Kaiserslautern Die Stadt im Panorama-Format abfotografiert
Mehr als 400 Kilometer umfasst das Straßennetz Kaiserslauterns, Stadtteile mit eingerechnet. Klaus Bitzer kennt sie nun alle. Seit dem 7. Juli war der Fahrer in Diensten des Unternehmens Cyclomedia mit seinem markanten Auto mit einer technischen Vorrichtung auf dem Dach auf den Straßen unterwegs. Mitte vergangener Woche war er durch. Beim Abfahren wurden in regelmäßigen Abständen Bilder gemacht, so genannte Panorama-Aufnahmen, die nun in wenigen Wochen der Stadtverwaltung zur Verfügung stehen.
Erst verpixeln, dann weiterverarbeiten
„Die meisten denken: Google“, beschreibt Bitzer die Reaktionen auf sein Fahrzeug und seine Arbeit. Damit hat er aber gar nichts zu tun. Denn im Gegensatz zu dem Internet-Konzern stellt sein Arbeitgeber die gemachten Aufnahmen lediglich der Stadtverwaltung zur Verfügung und auch erst dann, wenn Gesichter sowie lesbare Autokennzeichen auf den Bildern verpixelt und damit unkenntlich gemacht worden sind. „Die meisten, denen ich das auf Nachfrage erkläre, finden das dann gar nicht so schlecht“, berichtet Bitzer weiter.
Cyclomedia ist schon länger im Geschäft als man vermuten mag. Seit den 1980er Jahren fotografiert das Unternehmen im Auftrag Straßenzüge. „Damals musste dann alle paar Meter gestoppt und auf den Auslöser gedrückt werden“, blickt Bitzer zurück. Das muss er heute nicht, er versuche immer – wenn es der Verkehr zulasse – im gleichen (erlaubten) Tempo zu fahren. Da lege er sogar mal in der Tempo-30-Zone den Tempomaten ein.
Bitzer war im Auftrag von „Herzlich Digital“ unterwegs, die Befahrung und das damit verbundene Bildmaterial ist Teil eines Smart-City-Projektes. Im Herbst 2021 war Bitzer schon einmal unterwegs, nun befuhr er Kaiserslauterns Straßen ein zweites Mal. „Es ging uns darum, Lücken zu schließen, Straßen, die beim letzten Mal gesperrt waren oder noch privat waren“, aufzunehmen, berichtet der Projektverantwortliche Jan Frühauf und nennt die Opelstraße als Beispiel für eine einst private Straße, die nun freigegeben ist.
„Der Mehrwert für das Referat Tiefbau ist schon groß“, sagt Frühauf und spricht damit schon einen der Nutzer der detaillierten Bildergalerie der Straßenzüge an. So könnten auch Objekte im Straßenverkehr, etwa Schilder kartografiert und inventarisiert werden. Aber auch die Stadtplaner profitieren laut Frühauf von dem Material, mittlerweile liege sogar eine Anfrage der Polizei vor.
Das Projekt, Frühauf nennt ein Volumen von rund 240.000 Euro auf vier Jahre verteilt, wird vom Bund gefördert und läuft noch das komplette kommende Jahr. Herzstücke waren die beiden Befahrungen, die nun abgeschlossen sind. In etwa zwei Wochen, schätzt Bitzer, liegen die bearbeiteten Bilder dann der Stadt vor.
Von Kaiserslautern geht es weiter nach Tschechien
Dann ist Bitzer schon wieder auf anderen Straßen unterwegs, ein Projekt in Tschechien schließe sich an. Sein Arbeitgeber hat laut Bitzer Kunden in ganz Europa, der überwiegende Teil seien Stadt- oder Kommunalverwaltungen, aber auch Telekommunikations-Unternehmen, die auch ein Interesse daran haben, wie vor Ort Straßen verlaufen, an denen beispielsweise Leitungen verlegt werden könnten.
Weil er gerade auch auf abseits liegenden Straßen unterwegs ist, sehe er viel von Deutschland und Europa. „Ich komme in Ecken, da kommen die meisten Leute nicht hin“, findet Bitzer.