Kaiserslautern Die Leggins machen den Unterschied
Längst ist die Comedy-Reihe „Nightwash“ kein Geheimtipp mehr. Was in einem Kölner Waschsalon begann, in dem neue Comedy-Talente ihr Können testeten, begeistert inzwischen immer mehr Menschen in der Republik. So war auch die neueste Ausgabe von „Nightwash“ am Mittwochabend im ausverkauften Cotton Club wieder ein einzigartiges Comedy-Happening, bei dem kein Auge trocken blieb.
Das Erfolgs-Geheimnis von „Nightwash“ ist, dass in jeder Show jeweils drei andere drei Comedians von einem Moderator präsentiert werden. Abwechslung ist daher programmiert. Mit eloquenter Rhetorik glänzte der Moderator David Werker, ein 1,90-Meter-Mann mit abgeschlossenem Germanistik-Studium. Seine Sprüche waren brillant: „Der späte Wurm überlebt den frühen Vogel.“ Oder: „Wir werden die Welt retten, solange es eine App dafür gibt.“ Zwei Gedanken, die sich völlig fremd sind, stoßen dabei unvermutet aufeinander. Oft legt er in ein Wort eine zweite Bedeutung. Es komme schon mal vor, dass die „Generation Pisa“ Geistesblitze habe, so Werker. Bei manchen arte sich das schon mal zu einem Gewitter im Hirn aus. Vielen Jugendlichen sei das Smartphone ja förmlich an die Hand gewachsen. Zum Thema Flüchtlinge meinte er: „Im Osten gibt es lediglich drei Prozent Migrationshintergrund. Die wissen gar nicht, wovor sie Angst haben.“ Für Pegida fand Werker eine ganz neue Bedeutung: „Paranoide Ex-DDRler gegen insgesamt drei Asylbewerber“. Der einzige Comedian mit Migrationshintergrund war der Frankfurter Costa Meronianakis, ein Grieche mit Pudelmütze und in Jeansanzug. Von ihm lernten die Hörer viel über die griechische Lebensart. „Pythagoras, Archimedes: Jetzt wisst ihr, wie wir Griechen wirklich rechnen können.“ Seine Selbstironie ist eine besonders verfeinerte Form des Humors. „Meine Mutter kommt aus Kreta. Da könnt ihr euch denken, wie kriegerisch die ist. Die hat mich den ganzen Tag lang eingeschrien. Aber man versteht nichts.“ Überhaupt nicht mehr stimmten die Klischees über die verschiedenen Nationalitäten. „Ich habe keinen deutschen Freund, der pünktlich ist“, verrät er. Und dann macht er vor, wie Italiener, Spanier oder Südamerikaner Frauen anmachen. „Die emotionalsten aber sind die ehemaligen Jugos“, sagt er, wobei sich seine Stimme bis ins Falsett steigert, ja überschlägt. Costa ist der alleremotionalste! „Wow!“ meinte Simon Stäblein aus Köln, „Kaiserslautern – der Name ist ja schon Statement!“ Die Waschtrommel drehte sich bei ihm im Schnelldurchgang, wobei in der Trommel „Kraut und Rüben“ durcheinander lagen. „Frauen mit Leggins“, spottete er, „da stellt sich die Frage: Warum du?“ Manche sähen darin elegant aus, „manche aber auch wie Elefant“. Die schlimmste Krankheit der Deutschen sei ihre Unzufriedenheit. Wenn das so weiter ginge, hätten wir in zehn Jahren eine allgemeine Depression. In Kriegszeiten habe es weniger Depressionen gegeben als heute. Sein Witz lebt oft von Andeutungen, Anspielungen, verwandt den Rätseln, deren Lösung man selbst finden muss. „Ich habe das Gefühl, die Leute werden immer dümmer“, behauptet er. „Besonders beim Thema Flüchtlinge erfinden sie immer neue Ängste.“ Zur etwas älteren Generation zählt Horst Fyrguth aus Köln. Weißes Hemd über der Jeans, leichter Bauchansatz. Er bekennt sich zum Waldorf-Abitur mit den Fächern Häkeln und Stricken. „Du musst das körperlich machen, damit das geistig reingeht“, habe man ihm eingetrichtert. Als ehemaliger Waldorfschüler werde er zum Vorstellungsgespräch erst gar nicht eingeladen. Aus diesem Grund habe er seinen Lebenslauf und die Zeugnisse gefälscht, und prompt habe er eine Einladung bekommen. „Das hört sich ja alles wunderbar an. Aber sagen Sie mal, ist das auch wahr?“ habe der Chef gefragt. „Alles erstunken und gelogen“, habe er daraufhin bekannt. Der Chef: „Nun, dann – herzlich willkommen bei der Versicherung!“ Für ihn gebe es nur eine Nation, denn „wir sind alle Menschen – außer den Holländern“. Fazit: Zu lachen gab es reichlich. Comedian mit Migrationshintergrund haben oft einen tiefsinnigeren Humor, weil ihr Erfahrungshorizont weiter ist. Ihre Sicht von außen auf die Deutschen ist das Salz in der Suppe.