Kaiserslautern Die gute, alte Zeit

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Einmal mehr als geschickter Grenzgänger zeigte sich der am Freitag im dicht besetzten Ramsteiner Haus des Bürgers reüssierende Chansonnier Marcel Adam: Geografisch und sprachlich balancierte er geschickt im Tonfall zwischen saarländisch-lothringisch sowie französisch und in der musikalischen Gestaltung zwischen traditionellen Chansons und Musettewalzern im französischen Kolorit. Zudem bewies er sich erfolgreich als Autor, Texter und Liedermacher.

Vorab gab sich der eloquente, redselige Entertainer als charmanter Plauderer: In seiner Moderation kokettierte er mit seinem Publikum mit erheiternder Selbstironie. Wie der Kabarettist Detlev Schönauer ist Adam kein eigentlicher Franzose, mehr ein Grenzgänger, und beide kokettieren mit dem frankophilen Touch ihrer Programme, da die französische Lebensart durch unsere wechselvolle Geschichte natürlich ihre Spuren hinterlassen hat. So haben Adams Themen, Stoffe und Figuren regionalen Bezug und reflektieren eine gemeinsame Kulturgeschichte, die viele Generationen noch erlebt haben. Relikte aus vergangenen Zeiten mit überwunden geglaubten Utensilien wie dem Botschamber (Nachttopf) werden bei Adam wieder hervorgeholt, und zur allgemeinen Heiterkeit werden solche Banalitäten, Kuriositäten und Raritäten des sozialgeschichtlich verklärten Alltags wiederbelebt und sogar in Kunstform gebracht. In der Hommage an seine Großmutter, den verklärten bürgerlichen Lebensumständen der 50er und 60er Jahre wird heimelige Atmosphäre rekonstruiert, Menschen des Alltags werden in ihrer kleinbürgerlichen Welt gezeigt, nicht karikiert, sondern liebevoll mit Herzensbildung gezeichnet, um Fontane zu zitieren. Textlich im Kolorit der Mundart aus lothringisch-saarländischen Anklängen mit französischem Hintergrund und musikalisch allerdings dieser Zeit weit voraus: Neben stilisierten französischen Genres verwendet Adam im staccatierten Sprechgesang auch mal Techniken, die an Rap erinnern oder an Bluesrhythmen. Somit sind Adams Veranstaltungen weit mehr als Konzerte, sie sind Reminiszenzen an die gute alte Zeit, sie unterhalten und regen zur Kommunikation an – daher auch im Haus des Bürgers anstelle der üblichen Bestuhlung Tische. Und die Moderation nimmt auch einen breiteren Raum ein, um dieses frankophile Lebensgefühl „Gonz Elähn“ oder „Grad’ze lääd“ (so seine Titel) zu vertiefen. Mit unverkennbarem Timbre singt Adam diese Titel, begleitet sich dabei auf Gitarre oder Ukulele und hatte mit dem Knopfharmonika-Spezialisten Christian di Fantauzzi, dem Akkordeonisten Vincent Carduccio und Christian Conrad auf der akustischen, mal solistisch, dann wieder perkussiv gespielten Gitarre drei erfahrene, sich kongenial ergänzende Künstler zur Seite. So entstand musikalisch eine sehr lebendige Präsentation, die sich durch absolut sicheres und harmonisches Zusammenspiel und spielerische Reinkultur auszeichnete. Neben eigenen Liedern und französischen Anklängen adaptiert Adam aber auch legendäre Erfolgstitel von Ikonen wie Vicky Leandros oder Klassiker wie „Die Rose“ von Amanada McBroom, allerdings mit eigener Textierung. Virtuose Umspielungen der beiden Harmonika-Spezialisten, ein pulsierender Achtelrhythmus des Gitarristen und Adams Gesang ergeben dabei stets das typische, eigenständige Idiom, auf das Adam in mittlerweile mehr als 30 Jahren Bühnenerfahrung setzt.

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