Kaiserslautern „Die Kammgarn wird bestraft“

Sang- und klanglos hat die Kreissparkasse Kaiserslautern ihre Anzeigen im Programmheft des Kulturzentrums gekündigt. Zwei Tage vor dem Druck. Kammgarn-Geschäftsführer Richard Müller ist sauer. Ihm fehlen dadurch 6000 Euro. KSK-Chef Rupert Schönmehl will darüber nicht reden.
Auf die Doppelseite im Programmheft der Kammgarn hat Richard Müller kurzerhand den Rückzug der Kreissparkasse öffentlich gemacht. Ab sofort könne an dieser Stelle „Ihre Anzeige stehen“, wirbt er um Kundschaft. Außerdem hat er die Mitglieder des Stadtrats in einem Brief, der der RHEINPFALZ vorliegt, darüber informiert, dass die Kreissparkasse „in letzter Sekunde vor Drucklegung“ die Anzeige im Programmheft „fristlos gekündigt“ hat. Die Kreissparkasse habe für die Region eine Verantwortung, meinte Müller auf Anfrage. Als öffentlich-rechtliches Kreditinstitut sei sie nicht wie eine Privatbank zu werten. In einem Telefongespräch, das Müller mit dem Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse geführt hat, habe ihm Schönmehl geraten, bei der Kreissparkasse Kusel um ein Inserat anzufragen. Daraus leitet Müller in seinem Brief an die Ratsmitglieder ab: „Die Kammgarn wird ,bestraft’, weil die Stadtsparkasse Kaiserslautern und die Kreissparkasse Kusel Fusionsgespräche führen.“ Außerdem kündigt der Geschäftsführer in dem Schreiben an, dass die Kammgarn ihre Geschäftsbeziehungen zur KSK Kaiserslautern zum Jahresende auslaufen lasse. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ ergänzte Müller: „So geht man nicht mit Kunden um.“ Die Kammgarn arbeite mit drei Banken zusammen, eine davon sei die Kreissparkasse. Seit 16 Jahren schalte das Bankinstitut im Kammgarn-Programmheft viermal im Jahr eine doppelseitige Annonce. Das seien 6000 Euro pro Jahr. Nach den Worten Müllers wurden von der KSK anfangs für 2017 noch zwei Anzeigen avisiert, die dann jedoch ebenfalls annulliert wurden. Vor wenigen Tagen kam schließlich noch die Nachricht der Kreissparkasse, dass sie künftig auf das Auslegen des Kammgarn-Programmhefts in ihren Geschäftsstellen verzichten möchte. Auf Anfrage der RHEINPFALZ zu der Situation erklärte der KSK-Vorstandsvorsitzende: „Wir reden nicht in der Öffentlichkeit über Sponsoring oder Werbemaßnahmen.“ Die Kreissparkasse vergebe darüber hinaus keine Zuschüsse, sondern beteilige sich mit Werbung. „Wir überprüfen jede einzelne Förderung, schauen, ob es nicht andere Möglichkeiten für uns gibt“, sagte Schönmehl. Zur Höhe des insgesamten KSK-Sponsorings gab er ebenfalls keine Auskunft: „Wir wollen nicht, dass unsere Mitbewerber wissen, wie stark wir uns auf dem Markt engagieren“, begründete er seine Verschwiegenheit. Die „Ersatzanzeige“ von Richard Müller im Kammgarn-Programmheft bezeichnete Schönmehl als „tollen PR-Gag“ Müllers, um Inserate zu akquirieren. Bürgermeisterin Susanne Wimmer-Leonhardt bestätigte, dass die Kreissparkasse ihr Kultur-Sponsoring zurückgefahren habe. Betroffen seien etwa die Konzerte in der Fruchthalle. Es handele sich bei der Kürzung um „einen durchaus relevanten Betrag“. Es entstehe dadurch zwar kein grundlegendes Problem, alle Veranstaltungen sollten beibehalten werden. Dennoch kämpfe die Stadt um jeden Cent, denn gerade Kulturveranstaltungen seien auf Sponsoring angewiesen. Begründet hat die KSK ihren Schritt nach Auskunft Wimmer-Leonhardts damit, dass sie künftig stärker projektbezogen fördern und nicht mehr ganze Konzertreihen unterstützen wolle. Die Bürgermeisterin erklärte, zum Kultursponsoring fänden noch Gespräche mit der Kreissparkasse statt. |ita/Fotos: view