Kaiserslautern Der Optimist

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Sein Debüt „Clarity“ gewann in den USA Platin, für die gleichnamige Single gab es Anfang 2014 einen Grammy. Jetzt hat der in Kaiserslautern aufgewachsene Musiker, DJ und Elektronikproduzent Zedd, bürgerlich Anton Zaslavski, sein zweites Album „True Colors“ veröffentlicht. Es steckt als musikalisches Gegenstück zum Hollywood-Popcornkino voller klug produzierter Gutelaunehits, die auf schiere Überwältigung zielen.

Nein, er huldigt nicht Cyndi Lauper, auch wenn das Album wie ihr einstiger Hit „True Colors“ (zu Deutsch: „wahres Gesicht“) heißt. Vielmehr geht es dem Tüftler darum, auf dem neuen Werk, das zweieinhalb Jahre auf sich warten ließ, eben dieses „wahre Gesicht“ zu zeigen, wie er in Interviews betont. Zugleich soll jeder Song eine „andere Farbe“ verkörpern. Also sieht er sich doch eher als Chamäleon – Lieblingsfarbe grün übrigens („Sie steht in meinen Augen für eine Welt, die in Ordnung ist“). Im weiten Feld zwischen US-Dubstep und House, mittlerweile diffus Electronic Dance Music (EDM), also „Elektronische Tanzmusik“ genannt, bastelt Zedd munter darauf los. Eher ausladend als dezent. Das Album startet gleich mit voller Wucht. In „Addicted To Memory“ zeigt Zedd seine Bandbreite auf einen Schlag, das fintenreiche Kuckucks-Ei führt allerdings auch etwas auf die falsche Fährte. Los geht es zuckersüß poppig (den Gesang besorgt die US-Girlsband Bahari), dann schaltet Zedd den Partybass dazu, schichtet eine Fülle von Effekten übereinander, wirft den Hörer mit schnell wechselnden Melodien und Beats von Tropic bis Trance nahezu vom Tanzboden. Zugleich erinnert manches Soli des als „lila“ bezeichneten Songs an Progrock-Schwelgereien der 1970er. Schließlich kennt sich der 25-Jährige nicht nur mit Knöpfchendrehen aus. Anton Zaslavski, geboren im russischen Saratov, hat in der Kindheit in Kaiserslautern zunächst traditionelle Instrumente gelernt, Klavier mit vier, dann Schlagzeug. Mit dem älteren Bruder Arkadi spielte er bereits als elfjähriger Drummer vielfach verschachtelten Metal in der Band Dioramic. Bis er das französische House-Duo Justice entdeckte. „Ich habe mehrere Musikrichtungen ausprobiert – von Klassik über Jazz bis hin zu Metal und Hardrock. Mich reizt es, Dinge anzugehen, die ich nicht kann, und bei null anzufangen. So bin ich bei elektronischer Musik hängengeblieben“, beschreibt er seinen Werdegang. Schon seine ersten elektronischen Kompositionen begeisterten die Clubgröße Skrillez: Der US-Amerikaner hatte das eher sanfte britische Dubstepgenre – die elektronische Variante entspannter Reggaemusik – potenziert und zu heftig wütenden, lauten Dancesounds entwickelt. Skrillez förderte Zedd, der in seine Fußstapfen trat und ihn bald überholte. Im eigenen Studio in Los Angeles feilt Zedd seither an neuen Klängen. Noch heute aber entstehen seine Stücke zunächst am Klavier. In den USA kennt er mittlerweile alle Popgrößen. Mit Lady Gaga arbeitete er an „Artpop“, er verhalf Justin Bieber zu Coolness, mixte für die Black Eyed Peas oder P. Diddy und ist verantwortlich für die Single „Break Free“ von Bambi-Preisträgerin Ariana Grande. Für „True Colors“ hat er sich nun selbst Unterstützung von Komponistin Antonina Armato geholt, die für Miley Cyrus und Selena Gomez schreibt, und vom norwegischen Produzenten Andreas Schuller (Pitbull, Jason Derulo), was die Richtung des Albums erahnen lässt: Auf die ganz großen Hits und die US-Charts wird geschielt. Dazu gibt es auch Ausflüge in Soundlandschaften, die reine Popfans überfordern dürften. Zugänglicher als der Album-Opener sind die folgenden Stücke mit wechselnden Gastsängern: „I Want You To Know“ mit der säuselnden Selena Gomez ist ein für die Clubs aufgemotztes Liebeslied, in dem die Ex von Justin Bieber ihrem Gegenüber verspricht, ganz ihm zu gehören. Für die Mädchen gedacht ist „Beautiful Now“ mit dem schmusigen New Yorker Jon Bellion, in dem sich der 24-Jährige mit pumpendem „Bababababa“-Refrain gleich an mehrere Schönheiten der Tanzfläche richtet. Oder zum Autoscooter auf der Maikerwe lädt: Zedds Musik glitzert stets grell, dem Hitmechanismus kann der Hörer aber nur schwer entkommen. In „Transmission“ (mit Logic und den X Ambassadors) wird es souliger, später kommt mit „Straight Into The Fire“ und Julia Michaels am Mikro Zedds Bewerbung für den Eurovision Song Contest, während in dem eher halbherzigen Popsong „Papercut“ der 19-jährige Youtube-Star Troye Sivan aus Australien mitwirkt und im schnuckeligen, sehr nach Chartserfolg klingenden „Daisy“ (wieder mit Julia Michaels) der Himmel voller Geigen hängt – es ist Zedds optimistischer „grüner“ Song. Dazwischen geschaltet sind zwei Stücke ohne Gast. In „Done With Love“ verfremdet Zedd die eigene Stimme wie weiland Daft Punk, bevor er zwischen R’n’B und Synthie-Flut einen recht fröhlichen Abgesang auf die Liebe hinlegt. Die letzten Pianotöne zitieren gar klassische Motive und leiten über ins fast zärtliche, dunkler getönte Titelstück, das ausnahmsweise so klingt, als meine Zedd es nicht mit Augenzwinkern. Auch wenn er beim Farbebekennen etwas widersprüchlich zum übrigen Album behauptet, kein Regenbogentyp zu sein. Und die Glocken gegen Ende sind dann doch zu viel an Pathos. Aber Zedd ist eben stets aufs Ganze aus. Die Techno-Rampensau lässt er dann wieder in „Bumble Bee“ (mit dem kanadischen Remix-Duo Botek) raus: Stoff für die härteste Clubnacht, nichts für Zartbesaitete. „Das Märchen ist vorbei“, heißt es denn auch im finalen „Illusion“. Für Zedd aber dürfte der märchenhafte Aufstieg weiter gehen. Er muss nicht schwarz sehen, auch wenn seine klug geformte Konfektionsware sicher keine Freunde von Musik mit künstlerischem Mehrwert begeistern wird. Das Album Zedd: „True Colors“; erschienen bei UMI/ Interscope

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