Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Die Energieagentur Rheinland-Pfalz berät alle Bürger zu Fragen rund um Klimaschutz

Fährt Elektroauto und hat eine Photovoltaik-Anlage auf seinem Haus: Michael Hauer.
Fährt Elektroauto und hat eine Photovoltaik-Anlage auf seinem Haus: Michael Hauer.

Die Klimakrise erfordert ebenso dringendes Handeln wie die Corona-Krise. Das sei inzwischen bei unglaublich vielen Menschen angekommen, sagt Michael Hauer, Geschäftsführer der Energieagentur Rheinland-Pfalz im Interview mit Doris Theato. Er wirbt dafür, dass sich Bürger auch direkt an ihn und sein Team wenden.

Beschreiben Sie doch kurz die Hauptaufgabe der Energieagentur.
Unsere Hauptaufgabe ist die Unterstützung von Kommunen und ihren Bürgern sowie Unternehmen in Rheinland-Pfalz bei der Umsetzung von Aktivitäten zur Energiewende und zum Klimaschutz. Das machen wir unabhängig, produkt- und anbieterneutral.

Kann der Bürger auch direkt von Ihnen profitieren?
Ganz konkret kann sich aktuell jeder, der sich eine neue Photovoltaikanlage in Kombination mit einem Stromspeicher anschaffen möchte, direkt an die Energieagentur Rheinland-Pfalz wenden und bekommt da praktisch eine „Rundum-Betreuung“. Im Rahmen des PV-Speicherprogramms bieten wir von fachlicher Beratung und Antragsbegleitung sowie -abwicklung für Fördermittel das gesamte Paket, und das ist insgesamt sehr effizient und bürgerfreundlich.

In vielen Fällen profitieren die einzelnen Bürger allerdings eher mittelbar von den Leistungen der Energieagentur, weil wir hauptsächlich Kommunen beraten und viele Fachveranstaltungen durchführen.

Viele spüren Ihre Arbeit also eher nicht direkt?
Die kommunale Beratung dreht sich zum Beispiel um das Vorgehen und die Finanzierung bei Sanierungen von Gebäuden oder auch beim Auf- oder Umbau der Wärmeversorgung in Quartieren – da bemerkt uns der Bürger nicht direkt. Unterstützen wir eine Kommune dabei Ladeinfrastruktur für Elektroautos vor Ort aufzubauen, profitiert da natürlich auch der einzelne. Spontan fallen mir da auch die Einführung von Car-Sharing-Modellen, Dorfautos oder Bürgerbussen ein. Besonders wahrgenommen werden wir, wenn wir gemeinsam mit Kommunen Veranstaltungen vor Ort durchführen. Dabei sind wir oft in einem sehr direkten und vor allem in einem sehr konkreten fachlichen Austausch, der uns auch sehr viel Spaß macht.

Als Chef der Energieagentur sind Ihnen die Themen des Klimaschutzes sehr vertraut. Wie sieht es denn bei Ihnen privat mit dem Klimaschutz aus?
Ich selbst fahre ein Elektroauto, betreibe privat eine Photovoltaik- und eine Solarthermieanlage auf unserem Haus in Trier, und natürlich habe ich auch ein Auge auf unsere Energieverbräuche. Da reicht oftmals ein monatlicher Blick auf den Stromzähler. Wichtig ist meiner Familie, 100 Prozent regional produzierten Ökostrom bei den Stadtwerken beziehen zu können. Das gibt auch einen ganz anderen Bezug zum Thema Energie. Natürlich haben wir schon vor Jahren komplett auf LED-Beleuchtung umgestellt, die LEDs gibt es ja mittlerweile in allen Lichtschattierungen.

Vor kurzem war ich gerade mit der Arbeitsgruppe Energie an der Schule meiner 14-jährigen Tochter zu einer Windradbesichtigung, und ich habe versucht, den Jugendlichen möglichst praktisch und anschaulich den Sinn erneuerbarer Energien zu vermitteln.

Kommt das beim Nachwuchs an?
Jugendliche verstehen die Zusammenhänge sehr gut. Meine Kinder sind auch sehr hinterher, dass wir möglichst viele regionale Lebensmittel einkaufen. Wir bekommen wöchentlich eine „grüne Kiste“ geliefert und kaufen auf dem regionalen Wochenmarkt ein. Da ich aus der Landwirtschaft komme, bauen wir auch Gemüse im eigenen Kleingarten an – leider fehlt mir bei manchen Anbauversuchen noch der dafür dringend benötigte „grüne Daumen“.

2020 steht weitgehend im Zeichen von Corona. Bremst das Virus die Energiewende und damit auch die Klimaschutzziele aus?
Corona sehen wir nicht als Bremse, sondern eher als Katalysator für den Klimaschutz. Sehr anschaulich finde ich, was der Wissenschaftler Volker Quaschning formulierte, er sagte sinngemäß: „Die Corona-Krise gefährdet Menschenleben, und wir suchen fieberhaft nach Impfstoffen gegen das Virus. Die Klimakrise gefährdet die Menschheit, die Impfstoffe in Form erneuerbarer Energien liegen vor, und wir setzen sie nicht ausreichend ein.“ Dass die Klimakrise ebenso dringendes Handeln erfordert wie die Corona-Krise, ist inzwischen bei unglaublich vielen Menschen angekommen.

Spüren Sie da Unterstützung durch die Fridays-for-Future-Bewegung?
Vielleicht haben Gespräche in den Familien im Zuge der Fridays-for-Future-Bewegung Wesentliches bewirkt. Waldsterben, Wassermangel und Temperatur-bedingte Gesundheitsrisiken tun dabei ihr Übriges. Auf gesellschaftlicher Ebene setzen sich zwischenzeitlich immer mehr Gruppierungen für den beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien ein, die das vor fünf Jahren noch sehr kritisch gesehen haben. Ich denke etwa an die größten Industriebetriebe in Rheinland-Pfalz. Dort ist die Versorgung mit erneuerbarem Strom zwischenzeitlich verbindlicher Teil der Unternehmens- und Investitionsstrategie und wird sich somit auch direkt auf alle Zuliefererunternehmen und Dienstleister in unserer Region auswirken.

Zur Sache: Energieagentur Rheinland-Pfalz

Die Energieagentur Rheinland-Pfalz wurde 2012 als Einrichtung des Landes gegründet und versteht sich als Schnittstelle zum Land Rheinland-Pfalz, zu Unternehmen sowie zu Kommunen mit ihren Bürgern. Sie unterstützt Kommunen und Unternehmen bei der Energiewende und dem Klimaschutz.

Die Energieagentur Rheinland-Pfalz ist ein wirtschaftlich geführtes, eigenständiges Unternehmen, finanziert sich durch öffentliche Mittel und arbeitet unabhängig von Verkaufsinteressen privater und öffentlicher Unternehmen. Es gibt acht Regionalbüros. Das für die Westpfalz zuständige Regionalbüro hat seinen Sitz in Kaiserslautern in der Trippstadter Straße. Dort sitzt auch die Zentrale mit Geschäftsführer Michael Hauer. Mehr Infos und alle Ansprechpartner unter https://www.energieagentur.rlp.de/.

„Jeder, der sich eine neue Photovoltaikanlage in Kombination mit einem Stromspeicher anschaffen möchte, kann sich direkt an die
»Jeder, der sich eine neue Photovoltaikanlage in Kombination mit einem Stromspeicher anschaffen möchte, kann sich direkt an die Energieagentur Rheinland-Pfalz wenden und bekommt da praktisch eine ,Rundum-Betreuung’«, sagt Michael Hauer.
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