KAISERSLAUTERN
Drei Themen prägen die Diskussion um die Volksbank-Fusion emotional
Im April überraschten die Volksbank Kaiserslautern und die VR-Bank Südliche Weinstraße-Wasgau die Öffentlichkeit mit der Nachricht, dass sie fusionieren wollen. Eine starke genossenschaftliche Regionalbank solle 2021 entstehen. Fusionsbedingt sollten keine Filialen geschlossen, keine betriebsbedingten Kündigungen vorgenommen werden.
Im März und April hatten die Aufsichtsräte beider Geldhäuser grünes Licht für einen Zusammenschluss der beiden Banken gegeben, mit dem die zweitgrößte Genossenschaftsbank der Pfalz entstünde. Die Bilanzsumme, die Addition aller Aktiva oder Passiva in einer Bilanz, würde rund drei Milliarden betragen, fast 500 Mitarbeiter würden für die Bank arbeiten, rund 140.000 Privat- und Firmenkunden, davon mehr als 60.000 als Mitglied, Geschäfte mit der neuen Bank betreiben.
Intensive Dialoge
Im Vorfeld der Vertreterversammlung, die am 1. Oktober über die Fusion der beiden Geldhäuser entscheiden soll, gingen jetzt sogenannte Vertreter-Dialoge an den Bankstandorten in Kaiserslautern, Waldfischbach-Burgalben, Rockenhausen und Landstuhl/Ramstein-Miesenbach über die Bühne. Das Vorstandsmitglied der Volksbank, Alexander Kostal, teilte mit, es seien intensive Dialoge gewesen, an denen insgesamt 70 von 330 Vertretern teilgenommen hätten.
Die Dialoge zeigten nach RHEINPFALZ-Informationen, dass die Befindlichkeiten, was die Fusion anbetrifft, in Kaiserslautern besonders ausgeprägt sind. Im Zentrum der Kritik stehen dabei der künftige Name des neuen Geldinstituts, die Tatsache, dass die VR-Bank Südliche Weinstraße-Wasgau die übernehmende Bank werden soll, und, das schmerzt in Kaiserslautern besonders, die künftige gemeinsame Bank nicht im Oberzentrum Kaiserslautern, sondern in der kleinen südpfälzischen Kurstadt Bad Bergzabern ihren juristischen Sitz haben soll.
Die neue Genossenschaftsbank soll den Namen „VR-Bank Pfalz“ tragen, und damit soll die Volksbank Kaiserslautern, die 1864 gegründet wurde, namentlich Geschichte werden. Kostal, der die Regie bei der Volksbank Kaiserslautern im Fusionsprozess führt, sieht den neuen Namen als Ausdruck, dass das künftige Geschäftsfeld der Bank weite Teile der Pfalz abdeckt. Eine Bezeichnung Volksbank Kaiserslautern würde, so Kostal, in der Südpfalz nicht verstanden werden. Die Volksbank Kaiserslautern würde künftig auch nur einen Teil der neuen Bank ausmachen.
Zwei Vorstandssitze
An die Ehre geht in Kaiserslautern auch der Plan, dass die VR-Bank Südliche Weinstraße-Wasgau juristisch die übernehmende Bank werden soll. Die Vorstellung, dass eine Bank in Bad Bergzabern eine Bank in der Großstadt Kaiserslautern übernimmt, gefällt nicht jedem.
Kostal verweist hier auf die Fusionsstrategie, die bei der Volksbank Kaiserslautern 2016 verabschiedet worden ist. Danach soll in einem Fusionsprozess der Weg gewählt werden, der betriebswirtschaftlich sinnvoll, ja günstig ist.
Dreh- und Angelpunkt ist die Grunderwerbssteuer, die bei der Fusion der beiden Geldhäuser anfällt. Eine Entscheidung zugunsten der VR-Bank Südliche Weinstraße-Wasgau als übernehmende Bank hätte nach Angaben Kostals den Vorteil, dass rund eine Million Euro weniger an Grunderwerbssteuer an das Finanzamt zu zahlen sein würde.
Hintergrund, den Kostal erläutert: Die südpfälzische Genossenschaftsbank hat rund 20 Millionen Euro mehr an Immobilienvermögen als die Volksbank Kaiserslautern. Dies bedeutete, dass im Fall einer Übernahme der VR-Bank Südliche Weinstraße-Wasgau durch die Volksbank Kaiserslautern eine Million Euro mehr Grunderwerbssteuer zu entrichten sein würde.
Mehr Eigenkapital
Am meisten bewegt in Kaiserslautern die Tatsache, dass der Hauptsitz, also der juristische Sitz der künftigen Bank, nicht mehr Kaiserslautern, sondern Bad Bergzabern sein soll. Kostal begründet es mit der Eigenkapitalausstattung bei der VR-Bank Südliche Weinstraße-Wasgau. Sie habe 20 bis 25 Millionen Euro mehr an Eigenkapital. Vor dem Hintergrund habe sie sich ausgebeten, auch das Wahlrecht zu haben, wo der juristische Sitz der Bank sein soll.
Kostal, der mit der Fusion der VR-Bank Westpfalz zur Volksbank Kaiserslautern kam, kann Kritik daran emotional nachvollziehen. Er hält die Frage, wo der Sitz ist, aber für den Kunden des Geldinstituts nicht für entscheidend. Er betont, dass die Bank zwei Vorstandssitze haben wird, einen in Bad Bergzabern, einen in Kaiserslautern. Er und sein Vorstandskollege Peter Kullmann würden in Kaiserslautern ihren Sitz haben. Der neue Vorstandsvorsitzende Marco Kern und Bernd Lehmann (beide Südliche Weinstraße-Wasgau) würden in Bad Bergzabern tätig bleiben. Geplant sei aber auch eine gegenseitige, wechselseitige Präsenz.
Steueraufkommen bleibt gleich
Auswirkungen auf die Verteilung der Gewerbesteuer wird nach Angaben Kostals die Entscheidung zugunsten von Bad Bergzabern als juristischer Sitz der neuen Bank nicht haben. Es gehe nach Mitarbeiterköpfen am jeweiligen Standort; am Steueraufkommen ändere sich damit nichts.
Wie am 1. Oktober die Entscheidung in der Vertreterversammlung der Volksbank Kaiserslautern, der am 2. Oktober dann die Vertreterversammlung bei der VR-Bank Südliche Weinstraße-Wasgau folgt, ausfällt, vermag das Vorstandsmitglied Kostal nicht einzuschätzen. „Wir können begründen, wir können plädieren. Die Vertreter entscheiden. Den Mitgliedern gehört die Bank“, sagt Kostal.