Kaiserslautern Digitalisierung kritisch begleiten
Die Themen gehen ihm wohl nie aus: Der Arbeitskreis Arbeit und Technik der IG Metall beschäftigt sich seit 1982 mit Veränderungen in Betrieben und Unternehmen. Statt mit Automatisierung und Robotereinsatz beschäftigen sich die Mitglieder heute eher mit der Digitalisierung und deren Auswirkungen auf die Betriebe und die Arbeitnehmer. Auch Nicht-Gewerkschaftler sind zu den Treffen eingeladen.
„Der Arbeitskreis wurde im September 1982 von Vertrauensleuten und Betriebsräten in der IG Metall gegründet, mit dem technischen Wandel im Fokus“, schildert Achim Müller, der sich in der Arbeitsgruppe engagiert. Für Diskussionen hätten damals beispielsweise die Themen Leistungskontrolle und Arbeitszeiterfassungen gesorgt. Doch der Arbeitskreis, das ist den Mitgliedern wichtig zu sagen, trifft sich nicht nur im stillen Kämmerlein – jeden zweiten Dienstag im Monat in der IG-Metall-Geschäftsstelle –, es geht raus in die verschiedenen Betriebe. Edgar Reek: „Wir arbeiten eng mit den Betriebsräten zusammen, auf deren Einladung wir uns die Unternehmen mit Blick auf Digitalisierung und deren Auswirkung anschauen.“ Der Testingenieur ergänzt: „Uns geht es darum, mögliche Probleme zu erkennen und zu versuchen, diese zu verallgemeinern.“ Fortbildungen seien ein weiterer wichtiger Aspekt des Arbeitskreises, beispielsweise habe man sich vor einigen Wochen in einem zweitägigen Seminar mit dem „Arbeitskampf 4.0“ befasst. Reek: „Dabei ging es um den Streik der Zukunft.“ Das Interesse an dem Angebot des Arbeitskreises, der das Seminar auf die Beine gestellt hatte, sei groß gewesen. Inhaltlich sei man unter anderem darauf eingegangen, wie man Arbeitsniederlegungen mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel länderübergreifend koordinieren kann. Viele Betriebe hätten mittlerweile auf der ganzen Welt Niederlassungen oder sogar überhaupt keine klassischen Standorte mehr – wie etwa Online-Essenslieferdienste, deren Fahrer als Scheinselbstständige angestellt sind. Gewerkschaftssekretär Stefan Wolf freut sich, „dass wir in dem Thema bundesweit führend sind. In dieser Richtung gibt es nur wenig Beispiele.“ Das habe die Zusammenstellung der Referenten besonders spannend gemacht. Überhaupt sei die Beschäftigung mit der Arbeitswelt der Zukunft alles andere als langweilig, da sind sich die drei einig. Müller nennt Beispiele: „Wenn sich künftig die Werkstücke selbstständig ihren Weg durch die Produktion bahnen, gehen für die Mitarbeiter Handlungs- und Freiheitsgrade verloren, und die hochgelobten Augmented-Reality-Brillen können in bestimmten Einsatzgebieten zu einer Dequalifizierung der Beschäftigten beitragen.“ Auch sei die Frage spannend, wie sich die Arbeitswelt 4.0 gestalten lässt, ohne die Arbeitnehmer komplett im Verhalten und der Leistung zu kontrollieren. Müller warnt: „Nicht alles, was möglich ist, muss auch gemacht werden.“ Das ist für Reek ein zentraler Punkt des Arbeitskreises. Er betont, wie wichtig die Weiterbildung der Betriebsräte ist: „Nur dann können die Arbeitnehmervertreter den Wandel mitgestalten.“ Wolf: „Es geht uns ja nicht darum, den Fortschritt aufzuhalten, sondern ihn mitzugestalten.“ Die Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Arbeitskreis fließen laut Reek in die Gewerkschafts- und Betriebsratsarbeit ein. Derzeit sind etwa 25 Mitglieder darin engagiert, gerne dürften es noch einige mehr werden – vor allem der Anteil der jüngeren Kollegen und der Frauen sei noch ausbaufähig. Info Weitere Informationen zum Arbeitskreis Arbeit und Leben gibt es per E-Mail an kaiserslautern@igmetall.de und im Internet unter www.igmetall-kaiserslautern.de im Reiter „Arbeitskreise“.