Kaiserslautern
Die ersten Mieter sollen ins ehemalige C&A-Gebäude im Herbst 2024 einziehen
Im Februar rollten die ersten Bagger, Ende September sollen die Rohbauarbeiten am ehemaligen C&A-Gebäude abgeschlossen sein. „Dann beginnen wir parallel mit der Aufstockung des ehemaligen Deichmann-Gebäudes“, erläuterte Gunther Pfaff, Gesellschafter der PRE. Die PRE Invest II GmbH & Co. KG hat das Gebäude vor drei Jahren erworben, will 25 Millionen Euro an der Hauptverbindungsachse vom Hauptbahnhof in die Innenstadt investieren. „Das Deichmann-Gebäude wird um vier Etagen aufgestockt, entstehen sollen dort 22 Wohnungen.“ An der Weberstraße klafft schon eine große Baugrube, dort läuft gerade die Grundwasserabsenkung. An der Ecke entsteht ein fünfgeschossiges Gebäude mit Platz für 18 Wohnungen, plus Keller und ebenerdiger Parkgarage. Gebaut wird laut Pfaff in einer Kombination aus Stahlbeton und Massivholz.
Kern des neuen Quartiers soll eine Art Transferzentrum werden, wo sich Wissenschaft, Wirtschaft und die Bürgerschaft begegnen. Der 400 Quadratmeter große Dachgarten mit vier bis sechs Meter hohen Bäumen soll für Veranstaltungen genutzt werden können. „Wir planen eine Theke, Stuhllager und Toiletten dort oben“, so Pfaff.
Lochfassade und das Fensterband kommen wieder
Pfaff erläuterte, über dem ersten Obergeschoss sei eine neue Decke eingezogen worden. Die Fassade aus den 1960er Jahren zur Eisenbahnstraße hin sei abgebrochen worden, sie werde energetisch nach den neuesten Vorgaben wieder geschlossen. Der Schaufenstercharakter bleibe erhalten, ebenso die alte Lochfassade und das Fensterband. „Von den Standards her machen wir genau das, was die Politik fordert. Wir werden am Ende eine KfW-40-Immobilie haben, mit Photovoltaikanlage, Wärmepumpen, nutzen grüne Fernwärme“, sagt der PRE-Vertreter. Der Innenhof werde entsiegelt, so dass bei Starkregen Wasser versickern könne.
Das alte C&A-Gebäude soll künftig Loftcharakter haben, dank 4,50 Meter hoher Decken, die Installationen blieben sichtbar, so Pfaff. Das erste Obergeschoss werde vermietet, wobei die Firmen, die einziehen, zu der Nutzung darunter passen sollten.
Gebäude soll künftig unter „42“ firmieren
Was genau unten geplant ist, erläuterte am Donnerstag Dieter Rombach, Vorsitzender der Science Alliance (Siak), dem lokalen Wissenschaftsnetzwerk. Die rheinland-pfälzische Innen-Staatssekretärin Simone Schneider war zu Gast, überbrachte einen Förderbescheid in Höhe von 260.000 Euro. Damit soll die Planung für das Innovationszentrum vorangetrieben werden, das den Namen „42“ tragen soll – das ist die Hausnummer und angeblich eine magische Zahl. Auch zwei Mitarbeiter werden mit dem Geld bezahlt. Projektleiter für das „42“ ist die Siak in Gestalt von Johannes Korz. Gefunden sind bereits zehn Partner, darunter die Universität, die Hochschule, die Handwerkskammer, die Firma Wipotec und mehrere Forschungsinstitute, die sich fünf Jahre lang finanziell beteiligen und mit Projekten einbringen. Geplant sei im Erdgeschoss ein 200 Quadratmeter großer Veranstaltungsraum, zudem Ausstellungsflächen, ein großes Café mit Außenbereich sowie Räume, die flexibel genutzt und auch von externen Interessenten angemietet werden können.
Eine alternative Entwicklung für die Innenstadt
„Wir haben die großen wissenschaftlichen Organisationen vor Ort an Bord“, betonte Rombach. Das Zentrum sei eine große Chance für die Stadt, auch um bei jungen Menschen das Interesse an Wissenschaft und neuen Technologien zu wecken. In der Eisenbahnstraße werde künftig gezeigt, was der Standort an Innovationen zu bieten habe. Es gebe Antworten auf die aktuellen Fragen der Zeit. Projektleiter Korz stellte Ausstellungen zu den Themen Mobilität, Energie und Gesundheit sowie Industrie 4.0 in Aussicht. Staatssekretärin Schneider nannte das Projekt „wahnsinnig spannend“, aber auch ambitioniert. Der interdisziplinäre Ansatz sei klasse. Die Herausforderung sei, die Bürger an der Stelle wirklich mitzunehmen. Wenn das gelinge, entstehe ein Leuchtturmprojekt, das über die Landesgrenzen hinaus Vorbild sein könnte.
Für Pfaff ist das Transferzentrum ein Ergebnis jahrelangen Netzwerkens. Gerade weil Wirtschaft und Wissenschaft in Kaiserslautern gut kooperierten, sei es vor Jahren gelungen, das europäische Entwicklungszentrum von John Deere anzusiedeln. Oberbürgermeisterin Beate Kimmel, SPD, fasziniert an dem Vorhaben, dass es eine alternative Entwicklung für die Innenstadt aufzeigt. „Wir brauchen hier Wohnraum und gute Ideen, wenn der Handel wegbricht.“ Das Konzept, das die PRE angehe, sei sehr stimmig. Es sei extrem wichtig, dass an der zentralen Stelle ein Leerstand verschwinde und wieder Leben einkehre. Es könne gelingen, die Wissenschaft in die Stadt zu bringen.