Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Die Unionskirche in Kaiserslautern hat eine lange Geschichte

Im Jahr 1711 wurde der Grundstein für die lutherische Kirche auf dem Rittersberg gelegt.
Im Jahr 1711 wurde der Grundstein für die lutherische Kirche auf dem Rittersberg gelegt.

Seit über 300 Jahren steht sie da, ein bedeutendes Baudenkmal unserer Stadt. Mehrmals hat sie ihren Namen gewechselt: Lutherische Kirche („Lutherkirche“), Kleine Kirche, seit 2018 Unionskirche. Seit Anfang März ist sie Corona-Testzentrum.

In der Zeit der Reformation spalteten sich die Protestanten in Lutheraner und Reformierte. In Kaiserslautern, wo die Reformation 1554 eingeführt wurde, dominierten bald die Reformierten. 1699 wurde der lutherischen Minderheit erlaubt, ihre Gottesdienste in der reformierten Stiftskirche abzuhalten, doch 1705 verlor sie das Gastrecht wieder und musste ihre Gottesdienste eine Zeit lang unter freiem Himmel halten. Die Gemeinde wuchs und damit der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus.

Erst im Jahre 1711 wurde der Grundstein für die lutherische Kirche auf dem Rittersberg gelegt. Doch die Bauarbeiten wurden bald eingestellt, weil der Schlosskommandant Wolf die Grundsteinlegung in eigenmächtiger Weise vorgenommen haben soll. Außerdem hieß es, in den Grundstein sei nicht das Porträt des Kurfürsten, sondern das des Königs von Schweden und Herzogs von Zweibrücken Karl XII. eingelegt worden. Der Grundstein wurde aber auf Anraten des Amtmannes nicht mehr geöffnet. Zum einen sei das Fundament schon so weit hochgezogen gewesen, zum anderen hieß es, die Behauptung mit dem Bildnis des schwedischen Königs basiere auf einem Gerücht, das von „bösen Leuten“ in die Welt gesetzt worden sei. Gleichwohl hatte der Monarch den Kirchenbau mit einer großzügigen Spende unterstützt. Erst 1717 war der Bau vollendet.

Kleiner Glockenturm angebaut

Als die lutherische Gemeinde 1753 daran ging, dem Bau einen kleinen Glockenturm anzufügen, bat sie die Stadtverwaltung, ihr Eichen- und Kiefernstämme zur Erbauung desselben zu spendieren. Das Eichenholz könne nach altem Herkommen aus den herrschaftlichen Waldungen des Reichswaldes gratis geliefert werden; das Kiefernholz wolle man gerne geben, teilte der Stadtrat mit. 1784 erhielt die Kirche eine neue Kanzel, die von den Professoren und Studenten der Kameral-Hohen-Schule „von allen drei Religionen“ (Reformierten, Katholiken und Lutheranern) gestiftet worden war.

In den Revolutionskriegen beschlagnahmten die Franzosen 1794 die Glocken, demolierten die Einrichtung und nutzten die Kirche – wie schon zuvor die Stiftskirche – als Heu- und Hafermagazin. Der Inspektor des lutherischen Kirchenbezirks Kaiserslautern, der Reichenbacher Pfarrer Johann August Gutheil, schrieb 1796: „Nirgends sieht es für unsere evangelische Gemeinde so traurig aus als zu Lautern. Da ist die Kirche und das Pfarrhaus unbrauchbar (...) alles Inngebäude, Orgel, Kanzel, Stühle, Bordbühne und alle Säulen sind heraus und dem Einsturz nahe.“ Pfarrer Wilhelm Gerlach, der 1797 mit 23 Jahren seinen Dienst hier antrat, bemühte sich, Kirche und Pfarrhaus instand zu setzen. Unter ihm kam es auch zu einer weiteren Annäherung an die reformierte Gemeinde.

Bei der 300-Jahrfeier der Reformation (1817) zeigte sich – wie Gerlach schrieb – die „schönste Harmonie; in hiesiger Stadt wohnten viele Katholiken und selbst mehrere Judenfamilien dem öffentlichen Gottesdienst und der gehaltenen Predigten in der lutherischen Kirche bei“.

