Kaiserslautern Deutsch mit niederländischen Einflüssen

Am gestrigen Dienstagabend konnte die TU Kaiserslautern einen hochrangigen Gast in der Rotunde begrüßen. Fauzi Bowo, Botschafter Indonesiens in Berlin, hielt einen Vortrag zum Thema „Die Republik Indonesien – aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Zukunftskonzepte“.
Es ist kein Zufall, dass Bowo von Gabi Tröger-Weiß, Professorin am Lehrstuhl Regionalentwicklung und Raumordnung, eingeladen worden war. Denn: Bowo hat in Kaiserslautern 1999 bei Professor Hans Kistenmacher im Lehr- und Forschungsgebiet Landes- und Regionalplanung promoviert. Ein weiteres Beispiel dafür, dass die TU Kaiserslautern international gut vernetzt ist. Schon am Vormittag war Bowo in der Vorderpfalz verpflichtet, ein Empfang beim Bürgermeister von Bad Dürkheim stand auf dem Programm. Die Vorderpfalz mit den Weinbergen und ihren Produkten gefalle ihm sehr gut, erzählt Bowo. Der Botschafter spricht perfektes Deutsch, manchmal klingen niederländische Einflüsse an. Was hatte ihn als Indonesier dazu gebracht, in Kaiserslautern die Doktorwürde anzustreben, und das in Zeiten, wo die Globalisierung noch nicht so weit fortgeschritten war? Der Botschafter lacht und muss etwas weiter ausholen. 1967 hatte er sein Abitur in Indonesien abgelegt. Die Studenten waren damals sehr in den politischen Umwälzungen des Landes engagiert, sagt Bowo. Da er selbst auch Niederländisch sprach, – bis 1943 war Indonesien über Jahrhunderte niederländische Kolonie gewesen – war sein Plan, in den Niederlanden zu studieren. In Delft hatte er seinen ersten Studienplatz. Aber das reichte Bowo noch nicht. Er wollte eine neue Sprache, eine neue Kultur kennenlernen. Seine Wahl fiel auf Deutschland, seine nächste Station war die Universität Braunschweig. Dort studierte er von1968 bis 1976 Architektur. Doch die dort begonnene Promotion konnte er nicht fortsetzen, denn sein Doktorvater wechselte in die Politik. Bowo musste ebenfalls zurückkehren nach Indonesien, denn schon während des Studiums hatte er dort zu arbeiten begonnen. Erneut begann Bowo eine Promotion. Kontakte hatte er geknüpft mit Hans Kistenmacher, damals Professor und Direktor des Instituts für Landesplanung und Raumforschung an der Universität Hannover. Dieser wechselte 1976 an die Universität Kaiserslautern und Bowo folgte seinem Doktorvater. Allerdings stellte sich die Promotionszeit für ihn als räumlicher Spagat dar. Viele Arbeiten konnte er dafür zuhause in Indonesien leisten. Die Zeit, die er beispielsweise für Seminare in Kaiserslautern anwesend war, verbrachte er im Gästehaus. 1999 konnte er seine Dissertation im Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen einreichen, im Jahr 2000 promovierte er. In Indonesien stieg Bowo erst zum Vizegouverneur auf und wurde 2007 zum Gouverneur von Jakarta gewählt. Seit Februar 2014 ist er der Botschafter Indonesiens in Deutschland. Mit seiner Frau lebt er seitdem in Berlin. „Eine angenehme Stadt“, so der Botschafter, auch im Vergleich zu Hamburg, Frankfurt oder München in Bezug auf die Lebenshaltungskosten. Seine vielfältigen Kontakte nach Deutschland und Berlin hatten Bowo prädestiniert für die Ernennung zum Botschafter, so erzählt er. Schon in der Zeit der Städtepartnerschaft zwischen Jakarta und Berlin hatte er seine Kontakte weiter ausbauen können, denn damals war er zuständig für Berlin. „Ich war der direkte Partner von Klaus Wowereit“, sagt Bowo. Der Botschafter möchte Indonesien in Deutschland weiter bekannt machen, über die Bedeutung als Tourismusziel hinaus. „Die Ost-West-Ausdehnung ist beispielsweise so groß wie von Deutschland bis zur Mongolei“, sagt Bowo und verweist auf die rund 250 Millionen Einwohner, die das Land zum viertgrößten der Welt machen. In Kaiserslautern habe er zur Zeit seiner Promotion gute Kontakte geschlossen. Mit einem Lachen erinnert er sich an die Meisterschaft des 1. FCK, die 1999 ein großes Thema war.