Handball
Die Hoffnung auf den Klassenverbleib schwindet immer mehr beim TuS Dansenberg
Die Gäste aus Krefeld hatten bereits im Vorfeld der Partie angekündigt, im Hinblick auf die anstehende Aufstiegsrunde zur Zweiten Bundesliga mit voller Konzentration in der Westpfalz antreten zu wollen. Nach dem Seitenwechsel ließen sie ihren Worten dann auch Taten folgen. Die Zuschauer in der nur spärlich gefüllten Layenberger-Sporthalle bekamen vor der Pause ein Spiel auf Augenhöhe zu sehen, in dem sich die vom Verletzungspech gebeutelten Hausherren mehr als anständig aus der Affäre zogen: 4:4, 6:5, 9:9, 12:12, 14:14. Das Minimalziel des TuS, sich im Fall der Fälle nach dann sieben Jahren erhobenen Hauptes aus der dritthöchsten Spielklasse zu verabschieden, wurde bis dahin dank einer geschlossenen Mannschaftsleistung mit Leben gefüllt.
Nach vier vergebenen Topchancen, darunter ein Siebenmeter, bekamen die Schwarz-Weißen dann allerdings zu spüren, warum beide Teams in dieser Spielzeit nicht nur zwölf Tabellenplätze, sondern ganze Welten trennen. Das Team vom Niederrhein nutzte die erste echte Schwächephase des Abstiegskandidaten im Stile einer Spitzenmannschaft eiskalt aus und legte einen 6:2-Lauf zum 20:16-Halbzeitstand aufs Parkett.
Schwache letzte zehn Minuten
„Wir wollten das Spiel nutzen, damit wir in der Aufstiegsrunde gegen Konstanz ein richtig gutes Spiel machen können. Wir wussten was hier auf uns zukommt, deswegen waren wir sehr gut vorbereitet. Ich denke, wir haben das relativ gut gelöst, auch wenn es in der ersten Halbzeit schwierig war, etwas Abstand zu bekommen“, sagte HSG-Trainer Mark Schmetz im Hinblick auf die ersten 30 Minuten. Schmetz nutzte die gesamte Breite seines Kaders. Die insgesamt 40 Treffer gingen auf das Konto von 13 verschiedenen Schützen.
Bis zur Mitte der zweiten Halbzeit sah es ganz danach aus, als kämen die ohne ihren verletzt fehlenden Toptorjäger Jonas Dambach angetretenen Gastgeber trotz der sich abzeichnenden Niederlage mit einem blauen Auge davon (22:28/44.). Fehlende Durchschlagskraft in der Offensive und eine in den letzten zehn Minuten nicht mehr vorhandene Abwehr, ebneten Krefeld den Weg zum Kantersieg. Während die Westpfälzer in der Schlussviertelstunde nur noch kümmerliche drei Tore erzielten, trafen die Gäste gegen den sich jetzt aufgebenden Tabellenvorletzten fortan nach Belieben.
Zwischenzeitlich schon abgestiegen
„Wir haben alles probiert und in der ersten Halbzeit stark verteidigt. Nach der Pause wurde Krefeld stärker. Natürlich haben uns mit Frano Vujovic und Jonas Dambach wichtige Spieler gefehlt, und es wird sehr schwer, die Klasse zu halten, aber es muss weitergehen“, erklärte TuS-Coach Theodoros Megalooikonomou, dessen Team am Samstag zwischenzeitlich schon mit anderthalb Beinen in der Oberliga stand. Mit einem Sieg beim TuS Opladen hätte Kellerkind TV Homburg den Abstieg des TuS Dansenberg vorzeitig besiegeln können. Als die Saarländer durch den ehemaligen Dansenberger Rebelo Magalhaes mit 28:25 (58.) in Front gingen, sah auch alles danach aus. Durch den Schlussspurt von Opladen, das in sprichwörtlich letzter Sekunde per Siebenmeter zum 29:29-Endstand traf, kann Dansenberg den Klassenverbleib rein rechnerisch noch schaffen, müsste hierzu aber auf ein Handballwunder hoffen.
Abgesehen davon, dass dazu in den letzten beiden Spielen gegen die beiden Top-Sieben-Teams TV Gelnhausen und HSG Hanau zwei Siege gelingen müssten, dürften die beiden oberen Tabellennachbarn TV Homburg und TSG Haßloch, gegen beide Dansenberg den direkten Vergleich verloren hat, keinen Punkt mehr holen. Besonders ärgerlich aus Sicht der Westpfälzer wäre, dass mit dem Abstieg in die Oberliga auch das Schicksal der dort spielenden Zweitvertretung beschlossen wäre, die eine Klasse tiefer ebenfalls um den Klassenverbleib kämpft. Ein Doppelabstieg im 120. Jubiläumsjahr wäre zwar bitter, böte aber auch die Chance für einen Neuanfang. Denn daran, dass die Schwarz-Weißen im Nachwuchsbereich gut aufgestellt sind, besteht kein Zweifel.
Bösing von Kulisse und Rückhalt enttäuscht
„Die Enttäuschung ist groß. Anstelle von Endspielatmosphäre herrschte in der Halle gähnende Leere. Und das sogar verständlicherweise, wenn es für den 1. FC Kaiserslautern im eigenen Stadion fast zeitgleich um alles geht“, sagte TuS-Kapitän Sebastian Bösing. „Was die Enttäuschung so groß werden lässt, ist, wie man solche Dinge hier angeht. Anstelle einer frühzeitigen Verlegung der Partie und der Mobilisierung aller Kräfte im Verein, spielen wir vor fast leerer Kulisse. Das ist ein Brett nach all den Jahren und kann auch als Zeichen verstanden werden. Der Spieltag hat uns als Mannschaft gezeigt, wie sehr man sich hier noch mit der Dritten Bundesliga und der Mannschaft auseinandersetzt, nämlich überhaupt nicht. Ich glaube das hat keiner meiner Jungs verdient, so wie das hier endet“, grollte der zum Saisonende scheidende Kapitän.