Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Die Multikoptereinheit der Feuerwehr eröffnet Einsatzleitern neue Perspektiven

Posieren nur fürs RHEINPFALZ-Foto mit dem Multikopter in der Feuerwache (von links): Mark Denzer, Jürgen-Heinrich Mayer und Dani
Posieren nur fürs RHEINPFALZ-Foto mit dem Multikopter in der Feuerwache (von links): Mark Denzer, Jürgen-Heinrich Mayer und Daniel Spuler. Sonst ist die Einheit unter freiem Himmel aktiv.

Bei Großeinsätzen, Wald- und Flächenbränden oder Personensuchen ist für Einsatzleiter von Feuerwehr oder Polizei eins besonders wichtig: die Übersicht zu behalten. Dabei können sie auf Unterstützung von Fritz und Ottmar bauen.

Höhenretter, Taucherstaffel, Psychosoziale Notfallversorgung – diese und weitere Spezialeinheiten der Berufsfeuerwehr Kaiserslautern sind in der Region längst über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und als Hilfe bei Einsätzen geschätzt. Noch recht jung ist die Multikoptereinheit, die es seit 2017 gibt. Federführend betreut wird sie von Mark Denzer – der das Wort Drohne nicht mag: „Eine Drohne ist für viele Menschen ein Kriegsgerät. Der Name ist überhaupt nicht positiv besetzt.“ Konsequent sprechen Denzer und Jürgen-Heinrich Mayer, der die Abteilung IuK (Information und Kommunikation) leitet, deshalb von Multikoptern.

Im Falle der Kaiserslauterer Geräte ist aber auch Fritz und Ottmar okay – so haben die Feuerwehrleute die beiden DJI-Matrice-Fluggeräte getauft. Damit ist die Feuerwehr Kaiserslautern derzeit auf aktuellem Stand, nachdem die ersten Drohnen veraltet waren. Die hochpreisigen Geräte hätte sich die Feuerwehr im notorisch klammen Kaiserslautern nicht leisten können. „Doch KL.digital hat uns da sehr unterstützt“, erinnert sich Denzer zurück. Die städtische Digitalisierungsgesellschaft habe eine Landesförderung des rheinland-pfälzischen Innenministeriums aufgetan, die die Anschaffungen mit 90 Prozent bezuschusst hat: „KL.digital hat uns mit Feuereifer und viel Sachverstand geholfen“, ist Mayer voll des Lobes. Kostenpunkt eines Multikopters samt Profi-Zubehör: „Ein Mittelklassewagen“, sagt Denzer, ohne es genau zu beziffern.

Besonders leistungsstarke Wärmebildkamera

Fritz und Ottmar sind nun seit einiger Zeit im ganzen Zuständigkeitsbereich der Leitstelle Kaiserslautern unterwegs – also etwa der kompletten Westpfalz. Einsatzleiter können sich bei Großeinsätzen oder unübersichtlichen Lagen die Unterstützung aus der Luft dazurufen. Die Multikoptereinheit sei beispielsweise schon bei mehreren Vermisstenfällen alarmiert worden. Denn mit der leistungsstarken Wärmebildkamera können selbst große Gebiete zügig nach Wärmequellen abgesucht werden. Mayer: „Das geht sehr effizient und kann große Suchmannschaften sparen.“

Denzer ist von der Flexibilität des Multikopters begeistert: „Wir können da schnell und unkompliziert den Blickwinkel ändern, näher ran an ein Objekt oder einmal drumherum fliegen.“ Das sei bei Vegetationsbränden im Sommer wichtig, wenn das Laub der Waldbäume fast keine Wärmesignaturen durchlasse. Um kleinere Brände zu entdecken, müsse man die Funktionen des Fluggeräts nutzen, immer wieder Blickwinkel ändern. Denzer: „Deshalb kam eine kabelgebundene Lösung für uns nicht infrage. Wir wechseln stattdessen die Akkus nach gut 45 Minuten und laden sie gleich wieder auf.“

Eigens einen Transporter für die Einheit umgebaut

Die Feuerwehr hat einen Transporter ganz auf die Bedürfnisse der Multikoptereinheit umgebaut – in Eigenleistung. Darin sind die Drohnen, Zubehör wie Akkus und Lande-Planen sowie etliche Bildschirme untergebracht. Damit der Einsatzleiter nicht auf das kleine Display der Fernbedienung linsen muss, wird das Kamerabild auf die Monitore im Fahrzeug übertragen. Ein Stromaggregat sorgt dafür, dass der Einheit nie der Saft ausgeht.

Mayer ist froh, dass sich genügend Kollegen gefunden haben, die das Thema Multikopter mit großem Engagement und professionell angehen – denn wie die Drohnenpiloten bei der Polizei erwerben auch die Feuerwehrmänner ihr Handwerkszeug bei den Piloten der Polizei-Hubschrauberstaffel des Landes. Mayer: „Das ist eine zehntägige Ausbildung, an deren Ende eine Prüfung steht.“ Schließlich hantieren seine Kollegen mit teurer Ausrüstung – und wenn neun Kilogramm Metall vom Himmel fallen, könne das gefährlich werden. Deshalb ist es Mayer und Denzer wichtig, dass alle die gesetzlichen Vorgaben kennen und verantwortungsvoll mit dem Gerät umgehen. Denzer: „Jeder muss wissen, was er darf und was nicht.“

Vier Leute sorgen für einen reibungslosen Betrieb vor Ort

Am Einsatzort braucht’s für den Betrieb von Fritz oder Ottmar vier Leute: den Einheitsführer als Ansprechpartner für den Einsatzleiter, den Piloten mit Blick aufs Fluggerät, den Kamerapiloten als Herr über die Kamerafunktionen und einen Luftraumbeobachter. Letzterer behält Landeplatz und Himmel im Auge. Denzer: „In der Brutzeit kann es sein, dass sich Vögel angegriffen fühlen und ihrerseits den Multikopter attackieren. Der Luftraumbeobachter muss das Umfeld im Auge haben.“

Ein weiteres Einsatzfeld für die Walter-Brüder-Fluggeräte seien Gefahrstoffunfälle. Mayer: „Da musste unter Umständen ein Kollege in voller Schutzmontur an das verunglückte Fahrzeug ran, um abzulesen, welcher Stoff transportiert wird.“ Mit Multikopter und Hochleistungskamera sei das viel ungefährlicher. Denzer ergänzt schmunzelnd: „Und nein, wir machen keine Solarplattenkontrolle bei Bürgern.“

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