Kaiserslautern „Der Klimawandel findet statt“
Die Stadt Kaiserslautern will sich gegen die Folgen des Klimawandels wappnen. Dazu wird in den kommenden Monaten ein Konzept – eine Klimaanpassungsstrategie – erarbeitet, das der Stadt Werkzeuge an die Hand geben soll, was gegen die Folgen von Wetterkapriolen wie Starkregen und längere Hitzeperioden getan werden kann. Gestern Abend wurde der Prozess mit einer Auftaktveranstaltung im Großen Ratssaal im Rathaus vor rund 30 Bürgern eröffnet.
Mit der Erarbeitung des Konzepts beauftragt sind drei Planungsbüros, Dahlem aus Darmstadt, Must aus Köln sowie Geonet aus Hannover. Projektleiter ist Marc Ilgen, selbst Bürger von Kaiserslautern, wie er berichtete. „Wir machen das nicht für die Stadt, sondern die Stadt macht es für sich selbst“, umriss er die Aufgabe, bei dem die Experten der drei Büros unterstützend tätig sein werden. „Wie wappnet sich die Stadt gegen die Folgen des Klimawandels“, formulierte Ilgen eine zentrale Frage. Dazu soll nun in einem ersten Schritt eine Bestandsaufnahme erfolgen, welche Folgen des Klimawandels in Kaiserslautern das Leben der Bürger bereits beeinträchtigen. Anschließend sollen – auch mit Hilfe von zwei Workshops, zu dem alle interessierten Bürger eingeladen sind – Maßnahmen erarbeitet werden, skizzierte Ilgen das Vorgehen. Am 26. April wird zunächst untersucht, wo in Kaiserslautern „der Schuh drückt“, wie Ilgens Stellvertreter, Jan Benden es formulierte. Am 13. September sollen dann konkrete Maßnahmen besprochen werden. „Der Klimawandel findet statt, egal, was der Mann im Weißen Haus sagt. Er ist keine Erfindung der Chinesen.“ Philipp Reiter vom in Trippstadt angesiedelten Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen unterstrich, auch mit vielen Zahlen und Diagrammen, dass sich das Klima in Deutschland allgemein, aber auch in der Pfalz speziell wandele. Im Bereich des Pfälzerwaldes etwa sei die Jahresdurchschnittstemperatur seit 1881 um rund 1,7 Grad Celsius angestiegen. Die im Schnitt zehn wärmsten dokumentierten Jahre seien erst in den Jahren nach 1990 zu finden, berichtete Reiter. Direkte Folge: Die Zeit, in der die Vegetation zur Ruhe kommt, hat sich in den vergangenen 30 Jahren im Vergleich zu den 1950er Jahren verkürzt, von 116 auf nur noch 98 Tage. Auch die Wahrscheinlichkeit von so genannten Starkregenereignissen – Reiter erläuterte im Detail die Regenmassen, die Ende Mai 2016 insbesondere in Erlenbach und Morlautern gemessen wurden – habe über die Jahre zugenommen. Janko Löbig von Geonet unterstrich diesen Eindruck bei einem Blick in die Zukunft. Anhand von jeder Menge Daten, statistischen Verfahren und wissenschaftlichen Erkenntnissen hatte er Prognosen mitgebracht. Löbigs Fazit: Die Jahresmitteltemperatur wird steigen, es wird in Zukunft mehr heiße Tage, mehr Tropennächte – da sind Nächte, in denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad Celsius fallen –, aber auch weniger Frosttage geben. Löbig prognostizierte trockenere Sommer, feuchtere Winter sowie eine „Zunahme der Niederschlagsintensität“. Herauszufinden, wo die damit einhergehenden Folgen – etwa eine erhöhte Brandgefahr im Sommer, aber auch der Gefahr von Überflutungen – in Kaiserslautern vermehrt auftreten können, sei eine der Aufgaben des Projekts, sagte Ilgen. Der städtische Beigeordnete Peter Kiefer nannte die „klimagerechte Stadtentwicklung“ eine „große Herausforderung“, bei der nicht nur die Kommunen gefragt seien, sondern auch die Bürger. Das Projekt Klimaanpassungsstrategie wird vom Bundesumweltministerium gefördert.