den Frankenthaler Stimmungskanonen, denn sie bieten auf der Bühne echte Handarbeit, ohne Schnickschnack. Wie in einen guten Pfälzer Schorle drei Fingerbreit Wein und zwei Fingerbreit Sprudel gehören, so bieten die Dubbeglas-Brieder mit jedem Lied drei Fingerbreit Witz, Humor, gute Laune und Kokolores sowie zwei Fingerbreit gute Musik.

Bunt gemusterte Hawaiihemden, Gitarre, Saxofon, Schellenkranz und zwei Stimmen – mehr brauchen sie nicht, um den Saal zum Kochen zu bringen. Bereits mit dem Dubbeglas-Lied beginnt es im Publikum zu brodeln. Bevor er anfängt zu singen, gibt sich Olli schon als Klamaukbruder, reißt Witze, tänzelt aufreizend auf der Bühne – und schon hat er seine „Gemeinde“ im Griff. Lauthals singen die Besucher mit, und es dauert nicht lange, dann wird auch schon geschunkelt. „Dubbeglas, Dubbeglas, du bischrt fer mich es schönschte Glas, Dub, Dub, Dubbeglas“ – dieses Lied entwickelt sich bald zur Hymne des langen Abends. Bevor das nächste Lied angestimmt wird, folgt zuerst mal ein tiefer Schluck aus dem Dubbeglas. „Schöne Mädchen un guder Wein, ich will net woannerscht sein“, singt Olli und lässt dabei den Schellenkranz klingen, während Willi mit rhythmischer Akkordspielweise geschickt in die Saiten seiner Gitarre schlägt. Ständig sich gegenseitig auf den Arm nehmen und einander frotzeln, das gehört ebenso zu ihrem Handwerk, um Stimmung anzuheizen.

Rampensau voller Humor

In dem Klassiker „Stand By Me“ und dem Beatles-Song „All My Loving“ zeigen die beiden aber auch, was sie gesanglich und musikalisch drauf haben. Willi ist ein Meister delikater, sensibler Gitarren-Improvisationen. Er phrasiert flüssige Legato-Linien haarscharf „on top oft the beat“ und gewinnt dadurch Drive und Druck, er spielt aber auch gesangliche, wohltönende, runde Linien. Stimmlich outet er sich als echter Blues-Sänger in der Tradition des Folk-Blues und Blues-Rock. Dabei weiß er seine flexible und dynamische Stimme bis ins Falsett hochzuschrauben. Olli hingegen ist der Spaßmacher und verpasst jedem Song seinen individuellen und charakteristischen „Overdrive“. Ernsthaftigkeit ist nicht sein Ding. Vielmehr ist er von Spontaneität getrieben und verballhornt jedes Lied mit seinem speziellen Humor. Mit dem Lied „Rote Lippen soll man küssen“ bringt er sogar sämtliche Besucher dazu aufzustehen und lauthals mitzusingen und zu klatschen. Auf dem Saxofon hingegen spielt diese Rampensau mit voluminöser Sonorität, voll Melancholie und längst verlorenem Zauber.

Dass in Bühnenmenschen oft eine besondere Melancholie steckt, zeigt sich im RHEINPFALZ-Gespräch in der Pause. Vor allem Willi Brausch, den man auch als Bassisten und Sänger bei der Rockband High Voltage kennt, ist so ein Musiker, der den Kick auf der Bühne braucht, aber seine Rolle immer wieder hinterfragt. „Wir zeigen uns auf der Bühne mit offenem Visier“, sagt er. „Auf der Bühne machen wir praktisch Striptease, geben wir uns nackig. Das schnallen die Leute. Wir nehmen die Leute mit, wollen sie unterhalten. Das ist unsere Mission. Denn die Pfalz ist unser Herz.“

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