Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Die Gitarre quietscht, schreit und röhrt: Randy Hansen in der Kammgarn

Randy Hansen sorgte für Bühneneskapaden im Cotton Club der Kammgarn.
Randy Hansen sorgte für Bühneneskapaden im Cotton Club der Kammgarn.

Schon von draußen war ein gehöriges Rumpeln zu vernehmen, der treibende Rockbass eines Trios. Der US-Amerikaner Randy Hansen ließ mit seinen Mannen am Donnerstagabend die Bühne im Cotton Club der Kammgarn beben. Nicht nur optisch ist er eine Art Double der Gitarrenlegende Jimi Hendrix.

Beim Betreten des ehrwürdigen Gemäuers rauscht ein Gitarrengewitter heran. Bass und Schlagzeug folgen blind und auf den Punkt. Bereits die ersten Titel deuten auf ein absolut perfekt eingespieltes Team hin. Die Klamotten wackeln, motiviert durch den Tieftöner. Auf der Bühne huscht ein schmal gebauter Mann hin und her. Das Hemd weit entblößt, kettenbehangen, ein überdimensionierter Hut mit langer Feder und Tuch. Hendrix? Nein, Hansen! Man erlebt fast eine Zeitreise. Optisch und akustisch.

Bekannte Titel wie „Foxy Lady“, „Hey Joe “ und Johnny B. Goode á la Hendrix-Style werden durch lange Solopassagen garniert. Nein, stimmt nicht! Randy Hansen schüttet hier scheinbar sein gesamtes Füllhorn technischer Fingerfertigkeiten aus. Es scheint fast unmöglich, alle Feinheiten zu erfassen. Die Soli wollen gar nicht enden. Und die vordersten Reihen bedient Randy mit Sonderkursen auf dem Griffbrett, weil er immer wieder in das Publikum hinein läuft, die Saitenakrobatik quasi direkt vor deren Nasen zelebriert.

Begeisterte Gesichter überall bei dem wunderbar gemischten Publikum. Auffällig ist, dass insbesondere junge Zuhörer dieser Musik frönen. Selbst ein Hendrix hätte wohl nicht für möglich gehalten, dass seine Musik mal einen generationenübergreifenden Einfluss haben würde – und das nicht nur bei Gitarristen.

Saitengezupfe mit Zunge und Zähnen

Manchmal reicht ein einfaches Bassmuster und auf die Eins ein Fußtritt in die Basstrommel. Und schon ist der gesamte Saal dabei, alle klatschen. Natürlich zieht der Gitarrist mit seinen Bühneneskapaden die Blicke auf sich. Dabei wird leicht die Leistung der langjährig erfahrenen „Rocker“ Ufo Walter (E-Bass) und Manni von Bohr (Drums) übersehen. Sie begleiten die europäischen Tourneen von Hansen seit vielen Jahren. Ohne das perfekte Fundament dieser ausgebufften Rhythmusprofis könnte der Gitarrist weniger glänzen.

Und Randy Hansen fliegt wieder über das Griffbrett, jagt die Noten vor sich her. Er zaubert allerhand kuriose Klangsphären aus der Fender-Strat-Gitarre, bringt sie zum Jaulen, Schreien, Quietschen, Röhren und Wabern und haut dazwischen Rockriffs hinein. Das alles geschieht mit gewollten Effekteinstellungen oder besonderen Aktivitäten, dem Reiben der Gitarre am Mikroständer oder dem völlig verrückten Saitengezupfe durch Zunge oder Zähne. Wie Hendrix in seinen besten Zeiten. Einmal mehr wird deutlich, dass Randy Hansen wohl zu besten Tribute-Gitarristen zählt, was die Musik dieser Legende angeht.

Verrückter Chorgesang im Wechsel

In „Little Wings“ beweist Hansen, dass er auch langsam und gefühlvoll spielen kann. In den schnelleren Stücken kann man seine Gefühlsausbrüche an den Saiten auch eins zu eins an seiner Mimik im Gesicht ablesen. Mit „Vodoo Child“ fordert der Gitarrist das Publikum zu verrücktem Chorgesang im Wechsel heraus; die Tonfolgen werden dabei von Mal zu Mal schwieriger. Beim finalen Endspurt bearbeitet er die Gitarre mit rhythmischen Bewegungen am Boden liegend – und erzeugt martialisches Getöse. Alles andere als ein normales Rock-Konzert!

Die Zugabe erhält ein besonderes Intro: die deutsche Hymne in verzerrt-verfremdeter Hendrix-Manier. Darauf folgt „Purple Haze“. Bereitwillig haut er noch einen raus. Unglaublich, was dieser Kerl, Jahrgang 1954, an Energie auf die Bühne bringt. Kein Zweifel: Randy Hansen lebt diese Musik seit 30 Jahren mit jeder Faser. Während er seine Gitarre röhrend und unkonventionell an einer Lichttraverse fragil schwebend verstaut, verabschiedet er sich freudestrahlend vom Publikum: „It was good to be back and playin’ for you. Thank you!“ Und steht in der nächsten Minute schon wieder am CD-Stand, um Autogramme zu geben. Wahnsinn, der Typ!

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