Dorfspaziergang RHEINPFALZ Plus Artikel Der strömende Regen verwässert nicht Morlauterns Herausforderungen

Schutz vor dem prasselnden Regen bietet die Überdachung vor dem Schulcontainer.
Schutz vor dem prasselnden Regen bietet die Überdachung vor dem Schulcontainer.

Die äußeren Bedingungen für einen Dorfspaziergang waren am Dienstag in Morlautern nicht ideal. Bei strömendem Regen gab es rund um den Dorfplatz dennoch Themen zu entdecken.

Morlauterns Ortsvorsteher Alexander Lenz ist gut vorbereitet. Die Kapuze der Regenjacke tief ins Gesicht gezogen, einen großen Schirm aufgespannt steht er auf dem Dorfplatz. Die leise Hoffnung, dass es doch noch nachlässt, zerschlägt sich immer mehr. Es scheint sich einzuregnen. Wie schaut es eigentlich mit Starkregen und den Folgen aus in Morlautern? Alexander Lenz nickt. „Viele glauben ja, dass wir wenig mit Wasser zu tun haben, weil Morlautern auf dem Berg liegt.“ Allerdings gehörten zu Morlautern auch noch drei so genannte Annexen, also kleinere Ortsteile, wie Harald Brandstädter, viele Jahre im Ortsbeirat aktiv und auch Mitglied im Stadtrat, berichtet. „Waldhof, Dammmühle und Galappmühle“, zählt Brandstädter auf. Und genau an diesen Ortsteilen, die im Tal liegen, tauchen immer wieder Probleme mit Hochwasser auf, wie Lenz berichtet.

Der Buchstabe Z und der Eselsbach

Der Eselsbach verlaufe an der Eselsbachbrücke – die gerade saniert wird – nicht gerade, sondern beschreibe zwei Bögen, ähnlich im Verlauf wie der Buchstabe Z. Das sorge regelmäßig, bei starken Regenfällen, für Überflutungen und nasse Keller. Aber: Bei der Erneuerung der Brücke sei auch der Bachlauf verändert worden. Eine nicht-triviale Aufgabe, bei der viele Behörden mit im Boot waren, was dazu geführt habe, dass es etwas länger als geplant gedauert habe, sagt Lenz. „Aber wir sehen Licht am Ende des Tunnels.“

Eine gute Lösung, aber nur ein Provisorium: die Feuerwehrhalle für zwei Fahrzeuge.
Eine gute Lösung, aber nur ein Provisorium: die Feuerwehrhalle für zwei Fahrzeuge.

Das Tunnelende erreicht hat Morlautern bereits bei einem anderem Thema: der Feuerwehr. Würde dieser Schriftzug nicht in leuchtend roten Lettern an der Front stehen, würde man nicht denken, dass es sich hier um eine Feuerwehrhalle handelt. Der Bau erinnert eher an eine Mischung aus Zelt und Container, der Standort auf einem Parkplatz ist ebenso ungewöhnlich. „Das ist unser Provisorium“, deutet Alexander Lenz auf die Leichtbauhalle. Über die er ebenso froh ist wie die Feuerwehr.

Denn nachdem auch in der Stadtverwaltung klar geworden war, dass die beiden neuen Feuerwehrfahrzeuge – Ersatz für zwei rund 30 und 25 alte Fahrzeuge – zu groß für das Morlauterer Feuerwehrhaus an der Schule sind, musste eine Lösung her. „Und die beiden Fahrzeuge sind schon die kleinsten, die es auf dem Markt gibt“, betont Lenz.

Die Lösung war nicht ganz einfach: Im Juli 2023 stimmte der Stadtrat einer Leichtbauhalle aus Aluminium auf dem Dorfplatz zu, im September war die Mehrheit plötzlich für eine dauerhafte Halle aus Holz, letztlich wurde doch das Provisorium angeschafft. Etliche Parkplätze auf dem Dorfplatz mussten dafür weichen.

