Kabarett RHEINPFALZ Plus Artikel Der weiß-blaue Hai: Lisa Fitz in Ramstein

Ene laute Stimme gegen das Establishment: Lisa Fitz in Ramstein-Miesenbach.
Ene laute Stimme gegen das Establishment: Lisa Fitz in Ramstein-Miesenbach.

Eine Frau, die seit 40 Jahren kein Blatt vor den Mund nimmt und mit Freuden aneckt, wo sie nur kann: Die bayerische Kabarettistin Lisa Fitz gastierte am Mittwoch im Congress Center Ramstein, mit ihrem Jubiläumsprogramm „Dauerbrenner“.

Lisa Fitz – das Urgestein der deutschen Kabarettszene? „Also bitte schreiben Sie das nicht. Das klingt ja wie ein versteinerter Wurm aus dem archäologischen Museum.“ Wie wäre Grande Dame? „Das klingt nach Zara Leander oder nach Queen Mom – irgendwas aus der Vorzeit. Also wenn ich schon so was sein muss, dann möchte ich bitte sein: Lisa Fitz, der weiß-blaue Hai.“ Dann also: Lisa Fitz, der weiß-blaue Hai des deutschen Kabaretts, hat schon viele Tabus der Unterhaltungsbranche gebrochen – oder vielmehr gesprengt. Und auch heute noch fackelt sie an so mancher Zündschnur.

Die Frage, warum sie ihr Geburtstagsprogramm „Dauerbrenner“ getauft hat, stellt sich also nicht wirklich. „Na, weil ich einer bin“, antwortet sie kess. „Überlegen Sie doch mal, wer von meinen Kollegen aus meiner Anfangszeit noch im Amt ist? Ich bin die einzige! Oder sie haben fünf Jahre später angefangen, aber zehn Jahre früher aufgehört, weil sie 20 Jahre älter ausschauen.“ Ja, als Lisa Fitz aufwuchs und erstmals die Bühnen betrat, war es kein leichtes Spiel für Frauen in der männerdominierten Welt.

Blick zurück auf die Anfänge

In den 1960ern, als Fitz gerade „pubertierte“, war so einiges los: In den USA tobte der Vietnam-Krieg, die sexuelle Revolution trieb Konservativen die Schamesröte ins Gemüt, Kuba-Krise, Flower Power und Woodstock, Kennedy- und Che Guevara-Mord, Marihuana und Mini-Rock, Menschen gingen auf die Straße und rebellierten gegen die Staatsgewalt, gegen die Banken, gegen jegliche Form von Autorität. „G'holfen hot's nix, aber schön war’s, ne?“, kommentiert Fitz. Viel ruhiger als heute war es also nicht. Nur gab es damals noch keine Smartphones und soziale Medien. Der heutige Zeitgeist dagegen, ihrer Ansicht nach: „Blutleer, betroffen und beleidigt.“

Die „wilden“ 1970er waren dann ihre Zeit. Rock-Konzerte und durchzechte Nächte in fremden Hotelzimmern – so sahen Fitz' Wochenenden aus. Bis eines Morgens das Bayerische Fernsehen bei ihr anrief. Von da an war sie die – noch – zurückhaltenden Moderatorin der Bayerischen Hitparade. Über Nacht berühmt. Frisch von der Schauspielschule, im Dirndl auf die Jodel-Bühnen, „im völlig falschen Film, aber mit Erfolg“, erinnert sie sich. Ihr Vater, Walter Fitz – ihr Manager, Mentor und Produzent in dieser Zeit – war „selig“, Tochter Lisa fand es „bled – ihn, weil er das schön fand, die Zuschauer, die Musik – alles, alles, alles!“ Ihre Texte hat sie schon damals selbst geschrieben. Und schon damals „als Satire gemeint. Das hat sich meinem Umfeld nur nicht vermittelt.“ Daraufhin ging sie „eigene Wege“ – auch ein Songtitel. Und spätestens, als sie ihren ersten Ehemann Ali Khan – einen Perser – in der Öffentlichkeit präsentierte und damit im konservativen Bayern eine Welle der Empörung, Vorurteile und rassistischer Gratulationsbriefe auslöste, antwortet sie mit einem Lied, bei dem sogar einige den Saal verlassen mussten vor Entrüstung. So eine gab es noch nie.

Immer gesagt, was sie gedacht hat

Das „-Innen“ oder Gendersternchen gab es damals natürlich weit und breit auch nicht. Es gab es nur „die Alibi-Frau im Team, die Frauenthemen aufsagen durfte, für die ein Mann den Text geschrieben hat. Also die Quotenfrau sang das Quotenlied, wie zu dieser Zeit der lustige Schwarze tanzen durfte, aber natürlich ohne eigene Meinung.“ Und beteuert gleich vorsorglich hinterher, damit man sie nicht missverstehe: „Doch, das ist politisch korrekt, ich hab's mehrfach nachgeprüft.“ Fitz war damals die erste Frau im deutschen Unterhaltungsprogramm mit eigenen Texten, „da bin ich schon stolz drauf. Ich habe gesagt, was ich gedacht habe.“

Das tut sie heute noch. Mit ihrer markanten Stimme singt sie alte Beatles-Klassiker zur Gitarre und in gleichem Atemzug Liedchen über die Jungfernhaut. Sie erzählte von den Zeiten, als es noch im gesamten Bundestag „keine künstliche Intelligenz“ gab, „nur natürliche Dummheit“. Und immer wieder nimmt sie ihren „Lieblings“-Politiker Franz-Joseph Strauß als Beispiel: „Der hat Kracher losgelassen, dagegen war der Trump ein Stofftier. Aber er hat damals noch den wahren Satz gesagt: ,Rechts von der CSU darf es nichts geben!' Dann hat Frau Merkel aber ordentlich nach links gerückt, Platz gemacht, und da sind dann die Rechten rein gegrätscht. Also Franz-Joseph Strauß – so bled war der net, ne?“ Auch sonst geht sie bis heute mit gewetzten Messern an politische Themen.

Wut auf „die Politiker“

Der Umgang mit der Pandemie hat bei der „Dauerbrennerin“ noch mehr Öl ins kabarettistische Feuer gegossen. „Wenn Leben und Wirtschaft still stehen, die Regierung gnadenlos ganze Wirtschaftszweige crashen lässt, unzählige Existenzen vernichtet und jeden Widerspruch weg diskriminiert aus Angst vor einem Volksaufstand – alles wegen diesem Pleitevirus – […] dann ist das Top-Comedy.“ Besonders wenn „die Politiker auf gar nichts verzichtet haben“ und „abgesichert bis zur Urne“ seien – „also nicht der Wahlurne sondern der echten!“ Jedes vierte Kind sei von Armut betroffen, führte sie aus. „Aber wir sind ein reiches Land. Rentner sammeln Flachen. Wir sind ein reiches Land. Containern ist verboten, aber Essen muss weggeschmissen werden. Wir sind ein reiches Land. Also ich sag euch, Leute, bei diesen Sprüchen, kannst du echt Angst kriegen.“

Nein, man muss nicht mit allem einverstanden sein, was die Kabarettistin auf der Bühne von sich gibt. Man muss ihr auch nicht alles blind glauben – erst recht keine vermeintlich statistischen Zahlen über die sie jüngst bei einer SWR-Sendung stolperte. Aber eines lässt sich nicht bestreiten: Lisa Fitz war, ist und wird wohl eine laute Stimme gegen das Establishment bleiben und der „Ladyboss“ in einer von Männern diktierten Weltordnung.

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