Kaiserslautern Die Ruhe vor dem Sturm?
Eine neue Ausstellung läuft seit Donnerstagabend im AmWebEnd. Sie zeigt die Malerei von Youssef Hag Ebrahim unter dem Titel „Erinnerungen an eine Heimat“. Der Künstler stammt aus dem kriegs- und krisengeplagten Syrien.
Die Bilder des syrischen Designers und Malers Youssef Hag Ebrahim strahlen Ruhe aus. Gleich, ob es nun seine Straßen- und Gassenansichten aus Damaskus sind oder seine klassischen Stillleben: Die Wirkung erscheint stets kontemplativ, warm und freundlich. Dazu zeigt Ebrahim im alternativen Kulturtreff kleinformatige Arbeiten, konzentriert und dicht. Landschaftsausschnitte und Dorfstraßen sowie pointierte Gesichtsausschnitte aus Augen und Brauen, nahe am Fotorealismus. Mit dieser Schau hält Daphne Landenberger vom AmWebEnd das Niveau, welches der Kairoer Fotograf Hamdi Reda letztens mit seiner von ihm kuratierten Fotoausstellung eingeläutet hat (wir berichteten). Man sieht den eindrücklichen Bildern Ebrahims an, dass ihnen gekonnte Zeichnungen zugrunde liegen. Gassenansichten in warmen Gelb- und Ockertönen, Häuser, die sich wie Freunde einander zuneigen, pittoreske Hauseingänge, Stromkabel wie Spinnenweben gegen den ausschnitthaften, blauen Himmel – wohl leider eine nur scheinbar heile Welt im heutigen Syrien. Doch so ganz heil ist sie nun auch wieder nicht, die malerische Welt des syrischen Künstlers. Denn hinter der generellen Ruhe seiner Kunst versteckt sich etwas. Schwer greifbar, aber doch vorhanden. Vielleicht ist es so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm. Auch so manche Türzarge im rot-weiß gestreiften Anstrich verwundert einen etwas. Was verbirgt sich hinter diesen Türen in Warnfarben? Hoch detailliert und als künstlerische Kraftzentren wirken die kleinformatigen Werke des Mannes aus Damaskus. Aufstrebende, in der sommerlichen Hitze flirrende Zypressengewächse hinter hellbraunen Felsen, die wie von einem Riesen hingeworfen wirken, dörfliche Schotterwege die scheinbar in einen weiten, milchigen Himmel führen und wie Wege in den Garten Eden erscheinen und starke, Stillleben klassischen, europäischen Charakters fordern die Einlassung des Publikums. Die einzige Serie, die fast verstörend wirkt, sind die fast fotorealistischen Gesichtsausschnitte von Ebrahim. Nur an Augen und Augenbrauen macht er ein ganzes Kaleidoskop an Stimmungslagen fest. Insgesamt eine sehr sehenswerte und abwechslungsreiche Ausstellung, die uns die Lebenswelt Syriens näherbringt. Auch wenn Ebrahims Arbeiten allgemeingültig sind und international bestehen. Ausstellung Die Schau im AmWebEnd in der Richard-Wagner-Straße 55 ist bis Jahresende immer donnerstags ab 19 Uhr zu sehen.