Kaiserslautern-Erlenbach
Drittes Konzert des Westpfälzer Orgelsommers widmet sich mehr als der Orgel
Die Orgelbauwerkstatt von Eberhard Friedrich Walcker (1794 bis 1872) und seine Nachkommen aus dem Raum Ludwigsburg bauten zwischen 1780 und 2003 rund 6000 Orgeln. Das Kleinod in Erlenbach ist die einzige Orgel der Westpfalz, die im Originalzustand in pneumatischer Spieltraktur erhalten ist. Sie repräsentiert eindrucksvoll die romantische Disposition einer deutschen Orgelbautradition.
Die Erhaltung dieser kunsthandwerklich wertvollen Bausubstanz ist auch ein Verdienst des dortigen Orgelbauvereins, der die nötigen 27.000 Euro gesammelt und für eine umfassende Renovierung und Erhaltung durch die hiesige Orgelbaufirma Zimnol 2012/13 beigesteuert hat. Dessen erster Vorsitzender Jörg Klamroth, Solofagottist der Pfalzphilharmonie Kaiserslautern, bildete zusammen mit seiner dortigen Kollegin und Bratschistin Ann-Katrin Klebsch sowie seiner Ehefrau Eva Klamroth zudem die Besetzung für das Konzert mit Preziosen der Kammermusik aus dem Barock-Zeitalter, der Frühklassik und der Romantik.
Kein Orgelkonzert im eigentlichen Sinn
Jörg Klamroth informierte zudem über die Besonderheiten der Orgel. Demnach wurde das Instrument im Jahre 1900 gebaut, verfügt über acht Register, zwei Manuale und Pedal sowie 600 Pfeifen, umrahmt von einem gut erhaltenen Prospekt. Die Besonderheit der pneumatischen Traktur beinhaltet, dass Pfeifen und Register sowie die Verbindung von der Tastatur zu den Pfeifen luftgesteuert erfolgt.
Das dritte Konzert des neuen Westpfälzer Orgelsommers war indes anders gestaltet als die Vorgängertermine. Das begann mit dem geänderten Beginn und dadurch einigen abgewanderten Konzertbesuchern und setzte sich mit der fehlenden Präsenz durch Repräsentanten des InterMusikVereins fort. Und die „Klamroths“ wiederum hatten eigentlich schon früher Orgelgottesdienste mit Lesungen in dieser Art (dieser war der neunte) zusammen mit dem Pfarrer erfolgreich durchgeführt.
Konzeptionell war es daher dieses Mal kein Orgelkonzert im eigentlichen Sinn, die Orgel wurde nur als Begleit- oder Basso-Continuo-Instrument eingesetzt, wodurch der eigentliche Aspekt des Orgelsommers „flöten“ ging. Ungeachtet dessen nutzten die Ausführenden dennoch enthusiastisch und werbend die Gunst der Stunde, um Kammermusik auf höchstem Niveau zu zelebrieren.
Vollendete Harmonie
Gemeinsam entsprachen sie bei einer Triosonate von Carl Philipp Emanuel Bach in der Übergangszeit zwischen Barock und Frühklassik mit galantem und empfindsamem Stil diesem Ideal einer fein ziselierten, melodisch filigran ausgearbeiteten und akribisch ausgeformten Aufführungspraxis. Auch bei dem Trio von Georg Philipp Telemann im zwar barocken Geist, aber mit vielen stilistischen Neuerungen fügte sich der Part von Orgel (Eva Klamroth), Bratsche (Ann-Katrin Klebsch) und Fagott (Jörg Klamroth) in wunderbarer, vollendeter Harmonie und subtil aufeinander abgestimmt zusammen.
Das Konzert verleitete auch hier, wenn auch anders als bei einem Orgelsommer üblich, zu neuen Entdeckungen für viele Besucher: Die Bratsche als führendes Instrument und als große Schwester der Geige ist im Vergleich zu dieser kein Sopran- sondern ein Altinstrument mit einem eigenen Notenschlüssel, eine Quinte tiefer gestimmt und klingt sonorer, wärmer aber auch verhaltener. Unter dem hohen gestalterischen Einsatz von Ann-Katrin Klebsch blühte sie besonders bei einem romantischen Adagio von Albert Becker der Romantik bei betörenden Kantilenen auf.
Weitere Kuriosität
Ein weitere Rarität und Kuriosität war das im konzertanten Stil gehaltene Duett von Franz Danzi, der von der sogenannten Mannheimer Schule und dem Opern- und Orchesterwesen dort und später in München geprägt war und einen ariosen Stil im kantablen Andante pflegte und wie zu hören war mit Brillanz und schwungvollem Elan auch schon in die Frühromantik wies. Hier zeigte Eva Klamroth auf dem Cello grundsolide Voraussetzungen und zusammen mit der Bratschistin wurde dieses Duo dem spieltechnisch anspruchsvollen Werk in allen Belangen gerecht. Jörg Klamroth brachte sich mit dem grundierenden Fagott in gewohnter spieltechnischer Solidität und sicherer Tongebung bei den Trios ein.