Kulturzentrum Kammgarn RHEINPFALZ Plus Artikel „Die Ballade vom traurigen Café“: Gelungenes Kabinettstückchen

Idealbesetzung für „Die Ballade vom traurigen Café“: das Duo Wortlaut.
Idealbesetzung für »Die Ballade vom traurigen Café«: das Duo Wortlaut.

Mit dem Live-Hörstück „Die Ballade vom traurigen Café“ stellten Madeleine Giese und Rainer Furch, alias das Duo Wortlaut, erfolgreich ihr neues Programm vor.

Texte sind zum Lesen da, Bühnenstücke gehören ins Theater, und Live-Musik hört man gemeinhin im Konzertsaal. Interessant wird es, wenn alle drei Komponenten in ungewöhnlichem Ambiente von ebenso nicht alltäglichen Künstlern realisiert werden. Am Donnerstagabend ist dieses in Eigenregie erschaffene interpretatorische Kabinettstück gleich vier lokalen Bühnen-Koryphäen – mit dem Duo Wortlaut im Mittelpunkt – auf hoher qualitativer Ebene gelungen.

Mit dieser Art und Güte des Vortrags erfuhr das in der Vergangenheit bereits mehrfach in verschiedenen Kunstsparten (unter anderem als Bühnenstück und Film) adaptierte Werk „Die Ballade vom traurigen Café“ in der ausverkauften Schreinerei der Kammgarn eine neue und gelungene Stufe der Realisierung.

Ungewöhnliche Beziehung

Die Novelle der US-Autorin Carson McCullers (1917 bis 1967) spielt irgendwann in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts in einer abgelegenen, kleinen Stadt im Süden der USA. Hier lebt die eigenwillige und verschlossene Ladenbesitzerin Amelia Evans. Die Szenerie (und ihr Leben) ändert sich, als eines Tages ein buckliger Mann namens Lymon auftaucht und behauptet, ihr Verwandter zu sein. Zur Überraschung aller nimmt Amelia den Fremden auf, und alsbald entwickelt sich eine ungewöhnliche Beziehung zwischen den beiden. Amelia verändert sich positiv, wird offener gegenüber anderen, macht aus ihrem Laden sogar ein florierendes Café.

Die Situation ändert sich erneut – und diesmal nicht zum Besseren –, als Amelias krimineller Ex-Mann Marvin aus dem Gefängnis entlassen wird und wieder in der Stadt erscheint. Zusammen mit Lymons zunehmend befremdlichem Verhalten entwickelt sich eine fatale Dreiecksgeschichte mit einer überraschenden Konstellation und einem nicht minder ungewöhnlichen „unhappy end“.

Passende Protagonisten

Das schon preisgekrönte Künstler-Ehepaar Madeleine Giese und Rainer Furch, zusammen das Duo Wortlaut, hätten keine besseren Protagonisten für das Verfassen und die Aufführung dieser neuen Version von „The Ballad of the Sad Café“, so der Originaltitel, sein können.

Beide sind schauspielerisch ausgebildet und durch eigene Aktivitäten literarisch erfahren, beide verstehen sich auch auf der Bühne schier blindlings, was an diesem Premieren-Abend zu einer ungemein sicheren und ausdrucksstarken Darbietung mit wie Zahnräder ineinander greifenden Elementen führte.

Futter für das Kopfkino

Dabei schon rein äußerlich dem literarischen Inhalt angepasst – sie in rustikalen Latzhosen, er mit legeren Hosenträgern – präsentierten sie McCullers Südstaaten-Werk um menschliche Beziehungen und Entwicklungen in Form eines „Live-Hörstücks“: Meist nebeneinander sitzend und in freier Rede präsentierte man das Stück in einem das Kopfkino permanent fördernden lebhaften Wechsel zwischen textlicher Darstellung von Geschehnissen und leicht szenisch aufbereiteten Dialogen, mit denen die beiden jeweils konsequent in ihre gespielten Rollen schlüpften. Insbesondere Pfalztheater-Schauspieler Rainer Furch gelang hier mit der fistelnden Stimmdarstellung des zwielichtigen Lymon eine bemerkenswerte Leistung.

Mit Mundharmonikabegleitung: Albert Koch, Norbert Roschauer, Madeleine Giese und Rainer Furch bei der Premiere ihres neuen Hörst
Mit Mundharmonikabegleitung: Albert Koch, Norbert Roschauer, Madeleine Giese und Rainer Furch bei der Premiere ihres neuen Hörstücks.

Es gab an diesem abwechslungsreichen Abend aber nicht nur rein Literarisches. Passend zum geografischen und zeitlichen Ambiente der Novelle spielte hauptsächlich der Blues eine tragende Rolle in der Aufführung des Live-Hörstücks. Keine Geringeren als der renommierte Bluesharp-Meister Albert Koch und der versierte Gitarrist Norbert Roschauer untermalten, verbanden und kommentierten damit passgenau die gebotenen Texte, die dadurch noch mehr an Kontur und Kraft gewannen.

Singende Instrumentalisten

So erklang etwa bei der Erwähnung einer vorbeiziehenden Gefangenentruppe ein besonders trauriger, schlurfender Blues, und die erste Begegnung der schurkischen Charaktere Lymon und Marvin verbanden sie mit dem passenden Titel über den „Bad Bad Leroy Brown“. Die beiden (streckenweise auch singenden) Instrumentalisten könnten wohl auch locker ein komplettes eigenes Konzert bestreiten.

Auf diese Weise fügte sich an jenem Abend fugenlos eins zum anderen, wurden Text und Musik, Bewegung und Intonation zu einer runden Einheit, deren Wirkung in einen langen, verdienten Applaus und einer satten musikalischen Zugabe mündete.

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