Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Die schwierige Spurensuche der Kaiserslauterer Graffiti-Bekämpfer

Viele Graffiti in der Stadt wie hier im Viadukt in der Trippstadter Straße haben einen Bezug zum FCK.
Viele Graffiti in der Stadt wie hier im Viadukt in der Trippstadter Straße haben einen Bezug zum FCK.

Für die einen sind Graffiti Kunst, für andere Schmiererei. Rechtlich ist ein illegal gesprühtes Bildchen eine Sachbeschädigung. Ermittler geben Einblicke in ihre Arbeit.

Das Büro von Burkhard Clasen hängt voll mit Bildern besprayter Züge. Hier ermittelt der Beamte der Bundespolizeiinspektion Kaiserslautern. Oft reichen ihm dafür schon die Aufnahmen, sagt er. Denn seit einigen Jahren beschäftige er sich intensiv mit der Sprayerszene. „Das ist wie bei einem Künstler. Da erkennt man die Unterschiede in einem Gemälde auch, wenn man sich auskennt“, ergänzt er. Der Schwung eines Buchstabens, wiederkehrende Muster – all das analysiert Clasen, vergleicht es mit früheren Fotos, versucht Verbindungen herzustellen und die Täter so nach und nach zu ermitteln, damit es zur Anklage kommen kann. Und all das sei oftmals schwierig, wenn die Täter bei ihrer Sachbeschädigung nicht direkt erwischt werden.

Als Polizeibeamter der Bundespolizei ist Clasen immer dann gefragt, wenn an Bahnanlagen illegale Sprühereien auftauchen: an Bahnhöfen, an oder in Zügen genauso wie an Schallschutzwänden oder Bahngebäuden. Anne Venus-Awartani, bei der Bundespolizei in Kaiserslautern für die Pressearbeit zuständig, kennt die Fallzahlen für ihre Zuständigkeit. In der Polizeilichen Kriminalstatistik sind in der Stadt zwischen 2020 und 2024 insgesamt 274 Sachbeschädigungen durch Graffiti an Bahnanlagen festgestellt worden. Die Aufklärungsquote liege zwischen 1,37 (2022 bei 73 Fällen) und zwei Prozent (2023 bei 50 Fällen). In den Jahren 2020, 2021 und 2024 habe die Ermittlung bislang zu keinem Erfolg geführt. Insbesondere an den Zügen sind keine Anfänger am Werk, sondern Leute mit viel Erfahrung, die in wenigen Minuten ihre Werke vollenden können, erläutert Clasen. Das mache es schwierig, die Sprayer bei ihren Taten direkt zu erwischen.

Zwischen Sprayerszene und Fanszene gibt es laut Polizei viele Überschneidungen.
Zwischen Sprayerszene und Fanszene gibt es laut Polizei viele Überschneidungen.

200 bis 250 Fälle pro Jahr in der Stadt

Bei Ermittlungen arbeiten Bundes- und Landespolizei zusammen. Denn letztere ist auf Plätzen oder im Straßenraum zuständig, beispielsweise wenn Trafostationen, Hauswände, Garagentore oder Verkehrsschilder und Stromkästen besprüht werden. Und wer durch die Stadt läuft, sieht die illegal gesprühten Schriftzüge und Bilder zuhauf: In der Altstadt, der Fußgängerzone, im Musikerviertel genauso wie zwischen Pariser Straße und Hauptbahnhof. Die Sprayer wählen Orte, an denen ihre Graffiti gut sichtbar sind, erklärt Christiane Lautenschläger, Sprecherin beim Polizeipräsidium Westpfalz. Wie viele es genau sind, lässt sich aber nicht sagen. Die Stadtbildpflege erfasst Graffiti bei Kontrollgängen zwar, allerdings nur stichprobenartig, sodass keine genaue Aussage möglich ist, erklärt die Stadtverwaltung.

Große und kleine Graffiti finden sich an vielen Hauswänden (hier in der Karcherstraße) im Stadtgebiet.
Große und kleine Graffiti finden sich an vielen Hauswänden (hier in der Karcherstraße) im Stadtgebiet.

