Kaiserslautern Der Herrscher und der Narr

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Zum Abschluss der Spielzeit wartete das Badische Staatstheater Karlsruhe mit einer musikalisch imposanten und szenisch bemerkenswerten, wenn auch nicht in allen Punkten überzeugenden Einstudierung der Oper „Boris Godunow“ von Modest Mussorgsky in der Urfassung von 1869 und natürlich der Instrumentation des Komponisten auf.

Noch 1988 war Mussorgskys „Boris Godunow“ in der Rimski-Korsakow-Version am Staatstheater gezeigt worden, Mitte der 1990er Jahre folgte eine Neueinstudierung mit russischen Kräften nun in der Instrumentierung von Schostakowitsch. Die jetzige Neuinszenierung geht einen Schritt weiter, sie bringt erstmals in Karlsruhe die Urfassung des „Boris“, bei der der Polen-Akt ganz fehlt. Dafür gibt es das Bild vor der Basilius-Kathedrale in Moskau nur hier – und am Ende steht der Tod des Boris. Boris tritt in David Hermanns Inszenierung aber schon im ersten Bild auf, wo ihm die Befehle des rüden Polizeioffiziers in den Mund gelegt werden. Überhaupt geht der Regisseur, der die Oper im Kostüm der Gegenwart spielen lässt, aber nicht vordergründig in die Jetztzeit verlegt, sehr frei mit der Vorlage um. Er deutet Figuren und Szenen anders als in der Vorlage. Pimen wird zum Beispiel Opfer der Geheimpolizei, und Boris’ Sohn Fjodor könnte auch ein Mädchen sein. Am wichtigsten ist die Pointierung der Rolle des Gottesnarren, der zu Boris’ eigentlichem Gegenspieler und – so David Hermann im Programmheft – zu seinem Dämon wird. Der Gottesnarr taucht denn auch schon in der Krönungsszene auf und singt vor dem Vorhang sein Klagelied auch zwischen den einzelnen Bildern. Denen gibt der Regisseur ein eigenständiges Profil und eine eigene Optik, besonders in der Szene in der Schenke – einer Gogol’schen Satire nachempfunden – mit grotesken Kostümen. Auch ein Napoleon in Unterhosen hat sich hierher verirrt. Die Ausstattung von Christof Hetzer und das Lichtdesign von Joachim Klein setzen insgesamt durch einprägsame Bilder starke Akzente bei dieser Inszenierung und wirken letztlich stärker als das zwar gedanken- und anspielungsreiche, aber nicht immer zwingende Konzept der Regie. Musikalisch hat die Produktion eindeutige Pluspunkte. Johannes Willig arbeitet am Pult der vorzüglichen Staatskapelle die Originalität und klangliche Individualität der Musik Mussorgskys aufs Schönste heraus. In der Titelpartie überzeugt Kammersänger Konstantin Gorny durch einen ebenso klangvollen wie expressiv modellierten Vortrag, der ohne alles Poltern die ganze Vielschichtigkeit dieser gespaltenen Person offenlegt. Kammersänger Hans-Jörg Weinschenk zeichnet ein scharfes Bild des Gottesnarren. Überzeugend charakterisiert Matthias Wohlbrecht den Bojaren Schujski. Avtandil Kaspeli singt mit herrlich weichem Bass und Innigkeit einen großartigen Pimen. Auch das übrige Solistenensemble lässt kaum Wünsche offen. Fulminant agieren Chor und Extrachor in der Einstudierung von Ulrich Wagner und Stefan Neubert. Die letzte Premiere der Saison war ein einhelliger Erfolg beim Publikum.

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