Kaiserslautern Die Vision vom Frauenfußball bei der TSG

Fußballerinnen drücken mit den Nachwuchshoffnungen vom FCK die Schulbank im Heinrich-Heine-Gymnasium, sind in die Fußballstadt Kaiserslautern gekommen, um ihr Hobby mit der Schule zu verbinden, wollen mit dem Sport nach oben. Sie trainieren mit Kickern aus der Region bei der TSG Kaiserslautern, die bekannt ist für ihren Frauenfußball. So sieht die Vision aus, die der Sportverein, die Schule und die Spielertrainerin zeichnen, die gerade ein Projekt starten: Frauenfußball bei der TSG, in Kooperation mit dem HHG Kaiserslautern.
Die Idee dazu hatten alle drei Seiten unabhängig voneinander, wie sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ berichten. „Langsam dämmert es den Eltern, dass Fußball auch eine tolle Sportart für Mädchen ist“, hat Ulrich Becker, Schulleiter am HHG, festgestellt. „Im Unterricht sehe ich, wie toll Mädchen Fußball spielen.“ Doch spätestens, wenn sie nicht mehr mit den Jungs zusammen spielen, sei da ein Bruch, bedauert er. Holger Westing, der TSG-Vorsitzende stimmt ihm zu: „Gerade in den ganz jungen Altersklassen sind viele Mädchen, die in Jungsmannschaften mitspielen.“ Wenn dann nach Geschlechtern aufgeteilt wird, „bleiben sechs, sieben Mädchen, die spielen wollen“, sagt Becker. „Ein paar wenden sich vom Fußball ab, die anderen wandern in andere Orte ab.“ Denn während Kaiserslautern im Männerfußball dank des FCK gut vertreten sei, sei da im Frauenfußball eine Marktlücke, findet er. Ingo Marburger, der Geschäftsführer der TSG, stimmt ihm zu. Er bedauert, dass von einer Stadt wie Kaiserslautern Kickerinnen nach Jägersburg fahren, statt hier zu spielen. „Gerade erste Erfahrungen sollte man in der Nähe machen“, pflichtet ihm Becker bei, der zugibt, dass die Idee, etwas für die Fußballerinnen zu tun, schon älter sei. „Bisher ist aber alles im Sand verlaufen.“ Bis Markus Berndt, Lehrer und Fußballtrainer am HHG, auf Ingo Marburger, den Geschäftsführer der TSG, zukam. „Er hat mich angesprochen, dass das HHG plant, die Arbeit mit Mädchen zu intensivieren. Parallel dazu gab es eine Anfrage von einer Trainerin, die den Mädchenfußball intensivieren wollte“, erzählt Marburger. Er berichtet, dass sich schließlich das Präsidium des Sportvereins mit der Frage befasste und zu dem Schluss kam, dass das Thema durch eine Kooperation mit dem Gymnasium „eine andere Qualität bekommt“.Und dann war da noch die potenzielle Trainerin, Isabelle Hofstätter, die zusammen mit vier Mitspielerinnen den Verein wechseln wollte und die „unbedingt zur TSG wollte“. „Das Thema Frauenfußball ist im Stadtbereich in den letzten 20 Jahren vernachlässigt worden“, bedauert sie. „Im Landkreis hat man was gemacht. Alles, was talentiert war, ging nach Siegelbach, später zu Jägersburg, Saarbrücken, zwischendrin zum FC Marnheim.“ Hofstätter hat da eine andere Vision. Sie würde lieber den „Standort stärken“, wünscht sich „einen guten Verein mit professionellen Strukturen. Ich bin da auf die TSG gestoßen“, sagt sie und schwärmt von der zentralen Lage, der guten Verkehrsanbindung, den perfekten Bedingungen. Der Anfang ist gemacht. „Es gab mehrere Gespräche. Im Mai kam das Ja. Am 6. Juni haben wir den Trainingsbetrieb aufgenommen, am 12. Juni die Mannschaft gemeldet.“ Inzwischen steht das Team im Spielplan der Bezirksklasse Westpfalz, ist eine von zehn Mannschaften in der untersten Liga, in der auch Neuner-Mannschaften geführt sind. Es gab Gespräche mit dem Abteilungsleiter Fußball. Hofstätter: „Die Sponsoren stehen dahinter. Wir haben mit fünf Spielerinnen angefangen, haben jetzt einen kleinen Kader zusammen. 14 bis 35 Jahre sind die Kickerinnen alt. „Vom blutigen Anfänger bis zum Regionalligaspieler ist da alles dabei, und wir haben in jedem Mann-schaftsteil erfahrene Spielerinnen“, erzählt die Spielertrainerin, die Erfahrung als Stürmerin mitbringt. Ihr langfristiges Ziel: der Aufstieg in die Landesliga Westpfalz und der Aufbau eines Mädchenteams. Sie will das Potenzial, das die Region hat, nutzen: „Die Leute sind fußballverrückt, die vielen Amerikaner, die Universität.“ Zwei Amerikanerinnen sind schon im Team. Und durch das Zweitspielrecht für Pendler hofft sie auch auf Studenten wie die eine Fußballerin im Team aus Köln, die in Kaiserslautern studiert und zwei Pässe hat. Becker jedenfalls versichert, dass seine Einrichtung bereit sei, die Trainings- und Schulzeiten abzustimmen. „Wir wollen ein kräftiges Standbein, das sich mit Mädchenfußball beschäftigt.“ Seine Vision für die Zukunft ist, dass Fußballerinnen ans HHG wollen, weil sie da auch höherklassig spielen können und dass sie wie die jüngeren jetzt auch „zusammen mit den FCK-Jungs trainieren“. Für Holger Westing, den TSG-Vorsitzenden, ist das Risiko überschaubar, das sein Verein eingeht. „Das HHG und die TSG haben eine Kooperation. Wir können in Ruhe was aufbauen, was wächst.“ Dreimal in der Woche treffen sich die Fußballerinnen der TSG derzeit. Torwarttrainerin Yvette Stegmüller und Hofstätter, die auch als Spielleiterin fungiert, coachen, suchen langfristig noch eine Co-Trainerin, die wohl aus der Mannschaft kommen wird. Wer Interesse hat, reinzuschnuppern, kann immer freitags um 18 Uhr vorbeischauen, auch montags oder mittwochs ab 18.45 Uhr, oder im HHG nachfragen. Weitere Infos gibt es auch auf der Facebookseite „TSG Kaiserslautern Frauenfußball“.