Tennis
Doppel zählen nur noch einfach
Ob Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit, im Jahr 2005 beim Blick auf die Wertung von Einzel- und Doppelspielen die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und die Waage aus ihrer Hand fallen gelassen hat, ist nicht überliefert. Doch die Entscheidung wurde so gefällt, die Spiele wurden ab da so gewertet. 15 Jahren lang gab es zwei Matchpunkte bei einem Sieg im Einzel, während es für einen Erfolg im Doppel drei gab. Das bedeutete, dass in einem Spiel zweier Sechserteams insgesamt 21 Matchpunkte ausgespielt wurden, in einer Vierermannschaft in der Summe 14. Ein Mannschaftsspiel endete also nach sechs Einzeln und drei Doppeln auf jeden Fall mit einem Sieger. Das knappste Endergebnis lautete 11:10, aber es war auch ein 21:0-Kantersieg möglich. Bei den Viererteams war auch ein Remis mit dem Stand von 7:7 möglich. Der höchste Sieg lautete 14:0.
Zurück zu den Wurzeln
Nun jedoch folgt die Rückkehr zum „alten“ System. Sowohl für einen Sieg im Einzel, als auch im Doppel, gibt es im Mannschaftsspiel einen Zähler. Das bedeutet, dass wie bisher bei den Sechser-Teams kein Remis möglich ist, während bei Vierermannschaften weiterhin ein Remis möglich ist.
Zum 1. Oktober 2020 wurde auch die Doppel-Regelung in einem anderen Punkt angepasst: Die Doppelspiele zählen nun auch für die Wertung der Leistungsklassen mit. Das könnte die Gefahr eines Abschenkens der Doppel verringern, das es immer wieder gab, wenn nach den Einzeln schon der Gesamtsieger feststand, wie dies bis 2005 der Fall war.
„Wir als Tennisverband Pfalz werden jetzt diese Änderung, die vom Deutschen Tennis Bund (DTB) festgelegt wurde, akzeptieren müssen“, äußert sich TVP-Geschäftsführer Thomas Knieriemen, der jedoch für die Zukunft offenlassen will, ob eine Rückkehr seines Verbandes zur bisherigen Regelung der unterschiedlichen Wertungsweise denkbar ist.
Das Bonbon für die Doppel
Nach der neuen Regel könnte in einer Sechsermannschaft der Sieger bei Siegen in den Einzeln schon vor den Doppeln feststehen. Damit die Doppel nicht abgeschenkt werden, hat der Deutsche Tennis Bund (DTB) die Leistungsklassen (LK)-Wertung angepasst. Das Doppel wird jetzt mit bewertet. Die LKs der beiden Doppelpartner werden dabei zusammengezählt und durch zwei geteilt.
Nachteile hat die neue Regelung trotzdem. Bei einer Sechsermannschaft ist beim Stand von 1:5 nach sechs Einzeln ein Sieg nicht mehr möglich, maximal ein 4:5 ist zu erreichen. Mit der „alten“ Regelung stand es nach den Einzelpartien zu diesem Zeitpunkt 2:10. Dennoch war es möglich, aus einem 2:10 noch einen 11:10-Sieg einzufahren.
„Doppel zu hoch bewertet“
„Die möglicherweise fehlende Spannung ist der einzige Nachteil“, sagt Stefan Opländer, Vorsitzender des TC Morlautern, und schlägt in eben diese Kerbe bei den Sechserteams. Gleichwohl habe er die Doppel als zu hoch bewertet angesehen und sah viele taktische Möglichkeiten für die Teams. „Die LK-Wertung bringt nun aber auch in die Doppel eine gewisse Spannung rein, das macht es dann attraktiv“, erklärt Opländer, der oft erlebt hat, dass die Doppel hergeschenkt wurden.
„Alte Regel war sympathischer“
„Mir war die alte Regelung doch etwas sympathischer. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass die alte Regelung Einzel teils schon entschieden hat“, sagt Martin Hammerschmidt, Sportwart des TuS TA Erfenbach, der Fan der Regelung bis zur Saison 2020 ist. Er habe mehrere Partien erlebt, bei denen es nach sechs Einzeln 2:10 stand und wo die schier aussichtslos zurückliegende Mannschaft das Spiel doch noch zu ihren Gunsten gedreht hat.
„Durch die neue Zählweise werden die Matches gleich gewichtet, was durchaus fairer ist“, sagt hingegen Jörn Steinhauser vom SV TA Miesenbach. Die Doppel-Regelung, die er als dynamisches System bezeichnet, sieht der Sportwart des Klubs, der auch für die Fußballer des SV Steinwenden II aktiv ist, durchaus positiv.
Fan der alten Zählweise
Sportwart Thomas Krück vom TC Ramstein ist ebenfalls eher ein Fan der bisherigen Regelung. „Es war einfach toll, wenn du durch die Doppel das Spiel noch drehen konntest. Wir müssen die neue Regelung jetzt so hinnehmen. So wie es vorher war, war es gut“, sagt Krück. Er hält die Änderung bei der Matchbepunktung nicht für notwendig und verweis t auf den Champions-Tie-Break, eine verlängerte Form des Tie-Breaks statt eines regulären dritten Satzes. „Das hatte sich doch auch etabliert.“