Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Doppelt ausgezeichnet: Kaiserslauterer Künstlerin Erika Klos

„Gegensätze vereinen“ heißt die neue Serie, die Erika Klos gerade für die kommende Ausstellung in der Fruchthalle erarbeitet. Ei
»Gegensätze vereinen« heißt die neue Serie, die Erika Klos gerade für die kommende Ausstellung in der Fruchthalle erarbeitet. Ein Exemplar liegt vor ihr auf dem Tisch, weitere hängen an der Wand hinter ihr.

Sie ist eine der profiliertesten Künstlerinnen der Pfalz: Erika Klos. Die beiden Kunstpreise, die sie im Juni bekam, haben einen neuen Schaffensschub ausgelöst.

Eine Begegnung mit Erika Klos ist eine Begegnung mit der Kunst. Nicht nur in ihren Wohnräumen, auch im wildromantischen Garten, den sie mit Hingabe pflegt und der einen Kraftort für sie darstellt, und erst recht in ihren Werkstätten begegnet man Bildern und Objekten auf Schritt und Tritt. Ob es Hunderte von Arbeiten aus ihrer Feder sind, die sie in ihrem Hauptatelier versammelt hat? „Eher Tausende“, entgegnet Erika Klos und das mit ihrem typischen zurückhaltenden Lächeln.

Die gebürtige Oberfränkin (Marktredwitz, Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge) ist eine im allerbesten Wortsinne bescheidene, eine ganz und gar unprätentiöse Person. Mit Bedacht wählt sie ihre Worte. Jegliches Ego-Marketing ist ihr fremd. Und doch hat sie spannende Geschichten zu erzählen. Kunstgeschichten zumeist, aber auch die eines inzwischen 89-jährigen Lebens. Eines Lebens, das etliche Wechselfälle für sie bereit hielt.

Aus Liebe von der Isar an die Lauter

Da war das Grafik-Studium Mitte der 1950er Jahre an der traditionsreichen Münchner Blocherer-Schule für freie und angewandte Kunst. Und die Liebe zu einem Medizin-Studenten namens Werner, der allerdings später in seiner Kaiserslauterer Heimat eine Zahnarztpraxis eröffnen sollte. Ihm zu folgen und dafür den (gemeinsamen) Traum von einer Zukunft an der Isar aufzugeben – für Erika Klos seinerzeit eine Selbstverständlichkeit. Vier Jahre half sie, die Praxis in der Lautrer Eisenbahnstraße aufzubauen, ungelernt, dafür aber mit um so größerer Tatkraft. Organisierte den Praxisalltag, assistierte bei Behandlungen. Die Kunst ließ sie dennoch in diesen Jahren nicht los.

Auch nicht, als die Töchter auf die Welt kamen. Eine der drei, Anja Klos, ist neben einem medizinischen Beruf heute selbst künstlerisch tätig und stellte ihre abstrahierten Fotografien auch schon in der Fruchthalle aus (Ausstellung „Pasodoble“ 2020, mit Malerei von Stefano Cattaneo). Und so besuchte Erika Klos internationale Sommerakademien, jene in Salzburg, bei der sie das Thema Radierung weiter vertiefte, und jene in Trier, in der es um Malerei ging. Als ihre Ehe Mitte der 80er Jahre in die Brüche ging, die Kinder waren seinerzeit bereits flügge, nimmt ihr künstlerisches Wirken und Wollen weiter Fahrt auf. Sie beteiligt sich an internationalen Maler- und Bildhauersymposien im In- und Ausland und intensiviert auch deutlich ihre Ausstellungstätigkeit.

Ein wenig Statistik muss sein

War sie mit ihren Arbeiten bereits ab Mitte der 1970er Jahre in wichtigen Kulturinstitutionen vertreten, etwa der Neustadter Villa Böhm oder der Pfalzgalerie Kaiserslautern, so wird die Liste ihrer Soloausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen pro Jahr immer länger. Waren es in den 1970ern noch zwei bis vier Schauen jährlich, so sind es 1986 sechs Projekte, 1989 acht und in den Rekordjahren 1993 und 2006 jeweils zehn, darunter 2006 stolze vier Einzelausstellungen. Macht in Summe über 200 Ausstellungen und Beteiligungen – eine ansehnliche Schlagzahl also. Die Schauen fanden in renommierten Institutionen statt und das auch international: in England, Österreich, Slowenien, Kuba, den USA, Dänemark und Tschechien.

