Kaiserslautern Die Farben der Heimat
Es ist schon eine gute Weile her, dass die Malerin, Grafikerin und Objektkünstlerin Maria del Rosario aus Schopp in der lokalen Szene eine Ausstellung präsentierte. Doch nun ist diese Zeit vorbei. Nach ihrer 25-jährigen Dozentenstelle an der städtischen Volkshochschule (VHS) präsentiert die Künstlerin seit Dienstagabend im Eingangsbereich der VHS einen Querschnitt unter dem Titel „Spectrum“.
„Es werden täglich rund 1000 Menschen diese Bildergalerie passieren, nicht ohne etwas von der Kunst auf- und mitzunehmen.“ VHS-Direktor Michael Staudt lag viel daran, die ehemalige Mitarbeiterin im Kursbereich Bildende Kunst nochmals mit eigenen Werken in sein Haus zu holen. Und um den Nachrichten dieses Abends gerecht zu werden, ist zu vermelden, dass Staudt vor versammelter Gästeschar erfreut offenbarte, dass Maria del Rosario Edrich, die aus gesundheitlichen Gründen vor zwei Jahren die Mitarbeit beendet hatte, zumindest für Wochenendkurse zurückkommen wird. Applaus von Freunden, Kollegen und ehemaligen Kursteilnehmern. Ist der Eingangsbereich mit anschließenden Fluren für Ausstellungszwecke grundsätzlich publikumsnah, so fordern del Rosario Edrichs Werke ein Hinsehen regelrecht heraus. Es sind ihre Farben. Farben ihrer Herkunft. Töne spanisch beigemischter Farbstoffe, etwa Feuerorange, Glutflammenrot, Sonnenhitzegelb, Blatt- und Wiesengrün oder himmelspiegelndes, kühles Wasserblau in Nuancen aller nur denkbaren Lichteinfälle. Und nicht zu vergessen: Die Erdfarben der gebürtigen Spanierin. Sicher – sie leuchten kaum, stehen dafür grundtief authentisch für Humus und Herkunft, für Leben und Gedeihen des doppeldeutigen Begriffs „Schöpfung“. Denn dieses Wort steht einerseits für Fruchtbarkeit sowohl kreatürlich wie kreativ. Andererseits bedeutet es, dass Kunst daraus schöpft, im Sinne von Kraft und Sinnhaftigkeit. Letzteres beeinflusst das Werk der heute gut 60-Jährigen durch und durch. Rückblickend ist festzustellen: ein Leben für und mit der Kunst, ein Dasein für jenen sensiblen Freigeist, der nicht ruht, bis Idee um Idee erprobt, für gut oder eben nicht erachtet beziehungsweise abgelehnt wird. In ihrem Schopper Atelier wurde dabei immer auch experimentiert. Davon „erzählt“ jede der 19 Leinwände, die sich gemäß des Ausstellungstitels „Spectrum“ mit vielen Techniken und Facetten aneinanderreihen. Denn neben den erwähnten Farbaspekten variieren Formen in jeder nur denkbaren Bildsprache. Oftmals gemeinsam. Beispielsweise die harten, linierten, geometrischen Formen in fließend aufgelösten Farbdunstflächen auf dem Bildträger. Beispielsweise diese irrigen Wolkenberge, angestrahlt von einem tief violettem Himmel, ein Erahnen von Natur- und Kulturlandschaften in Gelb und Grün. Diesen Kontrast nennt del Rosario Edrich „El Lago Verde“, der grüne See. Und gleich daneben hängt das Motiv „Aires Calidos“, warme Lüfte. Beide Motive stehen besonders für eingangs erwähntes Farbleuchten, jenen ersten Eindruck im Vorübergehen. Doch stellt sich heraus, dass Formen und Formulieren gelesen werden müssen. Detail für Detail. Dann erst erschließen sich jene scharf linierten Geometrien, die scheinbar keinen Bezug haben. Vordergründig spürt die Malerin geometrischen Ordnungssinn nach. Sie löst ihn jedoch fast schon collagenhaft mit kosmischem Farbfluss sogleich wieder auf. Letztlich sind es die sattsam eingezeichneten Gesichter und Figuren, die dem Betrachter ein Narrativ der eigenen Sehweise gewähren. „Die Bilder sollen möglichst für sich sprechen“, meint die Künstlerin, „wer auch immer wie was interpretiert.“ „Spectrum“ beinhaltet einen Reichtum bildlicher Lesarten, der stets auch das Betrachter-Ich anspricht. Ausstellung Bis 19. Dezember im Eingangsbereich der VHS, montags bis freitags von 8 bis 21 Uhr.