Kaiserslautern
Die Lärmer bieten in der Kammgarn gute Songs und Gimmicks
Bands gehen mitunter seltsame Wege. Sie lösen sich auf, kommen wieder zusammen, holen neue Leute ins Boot, benennen sich um – und manchmal passiert sogar alles zusammen. So wie bei der erfolgreichen Pop-Rock-Band Luxuslärm. Die gibt es eigentlich seit 2016 gar nicht mehr, hat sich aber im letzten Jahr nach diversen internen Änderungen für einen Neuanfang entschieden. Als alte, neue Band Die Lärmer (den bisherigen Namen konnte man aus juristischen Gründen nicht mehr verwenden) ging die Geschichte der Gruppe weiter - und das dann auch mit einer starken Tournee. Eine Station davon war die Kammgarn, wo Die Lärmer am Samstagabend im proppevollen Kasino des Hauses zu Gast waren.
Das Quartett Kaprice als Vorband tat sich schwer, das Publikum in Stimmung zu bringen, denn die Aufmerksamkeit der meisten Gäste war nun mal auf die Attraktion des Abends gerichtet. Dennoch konnten Sänger Moritz Bücker, Gitarrist Tim Klinke, Bassist Leif Lörchner und Schlagzeuger Robin Kocik mit ihren zwischen (Pop-)Rock und Indie angesiedelten Eigenkompositionen und einfallsreichen Publikumsanimationen die Atmosphäre im Saal durchaus in Richtung der benötigten Betriebstemperatur bringen.
Deutscher Poprock
Darauf bauten Die Lärmer sofort auf. Vom ersten Lied an ging bei ihnen die Post ab. Da zeigten Henrik Oberbossel (einst Sänger und Gitarrist, jetzt hinterm Schlagzeug), Freddy Hau (Gitarre), Christian Besch (Keyboard) und der neue Bassist Markus Vieweg, wie man gut durchkomponierte deutschsprachige Poprock-Titel mit Anspruch auch im Text kraftvoll und beständig unter die Fans bringt.
Und dann erst die Sängerin und Frontfrau der Band: Janine Meyer gab sich quirlig wie eh und je, wirbelte als Energiebündel quer über die Bühne. Sie war das Gesicht, die Verkörperung, die kraftvolle, angenehme Altstimme der Band. Als informative Ansagerin erfüllte sie zugleich noch eine buchstäblich verbindliche Funktion zum Publikum, begrüßte etwa persönlich einen treuen Fan in Bühnennähe, der bereits unzählige Male bei Konzerten der Band war.
Publikum singt mit
Das passte alles zu den vornehmlich positivistischen, allenfalls nachdenklich stimmenden, stets wirkungsvollen Titeln der auch live tadellos agierenden Lärmer – selten war ein Name in dieser Hinsicht so unpassend wie dieser. Ältere Hits wie „Nichts ist zu spät“, „1000 Kilometer bis zum Meer“ und natürlich „Leb deine Träume“ trafen den Nerv des bisweilen laut und auswendig mitsingenden Publikums hier ebenso wie neuere, jetzt schon aus der Lärmer-Ära stammende Kompositionen à la „Zwei Leben lang“.
Am Rande der Lieder wurde das Publikum mit Gimmicks gut bedient. Da flogen schon am Anfang Luftballons durch die Halle, beim Stück „Himmel aus Gold“ gingen großformatige, golden schimmernde Folien über die Köpfe hinweg, etwas später gefolgt von glitzerndem Flitter.
Wirksame Elemente
So war denn alles dabei, was ein gutes Konzert ausmacht: stilistisch und textlich ebenso mitreißende wie berührende Lieder, gute Musiker auf und begeisterungsfähige Fans vor der Bühne, kleine, aber wirksame Elemente drumherum bis hin zum knackigen Zugabenteil und der mit viel Applaus bedachten Ankündigung, dass Die Lärmer auch künftig wieder auf Tour gehen werden.