„Ganz nebenbei“ gründete Erika Klos vor gut zwei Jahrzehnten das Künstlerhaus Schirnding. Eine Einrichtung nicht nur für bildende Künstler, sondern ein Forum für kulturelle Aktivitäten insgesamt bis hin zu diversen Symposien. Klos überlies dafür der Gemeinde kostenlos ihr Elternhaus in Schirnding, nahe der tschechischen Grenze. Sie selbst war zehn Jahre lang Vorsitzende des Betreibervereins und pendelte beständig zwischen Oberfranken und der Westpfalz. Eine ziemliche Belastung, wie sie heute bekennt. Im vergangenen Jahr wechselte das Haus zurück in Familienhand, der Verein fand im Gemeindehaus ein neues Domizil.

Die Gesundheit und eine Sperre

Dass es in den 2020er Jahren ruhiger um Erika Klos wurde, war großen gesundheitlichen Problemen geschuldet, die sie lange beschäftigten, aber letztendlich doch überwinden konnte. Was ihr blieb, war eine veritable Schaffenskrise, sie selbst spricht von einer „Sperre seit 2021. Nix Gescheit’s“ sei in diesen Jahren entstanden, sagt die stets selbstkritische Künstlerin mit ihrem charmanten, leicht fränkischen Akzent. Doch nun ist auch dieser eher unerfreuliche Abschnitt in ihrem Leben überwunden. Mit ein Auslöser für diese Wende waren zwei Auszeichnungen, die sie in diesen Tagen erfuhr, und deren Vorgeschichte.

Zwar sind es bei weitem nicht die ersten Preise für ihr Schaffen. Bereits 1985 erhielt sie den Anerkennungspreis der Gemeinde Seeon Seebruck, zwei Jahre später deren Förderpreis und 1998 ein Reisestipendium der Stiftung zur Förderung der Kunst in der Pfalz. Und doch habe sie sich sehr gefreut über die beiden Auszeichnungen, die ihr dicht aufeinander im Juni dieses Jahres zuteil wurden.

Lautern hat die Nase vorn

Die Nase vorn hatte dabei die Stadt Kaiserslautern, die ihr den Kulturpreis für ein herausragendes Lebenswerk Anfang Juni zusprach. Die offizielle Verleihung findet im September statt, mit dem Preis ist eine Ausstellung in der Fruchthalle verbunden, die am 19. des Monats eröffnet werden soll. Ende Juni bekam Erika Klos dann noch den Art Award des Lions Club Lutra Kaiserslautern verliehen, die Übergabe fand in gebührendem Rahmen im Museum Pfalzgalerie statt, das bei dem noch relativ jungen Kunstpreis – er wurde zum dritten Mal verliehen – mit im Boot ist.

Neben den Preisen führte ein familiärer Umstand zu dem, was man nun einen wahren Schaffensschub nennen kann. Denn ihre Tochter Anja habe sie für den städtischen Preis vorgeschlagen, was sie ungemein freue. „Mit einer Freude, die ich lange nicht mehr hatte, habe ich angefangen, etwas Neues zu machen“, beschreibt Klos den Neuanfang nach knapp fünf Jahren kreativer Ebbe.

Der Boden des Wollmagazins

Und so ist sie nun wieder zugange an ihren beiden Werkplätzen. Einer untergebracht in einem geräumigen Wintergarten, der andere luftig, unter einem Dach, angebaut an den zentralen Atelier-, Präsentations- und Lagerraum. Der Besucher begegnet dabei zuallererst brandneuen Arbeiten, die Erika Klos auch im Hinblick auf die kommende Ausstellung geschaffen hat. Kalligraphisch, gestisch reduziert ist dabei eine Serie mit schwarzen, kräftigen Zeichen in Öl. Ob sie bereits fertig ist? Die Künstlerin ist sich noch nicht ganz sicher. An anderer Stelle Arbeiten, die auf derselben Basis gründen, aber mit weiteren Materialschichten Tiefe gewinnen, wobei Ölfarbe auf Frottage und Collage inklusive Transparentpapier trifft. Alles jedoch ansehnliche Mittelformate, die bei der Hängung ihren Platz verlangen.

