Kaiserslautern
Der Schulhof des Rittersberg-Gymnasiums soll grüner werden
„Irgendeiner muss ja anfangen.“ Hinter dem lapidaren Kommentar von AG-Mitglied Maximilian Wolf steckt die Erkenntnis, dass allein über Klimaschutz reden nichts nutze. Also machte sich die Gruppe im Frühjahr 2019 ans Werk. Ein trüber Schulhof, mit viel Asphalt? Nicht mehr tragbar, höchste Zeit für eine Veränderung. Neben Wolf gehören noch Denise Wasem, Jonas Hüttenberger, Sebastian Dengel und Niklas Kohl zur Gruppe. Sie alle besuchen die Jahrgangsstufe 13, haben gerade ihr Abi geschrieben. Unterstützt werden sie von ihrer Erdkunde-Lehrerin Dorothee Hassel.
Schüler-AG heißt RB Green
Erste Infos holte sich die Gruppe beim Besuch einer Infoveranstaltung der Stadt rund ums Klimaanpassungskonzept. Während der Projektwoche im Juni 2019 reifte das Projekt immer weiter heran. Seitdem ist einiges passiert. Die Gruppe nennt sich RB Green, eine Anspielung darauf, wie der Schulhof des Rittersberg-Gymnasiums künftig aussehen könnte. „Unser Ziel ist eine komplette Entsieglung und ein nachhaltiger Schulhof“, fasst es Wolf zusammen. „Die Diskussionen in der Stadt zum Klimaschutz laufen ja“, sieht Hassel.
Dazu hat sich die Gruppe, wie Niklas Kohl berichtet, bereits mehrfach mit dem Umweltdezernenten Peter Kiefer getroffen sowie mit Vertretern von Grünflächenamt und Gebäudemanagement. Schließlich sind Schulen in städtischer Hand. „Die Idee kommt gut an“, sagt Kohl. Laut Denise Wasem gab es auch eine Umfrage unter Schülern, Lehrern, Eltern und Hausmeistern, wie die sich denn einen schönen Schulhof so vorstellen. „Die Vorschläge decken sich“, sagt Charlotte Liebrecht, Lehrerin am RBG. Sie berichtet auch von Vorschlägen wie Schul-Weinberg und Trinkwasser-Spender. Zudem sitzen noch Hassel und Annette Coen aus dem Kollegium in der AG, die Schulleitung wird durch Susanne Scheffler-Hausbrandt vertreten.
Kontakte wurden auch zur Bau AG geknüpft, deshalb besuchen auch Ralf Kammer und Meike Pidun regelmäßig die Gruppentreffen und beraten die Schüler und Lehrer. „Das kann schon mal sechsstellig werden“, nennt Kammer auch einen Kostenrahmen, in dem sich eine Schulhof-Sanierung bewegen kann. Da ist beispielsweise der Asphalt, der auch auf Teer hin untersucht werden müsse, was eine Entsorgung gleich kostspieliger werden lasse. Kammer hat auch Kontakt zu dem ehemaligen Rittersberg-Schüler Udo Weilacher hergestellt, einem Landschaftsarchitekten und Professor der Technischen Universität München. Vergangene Woche wurden vier Entwürfe von Studierenden bei einer Videoschalte präsentiert. „Das lief super“, berichtet Weilacher. Rund 100 Zuhörer saßen an den Endgeräten und sahen sich die Entwürfe an. „Wichtig sind auch Fördermittel“, unterstreicht Kammer, der dazu riet, sich auch über Geld aus Töpfen von verschiedenen Stiftungen zu kümmern.
Nachwuchs gesucht
Der Weg zu einem neuen Schulhof ist lang. Demnächst verlässt die Kerntruppe der AG – das mündliche Abi steht vor der Tür – die Schule. Aber Nachwuchs ist bereits da, beispielsweise besucht Eva Lommel regelmäßig die Gruppen-Treffen am Mittwochnachmittag. Die wurden auch während Lockdown-Phasen abgehalten, berichtet Dorothee Hassel – via Videochat. Für weiteren Zulauf soll ein Ideen-Wettbewerb unter den Schülern sorgen. „Das Projekt soll ja weitergehen“, unterstreicht Jonas Hüttenberger.
Ein Ziel der Gruppe, das Projekt im städtischen Haushalt unterzubringen, ist teilweise erreicht. Nach Auskunft der Stadtverwaltung sollen im (noch nicht verabschiedeten) Haushalt 50.000 Euro für den Schulhof des Rittersberg-Gymnasiums bereitgestellt werden.
Laut Hassel wird auch an der Akquise von Spenden für das Projekt gearbeitet. Im Kopf hat sie dabei ein Zitat von Peter Kiefer. Der Umweltdezernent habe bei der Vorstellung des Klimaanpassungskonzepts davon gesprochen, dass der Stab nun an die Bevölkerung weitergegeben werden müsse. Am Rittersberg-Gymnasium ist er bereits angekommen.
Vier Entwürfe online vorgestellt
Acht Studierende der TU München, die dort Landschaftsarchitektur studieren, haben vergangene Woche in einer Videoschalte vier Entwürfe für einen neuen Schulhof für das Rittersberg-Gymnasium (RBG) vorgestellt. Betreut werden die Projekte von Udo Weilacher. Weilacher, Abitur-Jahrgang 1982 am RBG, hat seit 2009 den Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur an der TU in München inne. Den Kontakt stellte Ralf Kammer von der Bau AG her, beide kennen sich seit Weilachers Lehrzeit in den 1980er Jahren.
Die Präsentation sei gut gelaufen, seine Schützlinge hätten ihre Ideen gut präsentiert. Im Publikum saßen laut Weilacher auch Experten der hiesigen TU sowie Vertreter der Stadtverwaltung, darunter Udo Holzmann, der Leiter des Referats Gebäudewirtschaft.
Ein Hauptproblem bei der Umgestaltung des Schulhofs sei der Platzmangel. Die Studenten haben errechnet, dass auf dem Schulhof jedem Schüler umgerechnet nur etwas mehr als zwei Quadratmeter bleiben. Das enge auch die Gestaltungsmöglichkeiten ein. Ein Entwurf (siehe Foto links) arbeite deshalb mit einem erhöhten Rundgang, der am Rand des Schulhofs entlang laufe. Der aus Holz gefertigte „Neue Rahmen“, wie es in dem Entwurf heißt, könnte laut Weilacher auch gut als Bühne für Schulveranstaltungen genutzt werden.
„2021 muss ein erster Schritt gemacht werden“, findet Weilacher mit Blick auf den Schulhof. Deshalb seien in den Entwürfen auch gleich Vorschläge präsentiertworden, was mit 10.000 Euro schon alles erreicht werden kann.