Kulturzentrum Kammgarn RHEINPFALZ Plus Artikel Dobet Gnahoré singt Geschichten von einer fernen Küste

Erzählte Geschichten aus ihrer Heimat, der Elfenbeinküste, die sie vor 27 Jahren wegen des dortigen Bürgerkriegs verlassen muste
Erzählte Geschichten aus ihrer Heimat, der Elfenbeinküste, die sie vor 27 Jahren wegen des dortigen Bürgerkriegs verlassen muste: Dobet Gnahoré.

Der zweite „Sound of the World“-Festivalabend übertraf noch den Auftakt. Die charismatische ivorische Sängerin Dobet Gnahoré war zu Gast.

Die 43-Jährige, die in Frankreich lebt, ist ein Multitalent und besann sich zusammen mit ihrem Quartett im Kammgarn-Konzert auf ihre kulturellen Wurzeln und ihre Heimatklänge. Sie gab ihrer Heimat an der Elfenbeinküste eine Stimme und ein prägendes Kolorit. Sie trägt diesen Klangzauber weit in die Welt, fungiert also als musikalischer Botschafter und Weltenbummler gleichermaßen.

Eigentlich sind Ausführende solcher Weltmusik (mit Rückbesinnung auf Traditionen, Kulturen sowie Idiome) musikalische Brückenbauer zwischen Kontinenten, haben aber auch historisierende Klänge mit zeitgenössischen Strömungen fusioniert. Bei dieser Formation mit Gitarrist Julien Pestre, Bassgitarrist Louis Haessler sowie Schlagzeuger Bodjo Dibo erfolgt die Rückbesinnung verantwortungsvoller, weil authentischer und lebendiger. Die Verschmelzung mit heutigen elektronischen Klangeffekten ist zwar vorhanden , die Musik orientiert sich aber (noch zu) stark an Rock-Pop- und Jazzbands. Mitunter schien es, dass ein eher monotoner und statischer Bass und ein aufdringlicher Schlagzeugpart sich zunehmend in den Klangvordergrund drängen wollen und ihr Können nicht in den Dienst der vokalistischen Aussage stellen wollen, sondern selbst oftmals die Initiative ergreifen.

Dobet Gnahoré griff auch selbst zu Schlagzeugstöcken.
Dobet Gnahoré griff auch selbst zu Schlagzeugstöcken.

Man täte gut daran, sich auf die eigentlichen Aufgaben von Bass als harmonisches und tragendes Fundament sowie Schlagwerk als unterstützendes rhythmisches Pendant zu besinnen und dem Charisma von Sängerinnen und Tänzerinnen und Multitalenten wie eben Dobet Gnahoré zu vertrauen. Die Ivorerin kann nämlich ein Publikum schon allein mit ihrer durchdringenden Stimme, ihrer Ausstrahlungskraft und Vielseitigkeit auf urtümlicher Flöte und Schlagwerk verzaubern und interaktiv mit dem Publikum alle mitreißen. Einige Programmpunkte mit einer dezenten Begleitung und einem zart umspielenden Gitarrenpart waren hier wegweisend; andere mit dröhnendem Bass und gehämmertem Schlagwerk störten dagegen die Balance.

Dennoch: Giganten wie eben Dobet Gnahoré sind nicht aus der Erfolgsspur zu werfen, und so kam es, wie es kommen musste: Die tief beeindruckende Sängerin war mit artistischen und choreografischen Einlagen eine der ganz großen Entdeckungen der vergangenen Jahre in der Kammgarn. Ein einfühlsamer Pianist oder wie hier Gitarrist Julien Pestre allein würden in einer minimalistischen Besetzung völlig ausreichen, um ein Maximum an Wirkung zu entfalten.

Faszinierende Stimme: Dobet Gnahoré.
Faszinierende Stimme: Dobet Gnahoré.

Ursprünglich trat sie mit ihrem Vater Boni nur mit dessen Schlagwerkpart auf. Durch den Bürgerkrieg in ihrer Heimat siedelte sie 1999 nach Marseille über und erhielt inzwischen viele Preise und Auszeichnungen. Mit einer solchen starken Persönlichkeit an der Rampe braucht man nicht hinten verstärkt in Aktion zu treten, das kann die Ausstrahlung und den Bühnenerfolg nur schmälern.

Laut ihrer Moderation in französischer und englischer Sprache künden Dobet Gnahorés Lieder in Balladenform von ihrer Heimat, ihren familiären Wurzeln, und sie wandelt auf den Spuren der Urahnen. Manche Stücke muten wie klingende Souvenirs an, andere wirken hymnisch und bewahren aber eine Symbiose aus originalen folkloristischen Elementen mit moderner peppiger Aufmachung.

Die Begeisterung des Publikums galt wohl vor allem dieser Powerfrau, ein Temperament- und Energiebündel, das alle faszinierte und die eigentliche Attraktion des Abends war.

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