Aber auch kleinformatigere Serien finden sich in dem Atelier zuhauf. Etwa mit Frottagen, die dem Boden des Wollmagazins, dem ehemaligen Atelier der Künstlerwerkgemeinschaft Kaiserslautern (KWG) auf dem Kammgarn-Areal, abgenommen wurden. KWG-Mitglied ist Erika Klos dabei seit langen Jahren, ebenso beim BBK (Berufsverband Bildender Künstler) und der apk (Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler). Doch zurück zur Kunst und ins Atelier.

Geschichten von Menschen und ihren Lebenswelten

Neben wandhohen Regalen beherbergen fünf Planschränke mit je zehn Schubladen ihre Werke. Geordnet sind sie thematisch etwa nach Abstraktem, Landschaften oder Figürlichem. Denn ist Erika Klos seit langen Jahren vor allem mit ihren informellen Arbeiten bekannt, exponiert ihr früheres Schaffen eine gegenständliche Darstellung von hoher Güte. Ein Beispiel dafür sind die vielen, vielen Blätter, die in den 80er und 90er Jahren in einem legendären Musikkeller Kaiserslauterns entstanden.

Abend für Abend habe sie dort gesessen und während der Auftritte gezeichnet – allerdings nur, wenn Musik erklungen sei. Ohne den Klang habe sie einfach nicht arbeiten können. Neben Porträts aus dem Publikum bannte sie auch Lautrer (Musik-)Szene-Gesichter aufs Papier, darunter der Sänger Fritz Walter, Leimsieder-Saxophonist Dieter Beck oder auch Mundartdichter Eugen Damm. Der Keller war seinerzeit übrigens genau in jenem Gebäude in der Königsstraße, in dem jetzt das Kunstkabinett K2 residiert.

Nicht nur an dieser Stelle erzählen die Arbeiten von Erika Klos Geschichten. Geschichten von Menschen und ihren Lebenswelten. Geschichten, die sie daneben auch in fernen Ländern entdeckte, etwa anno 2000 in einem Theater der kubanischen Inselhauptstadt Havanna, deren Akteure sie auf Telefonbuchseiten skizzierte. Die Bilder, Grafiken und Objekte offenbaren jedoch auch viel von der Künstlerpersönlichkeit, die dahinter steht. Und diese lebt von einer enormen Offenheit, vom Stil bis zum Material.

„Ich mache nichts, was ich machen will, was ich mir vorher vorgenommen habe, sondern ich finde etwas und arbeite es aus“, bringt sie ihren Ansatz auf dem Punkt. Was im Gespräch über ihre Kunst ebenso deutlich wird: Kunst entspringt bei Erika Klos einem inneren Impuls, einer inneren Notwendigkeit, kommt von etwas tun müssen – „und dankbar sein, wenn man darf und kann“, fügt sie nachdenklich hinzu. Eine Begegnung mit ihr und ihrer Kunst entführt den Betrachter jedenfalls zwangsläufig in ein faszinierend vielgestaltiges Kunstuniversum.

Info

Die Ausstellung in der Fruchthalle wird am 19. September, 17.30 Uhr eröffnet.

Reduzierte Zeichen: ebenfalls eine neue Serie von Erika Klos.
Reduzierte Zeichen: ebenfalls eine neue Serie von Erika Klos.
Abstraktion aus diesem Jahr trifft auf Gegenständlichkeit von 1991: das Porträt zeigt den Frankfurter Dr. Heilbrunn.
Abstraktion aus diesem Jahr trifft auf Gegenständlichkeit von 1991: das Porträt zeigt den Frankfurter Dr. Heilbrunn.
Blaue Frottagen, dem Boden des Wollmagazins abgelauscht.
Blaue Frottagen, dem Boden des Wollmagazins abgelauscht.
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