Kaiserslautern
Die Lichterwelt der Isabelle Kirsch
Abends taucht aus schummriger Dunkelheit die Skulptur gewundener Wellrohre auf. In deren Inneren lassen LEDs die Spektralfarben des Lichts schimmern. An den Wänden drehen sich vertikal sanft rauschende Hohlkammerplatten, in die Sand gefüllt ist. Aus der Raumhöhe fällt die mit Ösen verfestigte Montage blau-grün-grauer Fotografien mit Unterwasseraufnahmen. Dahinter täuschen lineare Leuchtkörper optisch das Spiel des Spiegelns auf Oberflächen fließenden Wassers vor. An Wänden erinnern rückwärtig angestrahlte Panoramaformate an Fensterblicke in Weiten sandig-erdiger Topografien. Deckenhoch umrunden Stoffbahnen an Drahtseilen einen rechteckigen Raumteil, wo sie sich mit projizierten Lichtfarbstreifen paaren.
„Impetus“ nennt Kirsch diese Installation. Doch Anstoß oder Antrieb steckt genau genommen in jedem Exponat, egal ob durch Elektrizität oder Kreativität der Künstlerin. Jedes Werk ist zudem jenseits der Ruhe - gemäß Titelzitat - Bewegung. Das heißt eines, das sich aus sich selbst heraus erhellt und erleuchtet. Hilfsmittel sind Mechanik und Technik wie Motoren, Projektoren, Video, Fotokamera sowie Materialien wie Webstoff, Metall und ganz gezielt Kunststoff. Isabelle Kirsch sagt dazu: „Ich liebe Gegensätze, besonders Kunststoffe neben Naturprodukten. Etwa hier diese zierlich artifiziellen Kammerplatten aus Kunststoff, während Natur in Form feinsten Sandes das Innere der Kammern füllt.“
Im Baumarkt fündig geworden
Diese Materialien findet sie am liebsten in Baumärkten, in „inspirierenden Regalen“ voller Werkstoffe, Zubehör oder Geräte. Wie etwa jene Umlenkrollen (aus dem Bereich Fitnessgeräte) für das Seil der Impetus-Installation. Jene Kammerplatten, gedacht für Gewächshäuser oder die silbrigen Ösen, die für das Nachbilden eines Flusses funktionierten. Im Spiel mit Licht erzeugt Isabelle Kirsch gezielt Schatten und kommt somit zu Strukturen geometrischer Grundformen.
Für Betrachter sind das 1000 Gründe vor den einzelnen Arbeiten zu verweilen. Mal fasziniert der Vorgang, der Ausdruck, die Wirkung. Mal lässt die Idee staunen. Mal regt die Machart zu technischem, mechanischem oder handwerklichem Verstehen an.
Isabelle Kirsch ist mit dem Kunstverein und der Region vertraut. 1992 in Mannheim geboren, lebt sie heute in Saarbrücken. Geografisch liegt dazwischen die Barbarossastadt, chronologisch die Schul- und Studienjahre bis zum Bachelor im Medienbereich rechts des Rheins. An der Kunsthochschule des Saarlands schloss sie dann 2023 mit dem Master ab. Eine glückliche Lebenszeit, gestärkt von der Tatsache, im Rahmen eines einjährigen Atelier-Stipendiums am KuBa-Kulturzentrum einigermaßen sorglos arbeiten zu können.
Termin
Die Ausstellung läuft bis zum 22. Februar, Öffnungszeiten samstags von 11 bis 13 Uhr. Am Freitag,17. Januar, ab 18 Uhr, findet der Neujahrsempfang 2025 im Rahmen der Ausstellung statt.