KAISERSLAUTERN
Die „Pälzer Cantry Bänd“ gewinnt beim „Lied für Lautern“ den Publikumspreis
„Lautre oh mei Lautre – die Stadt, vun der ich trääm – mei kläänie Großstadt in de Palz – nur do - bin ich dehääm“: Der Refrain erfüllt genau die Kriterien der Wettbewerbsmacher: eingängig, einprägsam der Text, bleibt hängen im Ohr – zum Mitsingen gut geeignet. Für einen Platz auf dem Siegerpodest aber hat es halt nicht ganz gereicht. Da hat die Jury anderen Beiträgen den Vorzug gegeben.
Enttäuscht? Iwo. „Klar. Wir hätten das Lied schon gerne unter professionellen Bedingungen aufgenommen“, sagt Mario Bissinger. Der Abstecher ins Profi-Studio war einer der Preise, die beim Wettbewerb der Stadt ausgeschrieben waren. „Es klingt schon ein bisschen dumpf“, räumt Bissinger ein. Nicht verwunderlich: „Wir haben das bei einer Gartenprobe aufgenommen, ein kleines Aufzeichnungsgerät mitlaufen lassen.“ Für die technischen Mängel sowie „den ein oder anderen Patzer“ hatte sich das Quartett in seiner Bewerbung sogar noch entschuldigt ...
Das Lied erzählt von einem Lautrer im Exil, den Heimweh und Sehnsucht nach seiner Heimatstadt und den Menschen dort plagen. Der all das, was Kaiserslautern so liebens- und lebenswert macht, schmerzlich vermisst. So sehr, dass er schließlich die Koffer packt und zurückkehrt. Nun, das kann ja nur ein echter Lauterer geschrieben haben, oder?
Keiner in Kaiserslautern geboren
Nun ja: Genau genommen ist keiner der Vier in Kaiserslautern geboren – wenngleich zwei schon lange in der Stadt heimisch geworden sind. „Dennoch fühlen wir uns berechtigt und berufen, dieses Loblied auf ,die kleine Großstadt in der Pfalz’ voller Inbrunst darzubieten“, sind die Musiker davon überzeugt, dass die ihnen eigene Riesenportion Lokalpatriotismus Rechtfertigung genug sei. Denn „schließlich war ja auch Karl May, der anerkennend über die Apachen schrieb, selber kein Indianer, oder?“
Kein Zweifel: Bei der „Pälzer Cantry Band“ spielt eine große Portion Humor mit. Das zeigt auch ein Blick auf die Selbstpräsentation der Band: Mario Bissinger trägt den Beinamen „Big Joe“, Tino Schreck heißt „Little Joe“. Da von der Körpergröße Michael Bissinger genau dazwischen passt, hört er auf „Middle Joe“.
Das Quartett komplettiert „Doc Moliday“, der mit bürgerlichem Namen Cornelius Molitor heißt. Er war es auch, der den Text des Lauterer Lieds verfasst ab. „Doc Moliday“ aber wiegelt ab: „Ich hab’ nur einen rohen Klotz Marmor hingestellt, aus dem wir vier Pfälzer Michelangelos dann den David herausgemeißelt haben“, verdeutlicht Molitor, dass die Komposition ein Gemeinschaftswerk sei. Die Melodie ist im Sommer gemeinsam entwickelt worden, „das Arrangieren erledigen wir sowieso immer zusammen“, gibt Mario Bissinger Einblick in die übliche Arbeitsweise der Formation.
Band gibt’s seit drei Jahren
Seit Ende 2017 gibt’s die Band, die sich längst einen Ruf erspielt hat, bekannt ist, in der Kammgarn und im SWR-Studio aufgetreten ist. „Wir waren für Frühling und Sommer schon so gut gebucht“, sagt Molitor nachdenklich – das Virus hat alles verdorben. Die Vier aber klagen deshalb nicht. „Für uns ist das nur ein Hobby. Was sollen da erst all die sagen, die davon leben.“
Diese Auffassung ist bei den Publikums-Siegern aber mehr als nur ein Lippenbekenntnis: Als die „Cantry Bänd“ im Sommer doch noch so einige Auftritte hat absolvieren können, hat sie nicht nur auf Gage verzichtet, sondern angeboten, das gesammelte „Hut-Geld“ auch noch den von Einnahmeverlusten gebeutelten Veranstaltern zu überlassen.
Die „Pälzer Cantry Bänd“ hat viele bekannte Titel mit pfälzischen Texten versehen, dazu einige weitere selbst geschrieben. Das wohl größte Kompliment für die Musiker: „Wir werden sogar schon gecovert“, berichtet Cornelius Molitor von Anfragen Vorderpfälzer Künstler, die gerne Stücke der Vier ins Programm aufnehmen möchten. Das soll was heißen: „So früh wie wir sind noch nicht mal die ,Beatles’ gecovert worden ...“