Schach RHEINPFALZ Plus Artikel Der große Kongress in der sehr, sehr jungen Hochburg Ramstein

Selina Schmitt vom Grundkurs Bildende Kunst des Reichswald-Gymnasiums Ramstein hat den Entwurf abgeliefert, der am Ende gewonnen
Selina Schmitt vom Grundkurs Bildende Kunst des Reichswald-Gymnasiums Ramstein hat den Entwurf abgeliefert, der am Ende gewonnen hat und zum Logo des Schachkongresses wurde.

Schach boomt, zumindest in der Westpfalz.

In den Schulen und Vereinen rund um die Schachhochburg Ramstein werden Talente gefördert. Der SC Ramstein-Miesenbach verzeichnet steigende Mitgliederzahlen und freut sich auf ein Großevent: den Pfälzischen Schachkongress, der ab Freitag rund 300 Spieler nach Ramstein lockt.

Für Selina Schmitt wird der Freitag ein ganz besonderer Tag. Da steht sie auf der großen Bühne in der Reichswald-Sporthalle in Ramstein, die gefüllt ist mit Schachspielern aus ganz Deutschland. Und sie bekommt einen Preis überreicht. Die ehemalige Schülerin des Reichswald-Gymnasiums, die seit kurzem ihr Abitur in der Tasche hat, hat das Logo für den Pfälzischen Schachkongress entworfen. Sie brütete im Kunstunterricht über der Aufgabenstellung, hatte die Idee, das R für Ramstein zu verwenden und mit Schachfiguren zu kombinieren. Mit der Software Adobe Illustrator bastelte sie am Computer weiter und schließlich stand ihr Vorschlag. Zusammen mit neun weiteren Entwürfen ihrer Mitschüler wurde er der Jury des Schachclubs Ramstein-Miesenbach vorgestellt und gewann den Wettbewerb.

Schon zum vierten Mal

Selina Schmitt freute sich. „Ich wollte etwas Schlichtes und Einfaches, das aber trotzdem noch die Leute anspricht“, erklärt sie ihre Idee. Dass ihr Logo jetzt die Homepage, das Heft zum Kongress und die Meister-Urkunden zieren würde, damit hatte sie nicht gerechnet. Aber dafür hatte Jochen Meier, Sozialkundelehrer des Reichswald-Gymnasiums, Leiter der Schach-AG und Mitglied des Schachclubs, schon gesorgt. Er hat die Homepage (https://schachkongress2025.de) erstellt und kümmert sich um das ganze Technische im Hintergrund des Großevents, das ab Freitag startet: der 92. Pfälzische Schachkongress, der bis Ostersamstag dauern wird, wird an die 300 Spieler nach Ramstein führen, rechnet Werner Weller, Vorsitzender des SC Ramstein-Miesenbach, vor.

Er macht sich keine Sorge wegen der umfangreichen Organisation. Schließlich habe sein Klub Erfahrung. Zum vierten Mal reisen die Schachspieler nicht nur aus der Pfalz, sondern aus ganz Deutschland an und beugen sich über rund 90 Bretter in der Reichswald-Sporthalle.

Die Schachhochburg

„Unsere Gegend ist ein Schachschwerpunkt in Deutschland“, sagt Jochen Meier. Er verweist auf die zahlreichen Vereine in der Region, aber auch auf die Schach-AGs in den Schulen, die überregional erfolgreich sind. Das Team der Wendelinusgrundschule zum Beispiel wurde Vize-Rheinland-Pfalz-Meister. Und die Mannschaft der Realschule Plus unter Leitung von Lena Mader wurde Pfalz- und Rheinland-Pfalz-Meister und tritt jetzt bei der deutschen Meisterschaft in Osnabrück an. „Dass die Schüler so erfolgreich sind, wäre ohne den Schachclub so nicht möglich gewesen“, sagt Meier, der neben der Schach-AG am Gymnasium auch eine Schach-AG an der Wendelinusgrundschule leitet und festgestellt hat, dass besonders die Grundschüler mit Feuereifer bei der Sache sind. „Sie sind sehr begeistert und sehr wissbegierig.“ Es sei das Zusammenspiel von Vereinen und Schule, das die Talente hervorbringe, meint Meier.

Werner Weller ist froh, dass sein Sport wieder boomt. „Bis vor zwei Jahren hatten wir einen massiven Einbruch. Nach Corona ist der Mitgliederstamm auf 65 zusammengeschrumpft“, berichtet der Vorsitzende des Schachclubs. Doch die Arbeit in den Schulen und besonders ein Projekt lockte Kinder und Jugendliche wieder an die Bretter: „Schach macht schlau“, eine Aktion, die auf eine Idee des ehemaligen Fußballprofis Marco Bode zurückgeht und vom Sportbund Pfalz gefördert wird. Einmal pro Woche gab es unter diesem Motto Schnupperstunden für Kinder. „Am Ende saßen 35 Leute auf 30 Quadratmetern.

112 Mitglieder, sieben Teams

Nach einem Jahr haben wir gefragt, ob die ersten nicht in der Mannschaft spielen wollen. Wir haben 20, 25 neue Mannschaftsspieler gewonnen, sind ins Haus der Vereine umgezogen“, erzählt Weller die Erfolgsgeschichte. Sein Schachclub hat inzwischen 112 Mitglieder aus mehr als zehn Nationen, die in sieben Mannschaften antreten. „Wir haben einen massiven Zulauf an Kindern und Jugendlichen und sind in der Pfalz einer der jüngsten Schachvereine mit einem Altersdurchschnitt von vielleicht Mitte 30.“ Klar, dass die Mitglieder dann auch beim Schachkongress eifrig im Einsatz sind, sei es im Bistro, an der Getränkeausgabe oder eben an den Brettern.

Die Auswahl an Turnieren ist groß und vielfältig und reicht vom Hauptturnier, das auch für Nicht-Pfälzer offen ist, bis hin zu Schnell-, Blitzschach und anderen Spezialformen. Das Meisterturnier, an dessen Ende der Pfalzmeister gekürt wird, ist in zwei Leistungsklassen aufgeteilt. Zweimal zehn Teilnehmer starten. Im Hauptturnier treten bis zu 100 Teilnehmer an. In einem Seniorenturnier messen sich rund 20. Im Frauenturnier wird die Pfalzmeisterin gesucht, in einem Schnellschachturnier der Schnellschachmeister, im Blitzturnier der Pfälzer Blitzmeister. Es gibt ein Problemlösungsturnier, bei dem drei Schachprobleme in 30 Minuten gelöst werden und die Lösung dann bepunktet wird. Wer das gewinnt, ist „Pfälzischer Problemlösemeister 2025“.

Um 18.30 Uhr wird es still

Doch bis dahin fließt noch viel Fleiß und Gehirnschmalz in der Reichswald-Sporthalle. 150 Spieler werden am Freitag in der Halle sein, gespannt auf den Turnierstart warten. Wenn es dann um 18.30 Uhr losgeht, ist so gut wie nichts mehr zu hören außer dem Klappern, wenn ein Spieler die Uhr drückt. Bis Ostersamstag werden sich die Schachspieler an den Brettern ablösen, und am Ende wird so mancher eine Urkunde in Händen halten mit Selina Schmitts Logo und dem leuchtenden R für Ramstein.

90 Bretter werden in der Reichswald-Sporthalle im Einsatz sein, darunter auch fünf digitale, mit denen die Partien des Meistertu
90 Bretter werden in der Reichswald-Sporthalle im Einsatz sein, darunter auch fünf digitale, mit denen die Partien des Meisterturniers aufgezeichnet und live im Internet übertragen werden.
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