Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Die Innenstadt ist nicht tot, sie braucht aber mehr als Geschäfte

einzelhandel

So viele Ladenschließungen wie in den vergangenen Monaten gab es noch nie. Dennoch ist die Kaiserslauterer Innenstadt nicht tot. Sie liegt auch nicht auf der Intensivstation.

Kaiserslautern leidet wie die meisten Innenstädte in der Republik an den Nachwehen der Pandemie. Der Onlinehandel hat sie zusätzlich geschwächt. So schlimm das Aus von Pallmann, der Galerie Jung und Möbel Fuchs auch ist: Es ist nicht das Ende der City.

Nur muss jetzt allen klar sein, dass der Handel vor Ort mehr Unterstützung benötigt und die auch verdient hat. Einzelhändler haben recht, wenn sie sich von der Verwaltung im Rathaus wünschen, mehr gehört zu werden. Warum setzen sich die Mitglieder des Stadtvorstandes nicht regelmäßig mal mit Geschäftsleuten zusammen? Warum gibt es kein Leerstandsmanagement, das potenzielle Ladenbetreiber darüber informiert, wo welche Flächen frei sind und welche Sortimente sich lohnen könnten – etwa Schuhe, Spielwaren, Haushaltsartikel, Elektro. Überhaupt fehlt offenbar ein direkter Ansprechpartner für den Handel.

Wieso erfahren die Einzelhändler meist aus der Zeitung, dass die Parkgebühren erhöht werden oder wo die nächste Baustelle droht? Und warum geht alles so langsam? Seit Jahren wird mehr Grün für die Innenstadt gefordert, mehr Blumenschmuck, Spielinseln für Kinder, Sitzgelegenheiten. Über alles wurde schon zigfach diskutiert. Nur ändert sich nichts, es geht nicht voran. Oder das Umfeld des Rathauses. Da wurde vollmundig eine Freilegung der Lauter versprochen – was zugegebenermaßen längst nicht alle gut finden. Aber: Zum Stadtjubiläum plätschert es nicht. Und vielen Leuten ist die Stadt nach wie vor nicht sauber und nicht sicher genug. Auch die Anbindung mit Bus und Bahn ist alles, nur nicht optimal. Es reicht einfach nicht, nur von der Wohlfühlstadt zu reden.

Verstanden werden muss, dass die Innenstadt der Zukunft nicht nur aus Geschäften bestehen wird. Das ist in Kaiserslautern so, aber auch in allen anderen Großstädten. Mal ganz ehrlich: Der Einkaufsbummel durch Mannheim oder Saarbrücken ist längst nicht mehr das, was er mal war. Nur haben andere verinnerlicht, auf was es ankommt: Dass es eben in den nächsten Jahren mehr braucht als nur Läden, um Menschen in die Innenstadt zu ziehen. Wasser, schöne Plätze, Grün, Bänke, Flair ... Wenn das funktioniert, wenn immer Leben in der Stadt ist, dann geht es auch den Geschäften, die noch da sind, besser.

Bei aller Kritik muss in die Köpfe: Wir haben noch ein Innenstadt-Kino, einen attraktiven Wochenmarkt, viele inhabergeführte Geschäfte, durchaus auch für den exklusiveren Geschmack. Die Auswahl an Restaurants ist groß, in den vergangenen Jahren haben etliche gemütliche Cafés aufgemacht. Es gibt attraktive Wohnprojekte mitten in der Stadt, beispielsweise das Cityquartier in der Rummelstraße. Und die Veranstaltungen, die der Leiter des Citymanagements, Alexander Heß, Jahr für Jahr organisiert – da gibt es wirklich gar nichts zu meckern. Sie ziehen Menschen von außerhalb an. Absolut richtiger Ansatz. Die Ansiedlung des 42 im ehemaligen C&A-Gebäude geht ebenfalls in die richtige Richtung.

Was stimmt: Kaiserslautern ist besser als sein Ruf. Da sind die kurzen Wege, man kennt sich. Die Stadt braucht öfter mal eine positive Erzählung. Im Grunde kommt das Stadtjubiläum, das in diesem Jahr mit vielen, vielen Beiträgen gefeiert wird, wie gerufen. Es wird Besucher anlocken. Davon kann der Handel profitieren. Dennoch sollte er nicht locker lassen, mehr Beistand von Seiten der Politik und der Verwaltung einzufordern. Vieles geht besser.

x