In den vergangenen fünf Jahren weist die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Stadtgebiet von Kaiserslautern „immer ungefähr zwischen 200 und 250 Fällen pro Jahr [aus], wobei sich die Fallzahlen zuletzt rückläufig entwickelt haben. Diese Tendenz hat sich auch im ersten Halbjahr 2025 fortgesetzt“, so Lautenschläger. Im selben Zeitraum lag die Aufklärungsquote der Graffiti-Straftaten zwischen zehn und etwa 30 Prozent, meist um die 20 Prozent.

Schnelles Reinigen tut illegalen Sprayern weh

„Den Sprayern geht es um Fame, den Ruhm“, erklärt Clasen – und dafür müsse man sichtbar sein. Wer viel spraye oder „etwas macht, was die Szene sehr gut findet“, steigere seinen Ruhm. „Wenn man es eindämmen will, hilft es sicher, viel und schnell zu reinigen. Das tut den Sprayern schon weh“, sagt er. Denn ohne Spuren des Werks verblasst der Ruhm. Außerdem gehe es vielen Sprayern auch um den „Adrenalin-Kick“ des Verbotenen.

In Kaiserslautern – erklärt Clasen – seien die Überschneidungen zwischen Sprayerszene und Fanszene des 1. FC Kaiserslautern sehr groß. So entstünden viele Graffiti mit FCK-Bezug. Häufig seien dieselben Leute auch für viele andere Motive, sogenannte Pieces, oder Tags, gleichbedeutend mit einer Art „Unterschrift“ des Sprayers, in der Stadt verantwortlich.

Auch wenn die Täter sowie die Mittäter und Beteiligten „zum Ersatz des vollen Schadens verpflichtet“ sind, tragen die Kosten zur Entfernung eines Graffitos oft die Geschädigten. Die Polizei schätzt, dass innerhalb des Stadtgebiets im Jahr eine Gesamtschadenssumme in sechsstelliger Höhe anfällt, um illegale Graffiti wieder entfernen zu lassen. Auch städtische Gebäude sind immer wieder betroffen. So hat die Stadtverwaltung in diesem Jahr erstmals in ihrem Haushalt für die Entfernung von Graffiti ein jährliches Sonderbudget in Höhe von 50.000 Euro festgeschrieben.

Keine Seltenheit: besprühte Stromkästen (hier in der Königstraße).
Keine Seltenheit: besprühte Stromkästen (hier in der Königstraße).

Stadtbildpflege berät zur Graffiti-Entfernung

Die Polizei rät, sich direkt zu melden und Anzeige zu erstatten, sobald ein illegales Graffito auffällt. Der Schaden am eigenen Eigentum sollte dokumentiert werden und, nachdem die Polizei vor Ort war, schnell entfernt werden. „Das schmälert den Erfolg der Täter“, erklärt das Polizeipräsidium Westpfalz. Wichtig sei zudem, den Schadensersatzanspruch geltend zu machen. Vorbeugend könnten einige Gestaltungsmaßnahmen helfen: Eine Oberflächenbegrünung beispielsweise oder eine gute Beleuchtung mittels Bewegungsmelder. Bei der Stadtbildpflege berät ein Mitarbeiter Bürgerinnen und Bürger bei Fragen zur Entfernung und Vorsorge vor Graffiti, teilt die Stadtverwaltung mit.

Doch das, was wirklich helfe, ist „Flagge zeigen“, Täter auf frischer Tat ertappen und eine konsequente Strafverfolgung. Davon ist Clasen überzeugt.

Zur Sache: Die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik

Das Polizeipräsidium Westpfalz beantwortet Fragen zur Kriminalitätsentwicklung bestimmter Phänomene laut einer Sprecherin auf der Grundlage der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS). Diese ist bundesweit gültig und unterliegt einheitlichen Erfassungs- und Qualitätskriterien. Erfasst werden die Fälle dort zum Zeitpunkt des Abschlusses der polizeilichen Ermittlungen bei Abgabe an die Staatsanwaltschaft. Die PKS gibt daher nur einen Aufschluss über die Anzahl der im jeweiligen Beobachtungszeitraum abgeschlossenen polizeilichen Ermittlungen. Sie lässt daher keine Rückschlüsse auf die Tatzeit zu. Diese kann im Jahr der statistischen Erfassung oder auch im Zeitraum davor liegen.

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