Kaiserslautern Der Geist von Oma in der Flasche

Saitenzauberer: Don Alder.
Saitenzauberer: Don Alder.

Herrliche Melodien, tolle Sounds, garniert mit verrückt-vertrackten Rhythmen: Der kanadische Gitarrist Don Alder verzauberte den Kulturclub Salon Schmitt mit seiner besonderen Gitarrenkunst und machte die Welt am Samstagabend ein Stück weiter.

Ein gut gefüllter Club erwartet ein besonderes akustisches Erlebnis. Ein Mann, drei Gitarren und ein Tablett mit einer Fülle von Effektgeräten, die zuvor feinsäuberlich auf klaren, schwebenden Klang eingestellt wurden. Bereits mit den ersten Titeln macht Don Alder hör- und sichtbar, worum es hier geht: ein Klangzauberer auf sechs Saiten, mit einer perfektionierten Technik, die den Höreindruck von mehreren Gitarrenspuren nebst Schlagwerk vermittelt. Dabei agieren linke und rechte Hand in einer Schnelligkeit, dass die technische Raffinesse kaum nachvollziehbar ist. Doch der Gitarrenmaniac ist bei aller Fingerfertigkeit darauf bedacht ein unterhaltsames Programm zu bieten. Jedes seiner ausnahmslos selbstgeschriebenen Stücke hat eine Geschichte, die er gerne erzählt. Dabei bringt er Anekdoten zum Schmunzeln und Wiederkennen menschlicher Unzulänglichkeiten, aber auch sehr persönliche und berührende Gedanken. Da geht es um Entscheidungen im Leben, um Frühaufsteher, die besondere Welt des Schwiegervaters, Menschen mit kaum vorstellbaren Handicaps, das Glück mit Freunden oder auch schlechte Freunde. Ein fabelhafter Storyteller mit der gehörigen Prise Schalk im Nacken. „Dancing With Spin Doctors“ handelt von Leuten, die es fertig bringen uns Äpfel für Birnen zu verkaufen, und der Song dazu geht ab und verdreht einem die Gehörwindungen noch ein wenig mehr. Beim Thematisieren unterschiedlicher Zeitwahrnehmungen von Mann und Frau („He Said, She Said“) schlägt er einen in die Beine gehenden Takt an, dass der Funkstyle nur so durch den Raum fliegt und alle zum Mitgrooven bewegt. Rasante Tempowechsel, ein variantenreich perkussiv bearbeiteter Gitarrenkörper oder auch Hochgeschwindigkeitszupfmuster (wie in „Arrows Will Fly“) bringen ihm immer wieder zustimmende Rufe aus dem gebannt lauschenden Publikum ein. Dieser Don Alder beherrscht die feine Kunst programmatisch einen Spannungsbogen aufzubauen. Er nimmt die Zuhörer mit bis zum letzten Ton. Dazu verhilft ihm auch seine einnehmende und angenehm warme, klare Singstimme, die einige seiner Songs ziert. Und stets kommen seine Botschaften authentisch rüber (wie in „Love & Life“). Don Alder spielt ausschließlich Stahlsaiten-Gitarren, und wenn man ihm bei seinen energiegeladenen Instrumentalstücken zusieht, dann ist das kein Spaß für normale Fingernägel. In einem Song verrät er, dass er sich als Kind eigentlich ein Schlagzeug gewünscht und die geschenkte Gitarre zu einem Schlag- und Klopfinstrument umfunktioniert hatte. Dies führt er in Vollendung vor („On The Top“), was selbst bei gestandenen Gitarristen zu neidischem Kopfschütteln führen muss. Schön auch die Idee, wie es wäre, den Geist seiner Oma mit ihrer besonnen Gelassenheit in einer Weinflasche bewahren zu können („Sophrosyne“). Eine stimmungsvolle Ballade angefüllt mit Obertönen und raffinierten Rhythmen. Im rockig angehauchten m „Calling“ wird das Publikum zum Mitsingen gebracht. Als kleines Sahnehäubchen wird für einen einzigen Song die Klangfülle der Harpguitar demonstriert. Zwei eingeforderte Zugaben beenden einen unmerklich langen Hörgenussabend, wunderbar! CD-Tipp Das neue Album heißt „Armed & Dangerous“, der Hörtipp daraus „Going Rogue“.

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