Die Halle ist eine Übergangslösung

„Wir sind zwar zufrieden mit der Halle“, sagt Lenz. „Aber es ist eine Übergangslösung.“ Nicht nur wegen der Parkplätze. „Im Winter ist es kalt da drin. Sich dann dort umzuziehen, ist schon eine Herausforderung.“

Als permanenter Standort eigne sich das Gelände auf der anderen Seite des Dorfplatzes, auf dem derzeit einige Spielgeräte stehen, erläutert Lenz. „Zuvor war auch der Bolzplatz hinter der Schule mal im Gespräch. Aber der soll bleiben; der andere Standort eignet sich besser.“

Das Ideal allerdings sähe noch mal ganz anders aus. Denn im Gebäudetrakt der Schule befindet sich der andere, ursprüngliche Standort der Feuerwehr. Darin sind jetzt noch verschiedene Geräte untergebracht. „Würde die Feuerwehr ganz aus dem Gebäude ausziehen, wäre dort Platz für die Schüler.“ Denn aus Platzmangel wird eine Klasse derzeit in einem Container vor der Schule unterrichtet, eine unter der Gaststätte in dem Gebäudekomplex. „Wir brauchen Platz für acht Klassen.“ Und der wäre gegeben, wenn die Feuerwehr einen ganz neuen Standort hätte. Derzeit jedoch eher ein Wunschdenken.

Die Morlautrerin Heidi Schermer findet die Prioritäten nicht richtig. „Wir haben so viele Neubaugebiete, aber man denkt nicht an die Kinder“, kritisiert sie, während das Bürgergrüppchen unter der Überdachung zum Container ein wenig Schutz vor dem Regen gefunden hat. Lenz kann nur erwidern: „Die Kinder lieben den Container.“ Denn darin sei es ruhiger.

Keine Erklärung hat der Ortsvorsteher für eine andere Schilderung von Schermer. „Ich habe mitbekommen, dass die Schüler der beiden ersten Klassen unterschiedliche Lehrbücher haben“, wundert sie sich. „Wer bestimmt denn sowas?“ Dies sei auch bei der Schulbuchausleihe nicht gerade ideal, weist Lenz auf einen weiteren Aspekt hin.

Albrecht Comes lebt gern in Morlautern – und das schon seit 30 Jahren, wie er beim Rundgang berichtet. „Nur wenige Schritte und ich bin im Wald.“ Das schätze er sehr an seinem Wohnort. Allerdings machten ihm das Erledigen von Geldgeschäften in der jüngeren Vergangenheit immer mal wieder Probleme. Seit die Sparkasse die Filiale geschlossen hat, stehen den Kunden nur noch Automaten und Terminals zur Verfügung. Die funktionierten aber nicht immer, hat Comes erleben müssen. „Das ist katastrophal.“ Neulich habe er Geld einzahlen wollen, was aber an einem defekten Automaten gescheitert sei. Die Sparkasse reagiere aus seiner Sicht auch nicht schnell genug auf Hinweise auf kaputte Geräte. Alexander Lenz pflichtet ihm bei. Bei allem Verständnis für Digitalisierung und Online-Banking vermisst er ein wenig Empathie, auch mit Blick auf den Faktor Daseinsvorsorge, wozu der Zugang zu Geldgeschäften durchaus gehöre. „Es nutzen halt nicht alle Menschen das Internet.“

Welcher Lebensmittelmarkt kommt nach Morlautern?

In einem weiteren Bereich der Daseinsvorsorge, dem lange gehegten Wunsch nach einem Lebensmittelmarkt im Ort, geht es offenbar demnächst vorwärts. Ortsvorsteher Lenz verweist auf die Tagesordnung der kommenden Sitzung des Ortsbeirats, am Donnerstag, 10. Juni. Die CDU-Fraktion hat das Thema mit einem Antrag noch mal auf die Agenda gehoben. „Die Stadt und wir als Ortsbeirat schaffen nur die Voraussetzungen, dass ein Markt gebaut werden kann“ unterstreicht Lenz. Ob und wie der Markt dann gebaut wird, sei eine Angelegenheit zwischen Marktbetreiber und Grundstückseigentümer. Aus dem Antrag geht hervor, dass sich offenbar Norma für die Einrichtung eines Lebensmittelmarktes interessiert.

Noch gut einer Stunde ist das Dorfspaziergängchen vorbei. Auch dank Schirmen und Unterstellmöglichkeiten an der Grundschule war das halbe Dutzend Teilnehmer nicht komplett durchweicht. In der Tasche blieb allerdings der Schlüssel zum Schlachtenturm. „Bei dem Wetter hätten wir sowieso nicht viel gesehen“, sagt Lenz. Aber: Die RHEINPFALZ kommt noch mal wieder. Bei besserem Wetter. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben ...

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