Kaiserslautern Dienstag am Freitag
Wenn die Kooperationspartner des Literaturdienstages einladen, steht gewöhnlich die Lesung mit einem Autor an. Obgleich die Veranstaltung am Freitag, zu der die Volkshochschule, der Literarische Verein, das Theodor-Zink-Stadtmuseum, die Stadtbibliothek, die Blaue Blume und die Berufsbildende Schule II in die Scheune des Zink-Museums eingeladen hatten, mit „Kein Literaturdienstag“ überschrieben war, nahm Literatur einen breiten Raum ein.
Bekannte Kaiserslauterer Persönlichkeiten waren es, die Passagen aus ihren Lieblingsbüchern vortrugen. Anlass des etwas anderen Literaturdienstages war der bundesweite Vorlesetag. Den nutzten die Kooperationspartner, um auf das Problem mangelnder Lese- und Schreibkenntnisse bei Erwachsenen aufmerksam zu machen (wir berichteten). Für Michael Staudt, den Leiter der Volkshochschule, eine Gelegenheit, drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Noch einmal auf die Bedeutung des Literaturdienstags hinzuweisen, der sich seit über 30 Jahren mit Autoren zu einer Kultveranstaltung entwickelt hat, den funktionalen Analphabetismus in Kaiserslautern herauszustellen und Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Kultur und Religion als Vorleser zu Wort kommen zu lassen. Welche Informationen, Unterhaltung und Bereicherung Lesekenntnisse für das Leben ermöglichen, zeigten bekannte Lauterer, indem sie Passagen aus ihrer Lieblingslektüre darboten. Eine bunte literarische Mischung war es, ein Querschnitt aus Epochen und Gattungen, die einen Einblick in die Bandbreite von Literatur gaben. Dekanin Dorothee Wüst liebäugelte mit einem Auszug aus „Des Kaisers neue Kleider“, einem Märchen des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen. Barbara Schuttpelz, Abteilungsleiterin der Pfalzbibliothek, hatte es ein Brief von George Michael Herancourt aus dem Jahr 1830 angetan, in dem er über eine gefährliche Situation auf hoher See berichtet. Professor Helmut Schmidt, Präsident der Technischen Universität Kaiserslautern und selbst Biologe, präferierte Textstellen aus einem Band „So kam der Mensch auf den Hund“ des Verhaltensforschers Konrad Lorenz. Andrea Wittstock, Dramaturgin am Pfalztheater, outete sich als Fan von Harry Potter, Gabriele Fliege von der Werbegemeinschaft S+E favorisierte einen Auszug aus Annette von Droste-Hülshoffs Novelle „Die Judenbuche“. Jens Stöcker, Leiter des Theodor-Zink-Museums, trug eine Episode aus dem Roman „In seiner frühen Kindheit ein Garten“ von Christoph Hein vor, Eva Wenzel-Staudt, Schulleiterin des Albert-Schweitzer-Gymnasiums, Begebenheiten aus „Die Manns“, einem Roman von Tilmann Lahme. Mit Beiträgen von Britta Buhlmann, der Leiterin der Pfalzgalerie, und von Bürgermeisterin Susanne Wimmer-Leonhardt schloss sich der Kreis der Vorleser. Buhlmann las aus Inge Merkels „Eine ganz gewöhnliche Ehe. Odysseus und Penelope“, Wimmer-Leonhardt trug Gotthold Ephraim Lessings „Ringparabel“ aus dem Drama „Nathan der Weise“ vor. Mit Sachkenntnis führte Morphy Burkhart, Inhaber der Buchhandlung Blaue Blume, von Lesung zu Lesung. (jsw)