Kaiserslautern Der Fisch, der mit den Haien schwimmt

Der Nachwuchs ist bei Uniroh schon in den Startlöchern: Max Steingaß, Sohn von Geschäftsführer Werner Steingaß, arbeitet bereits
Der Nachwuchs ist bei Uniroh schon in den Startlöchern: Max Steingaß, Sohn von Geschäftsführer Werner Steingaß, arbeitet bereits mit.

400.000 Tonnen Altpapier. Um die Menge zu transportieren, braucht man rund 17.000 Lastwagen. Das ist die Menge an Altpapier, die das in Kaiserslautern beheimatete Unternehmen Uniroh im Jahr quasi weltweit vermarktet und somit wieder neuen Bestimmungen zuführt. Am Samstag begeht das Unternehmen den 20. Geburtstag mit einer internen Feier auf dem Betzenberg.

Wer in Kaiserslautern die RHEINPFALZ liest, dessen Ausgabe landet – sofern sie richtig in der blauen Tonne entsorgt wird – im Einflussbereich der Firma Uniroh. Denn das Unternehmen mit Sitz im Burggraben 12 vermarktet auch das Altpapier, das die Stadtbildpflege im Stadtgebiet einsammelt. In den vergangenen zehn Jahren konnte sich das Lauterer Unternehmen für den Auftrag bei mehreren europaweiten Ausschreibunden durchsetzen. „Die Lauterer sind gute Trenner“, findet Werner Steingaß, der Geschäftsführer von Uniroh. Rund 750 Tonnen Altpapier pro Monat allein aus Kaiserslautern vermarktet Uniroh, insgesamt sind es 400.000 Tonnen im Jahr, allerdings nicht nur aus Kaiserslautern. „Wir haben Lieferanten in ganz Europa und unsere Abnehmer sitzen in der ganzen Welt“, erklärt Steingaß. Am Anfang stand die Idee, den Rohstoff Papier besser zu vermarkten, als das dem Unternehmen Jakob Becker möglich gewesen sei, blickt Steingaß auf die Anfangszeit im September 1998 zurück. Damals gründeten er und einige Mitarbeiter von Jakob Becker Uniroh. „Wir wollten eigenständig etwas bewegen, ohne eine Konkurrenz zum Unternehmen Becker zu sein, eher eine Ergänzung.“ Der Plan ging auf, nach zwei Jahren konnte Steingaß seine Mitgründer ausbezahlen, wurde mit seiner Frau, einer Tochter aus dem Hause Becker, alleiniger Gesellschafter bei Uniroh. Die Zahlen wuchsen über die Jahre auch: 2001 setzte das Unternehmen umgerechnet rund 1,5 Millionen Euro um, heute hat die Gruppe, zu der noch zwei Gebäudereinigungsfirmen zählen, einen Jahresumsatz von rund 60 Millionen Euro. Dennoch sagt Werner Steingaß: „Wir sind ein kleiner Fisch in einem Haifischbecken.“ Uniroh stehe im Wettbewerb mit großen Konzernen, die Millionen von Tonnen Altpapier im Jahr vermarkteten. Steingaß kennt die Branche gut: Der 57-Jährige ist der Vorstandsvorsitzende und Vizepräsident des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE). Mit Uniroh will Steingaß sich weiter „im harten Wettbewerb behaupten“. In Deutschland fallen laut Steingaß rund 16 Millionen Tonnen pro Jahr an Altpapier an. Und Altpapier ist nicht gleich Altpapier: Rund 70 unterschiedliche Sorten unterscheidet der Fachmann, angefangen von Zeitungen und Illustrierten – die wieder zu Druckerzeugnissen verarbeitet werden – über Druckereiabfälle bis hin zu Produkten aus der Aktenvernichtung. Seit ein paar Jahren stagniere die Menge an Altpapier, die Verwendung von Papier und Kartonage habe sich verschoben. Heute gebe es mehr Verpackungspapier (Steingaß: „Stichwort Amazon“), dafür nehme der Anteil an Druckerzeugnissen ab. „Das liegt wohl an der Zunahme von Online-Medien“, sagt Max Steingaß. Der 27-jährige Sohn des Geschäftsführers arbeitet seit einiger Zeit bei Uniroh. Der Kontakt zur Keimzelle von Uniroh, dem Unternehmen Jakob Becker, ist da, nicht zuletzt aufgrund der engen familiären Verbindungen. Max Steingaß hat noch zwei Brüder, die bei Becker arbeiten, dazu sind dort auch deren Cousin und Onkel beschäftigt. Die nächste Generation steht also bei Uniroh (und bei Jakob Becker) bereits in den Startlöchern. „Ein Ziel der nachfolgenden Generation ist es, die Unternehmen zusammenzuführen“, sagt Max Steingaß.

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