Union mit Abendmahl besiegelt

1818 endete in der Pfalz – nach einer vom bayerischen König gewünschten Volksabstimmung – die Trennung der Protestanten in Lutheraner und Reformierte. Nach der Eröffnung der Generalsynode zogen die Synodalen am 2. August 1818 in festlichem Zug von der Stiftskirche zur lutherischen Kirche. Nach Abschluss der Verhandlungen und Unterzeichnung der Unionsurkunde ging es zwei Wochen später von der lutherischen Kirche zur Stiftskirche. Dort wurde die Union mit dem ersten gemeinsamen Abendmahl besiegelt.

Fortan dienten beide Gotteshäuser der unierten protestantischen Gemeinde. 1831 wurde die Benutzung der Kirche aufgegeben, nachdem Jugendliche alle Fenster mit Steinen eingeworfen hatten. Erst 1842 wurden die Fenster wieder mit Glas versehen. 1863 erhielt die Kirche neue Glocken, nachdem das Geläut von 1819 unbrauchbar geworden war. Eine dieser neuen Glocken, von dem Lauterer Glockengießer Hamm gegossen, ist übrigens die einzige Glocke in Kaiserslautern, die all die folgenden Kriege überstand und nie eingeschmolzen wurde.

1871 konnte die altkatholische Gemeinde hier ihre Gottesdienste feiern. 1876, nachdem infolge des starken Bevölkerungsanstiegs die dritte protestantische Pfarrstelle in Kaiserslautern eingerichtet worden war, diente die Kirche wieder als Gotteshaus der neuen protestantischen Kirchengemeinde.

Seit 1925 mit Warmluftheizung

1909 wurde für den östlichen Teil der Stadt eine vierte evangelische Pfarrei errichtet, der die kleine Kirche zugewiesen wurde, die nun offiziell den Namen „Lutherkirche“ erhielt. 1910 wurde die um 1880 eingebaute Orgel durch ein Instrument der Ludwigsburger Orgelbaufabrik Walcker ersetzt, wobei Gehäuse und Prospekt der alten Orgel nach Umgestaltung und Vergrößerung in den Neubau einbezogen wurden. 1925 erfolgte der Einbau einer Warmluftheizung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie die einzige protestantische Kirche der Stadt, die noch einigermaßen intakt war. Die Stiftskirche und die Apostelkirche – sonst gab es damals keine weiteren evangelischen Kirchen – waren durch die Bombenangriffe zerstört. Daher fanden alle Gottesdienste in der Nachkriegszeit hier statt. Viele erinnern sich an ihre Konfirmation, manche auch an ihre Hochzeit dort.

„In der weiteren Entwicklung“, schrieb der frühere Dekan Karl Heinrich Beck, „entsteht nach dem 2. Weltkrieg die Lutherkirchengemeinde. Der neue Kirchenbau an der Altenwoogstraße übernimmt den Namen Lutherkirche. Die ehemalige lutherische Kirche am Rittersberg erhält die offizielle Bezeichnung Kleine Kirche.“

Als die Pfarrkirche St. Martin in den Jahren 1977/78 eine gründliche Erneuerung erfuhr, konnte die katholische Nachbarpfarrei hier ihre Gottesdienste feiern.

Anfang der 1990er umfassend saniert

Von 1991 bis 1993 wurde das Gotteshaus unter Leitung des Architekten Thomas Lahmé umfassend saniert. Im Vorfeld der Feierlichkeiten zum 200. Jubiläum der Kirchenunion beschloss der Bezirkskirchenrat 2018, die „Kleine Kirche“ in „Unionskirche“ umzubenennen. Auch wenn sie heute keine ausgesprochene Gemeindekirche mehr ist, ist sie für viele ein Stück kirchlicher Heimat.

Wenn die Unionskirche nun vorübergehend einem anderen, der Gesundheit der Menschen dienenden Zweck zugeführt wird, erfüllt sie damit durchaus einen biblischen Auftrag. Ist doch die Heilung von Krankheiten, und darunter fallen sicher auch die Vorbeugungsmaßnahmen, ein wichtiger Teil der Mission Christi.

Die Stadt Kaiserslautern hat in der Unionskirche ein Corona-Testzentrum eingerichtet.
Die Stadt Kaiserslautern hat in der Unionskirche ein Corona-Testzentrum eingerichtet.
Von 1991 bis 1993 wurde das Gotteshaus unter Leitung des Architekten Thomas Lahmé umfassend saniert.
Von 1991 bis 1993 wurde das Gotteshaus unter Leitung des Architekten Thomas Lahmé umfassend saniert.
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