KaiserslauternDie Band Winterland hat ein neues Album veröffentlicht
Winterland besteht aus (von links) Bernd Schreiner, Stephan Hugo und Markus Pfeffer.
Es geht zurück - und gleichzeitig mit voller Kraft voraus: das gestern erschienene neue Album „Life’s What You Make It“ der Kaiserslauterer Band Winterland.
Das neue Album „Life’s What You Make It“ von Winterland steht nach nicht weniger als fünfjähriger intensiver Kompositions- und Tüftel-Arbeit im Spannungsfeld zwischen den Anfängen einer fast 30-jährigen Bandgeschichte und dem Wunsch, auch und gerade nach all den Erfahrungen dieser Zeit wieder einmal etwas Neues zu wagen. Herausgekommen ist ein natürlicherweise ausgereiftes, modernes, ansprechendes Werk mit deutlichen Rückbezügen auf die (auch englischsprachigen) Wurzeln der Band.
Die aktuelle Besetzung der international bekannten Gruppe bürgt l für ein ordentliches Maß an Qualität. Im Mittelpunkt stehen nämlich die Lauterer musikalischen Urgesteine Markus Pfeffer (Gitarre, Keyboard, Bass) und Stephan Hugo (Gesang). Beide sind erfahrene Musiker, die sich in ungezählten Band-Projekten (wie Markus Pfeffer) oder sich - auch als Texter und sogar Musical-Regisseur (Stephan Hugo) über Jahrzehnte hinweg einen Namen gemacht haben. Unmittelbar unterstützt werden sie von Bassist Bernd Schreiber, der mit seiner versierten Rhythmusarbeit beständig sowohl stützend als auch treibend agiert.
Illustre Gastmusiker
Das ist längst noch nicht alles in Sachen Personal bei „Life's What You Make It“. Mit von der Partie sind noch versierte Gastmusiker wie Schlagzeuger Thomas Rieder (auf allen Tracks des Albums zu hören), Keyboarder Thomas Nitschke, Flötistin Sabrina Roth und der französische Pianist Jorris Guilbaud. Alle sind reife Musiker-Persönlichkeiten, mit denen sich die Qualität des Werks in Bezug auf Technik und Interpretation erst Recht auf einem hohen Niveau hält.
Roth und Guilbaud sind übrigens gemeinsam auf dem elften und letzten Titel der physischen CD zu hören, dem sparsam instrumentierten, aber gerade deshalb besonders wirkungsvollen Spandau-Ballet-Cover „Through the Barricades“, einem Hit der 80er Jahre. Das löst Erinnerungen aus und bewirkt so manchen Gänsehaut-Moment. Als Bonus-Material gibt es auf der damit 15 Stücke enthaltenden Scheibe noch vier weitere aufpolierte Neu-Interpretationen bekannter Hits dieser Dekade, darunter das ikonische und (gerade hier auch durch die markante Singstimme Stephan Hugos) hörenswerte „Sunglasses at Night“.
Das Cover der neuen CD
Unter den elf regulären, also streambaren, Titeln des Albums befindet sich aber nicht nur älteres Material von anderen Künstlern, sondern mit „PersSonality“ noch ein Winterland-eigenes Stück früherer Zeiten. Diese über 20 Jahre alte, nun sauber überarbeitete und aufgefrischte Komposition wirkt nun so modern und lässig, als sei sie gerade erst geschrieben worden.
Die Blicke zurück sind indes eben nur die eine Seite des neuen Albums. Die andere ist jene mit den ganz neu komponierten Titeln auf „Life’s What You Make It“. Irgendwo auf dem großen Feld zwischen klassischem Rock und dessen (manchmal angenehm melodisch durchsetzten) alternativ-progressiven Nachfahren ist Winterland eine solide Verbindung zwischen der eigenen Vergangenheit und einer der modernen Gegenwart verpflichtenden Weiterentwicklung gelungen. Wer so aufgestellt ist, hat dann auch in der weiteren Zukunft mit Sicherheit noch einiges zu bieten.
Gesellschaftskritik
Aber schon das Aktuelle hat Klasse - und das eben nicht nur in musikalischer Hinsicht. Auch Stephan Hugos Texte (nach einer längeren deutschsprachigen, nun wieder englisch orientierten Phase) haben es in sich. Entsprechend des Album-Titels „Life's What You Make It“ geht es dabei um nichts Geringeres als das (moderne) Leben an sich, in all seinen Facetten, in all seinen Auswirkungen.
Thematisiert werden in den nachdenklich stimmenden, meist auch gesellschaftskritischen Titeln die modernen Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Gesellschaft („Follow Me“) und die zunehmend gespaltene, einen ratlos zurücklassende Welt („I Don’t Know“). Dazu gibt es ein gut gemachtes, aussagekräftiges Video, das man sich auf YouTube ansehen sollte. Allein deswegen lohnt es sich schon, den einzelnen Liedern auch jenseits der eindrücklichen musikalischen Wirkung genauer nachzuspüren.
Wenn wir gerade schon bei den außermusikalischen Umsetzungen der neuen Winterland-Musik sind: Sogar das Cover des „Life’s What You Make It“-Albums hat hier seinen besonderen Reiz: Ein alter, auf einem Flohmarkt entdeckter Spiegel inmitten einer trostlosen Landschaft zeigt in seinem Innern ein gänzlich anderes, angenehmes, positives Bild. Man mag es als Metapher für das im Titel der Produktion erwähnte Leben nehmen, das je nach Sichtweise, Führung und Erleben auch Gegensätzliches offenbart, sich also auch genau so gibt, wie das Werk: Altes und Neues, traditionelle Stile und moderne Ausprägungen miteinander bruchlos in Einklang bringend. Klare Empfehlung: absolut hörenswert.
Info
Zu beziehen ist das Album „Life's What You Make It“ der Kaiserslauterer Band Winterland als physische CD über das kleine niederländische Label “Rock Company“ (www.rockcompanyrecords.nl) und ansonsten über die üblichen bekannten Streaming-Portale.