Kaiserslautern Die Würde der Ausgegrenzten

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Momente menschlichen Leids: Das ist das wiederkehrende Motiv im Werk der Künstler Carl Philipp Spitzer und Wolf Spitzer, Vater und Sohn. Die Städtische Galerie Speyer zeigt bis 22. Juni ihre Arbeiten im Vergleich, in der Ausstellung „La nuit de pauvres“ – „Die Nacht der Armen“.

„Mein Kerzenstümpfchen ist erloschen. – Ich hocke nachdenklich und unendlich allein im tiefsten Schatten von Paris“, lautet der Schluss eines Textes von Carl Philipp Spitzer über seinen Studienaufenthalt in Paris 1927. Er verdeutlicht, wie sehr ihn das Schicksal de Menschen, die er porträtiert hatte, berührte. Er fertigte in Paris zahlreiche Zeichnungen mit Motiven aus der Welt der Obdachlosen – Carl Philipp Spitzers bedeutendste Motivgruppe, neben der Landschaftsmalerei. In der Zeit in Paris ist hierzu ein geschlossener Zyklus entstanden. Im Fokus stehen Bettler, Kranke und Hungernde. Nicht mal annähernd voyeuristisch porträtiert er sie als Individuen. Auch dokumentiert er die Clochards nicht in hoffnungslosen Situationen. Er nimmt sie als selbstbewusste Menschen wahr, die nicht aufgegeben haben. Mit sicherem, dynamisch expressivem Strich zeigt er eine traurige Parallelwelt neben dem Wohlstand des Großbürgertums der 1920er Jahre. Der 1887 in Speyer geborene Carl Philipp Spitzer studierte von 1911 bis 1914 Pharmazie und Journalismus in Heidelberg und war 1914 bis 1918 Soldat im Ersten Weltkrieg. Ab 1921 studierte er Malerei an der Lewin-Funke- Schule in Berlin. In diesem Jahr bereits stellte er seine Arbeiten im Pfälzischen Kunstverein in Speyer vor. 1979 verstarb er in seiner Heimatstadt Speyer. Sein Sohn, der Bildhauer Wolf Spitzer, wurde 1940 geboren. Er besuchte in den 1960er Jahren die Werkkunstschule in Darmstadt. Danach studierte er in Wien Kunst bei Fritz Wotruba und Oswald Oberhuber. 1978 arbeitete er als Stipendiat der „Cité Internationale des Arts“ in Paris und begab sich auf die Spuren seines Vaters. Er fand ähnliche Situationen und Schicksale wie sein Vater ein halbes Jahrhundert zuvor. Wolf Spitzer setzt sich gerade in Paris mit der Person Carl Philipp Spitzer als Vater und als Künstler auseinander. In der Ausstellung begegnen sich Vater und Sohn in einem spannenden Dialog. Gerade ihre unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten verstärken den Appell an den Betrachter, der stellvertretend für die Leidenden anklagen und handeln soll. Wolf Spitzers Bronzeköpfe sind weit abstrahiert. Grob und zerklüftet stehen sie für die Vielfalt des menschlichen Seins und sprechen unmittelbar zum Unterbewusstsein des Betrachters. Zarte, aber auch kantige Profile erzählen von Verletzlichkeit. Goldene, glänzend polierte feine Linien auf der Oberfläche und wenig Farbe akzentuieren das persönliche Schicksal. Sensibel gibt Wolf Spitzer seinen „Menschen“ eine Stimme. Lässt sie schreien, anklagen oder auch verstummen.

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