Kaiserslautern Der 12. August ist der Tag X

91-84897855.jpg

Die First Lady im rheinland-pfälzischen Judo hat es geschafft: Jasmin Külbs ist vom Deutschen Judobund für Olympia in Rio nominiert worden. „So ganz verinnerlicht habe ich das noch nicht“, erzählt die überglückliche Judoka in Kaiserslautern. Am dortigen Heinrich-Heine-Gymnasium hat ihre sportliche Laufbahn begonnen, und dort war sie diese Woche im Zwischentrainingslager mit Sergio Oliveira.

Der Dampf steht im Dojo. Der blaue Judogi färbt sich dunkel. Jasmin Külbs kommt schwer ins Schwitzen. Nicht nur sie, auch Trainer Sergio Oliveira läuft ein Rinnsal durchs Gesicht. Die beiden feilen an kleinen Schwachstellen der Olympiakandidatin. „An Kleinigkeiten, die sich im Kampf gewaltig auswirken können“, erklärt die 24-Jährige nach der Trainingseinheit. Ganz nebenbei macht die Vorzeigesportlerin gleich noch eine Gruppe angehender Judoka stolz. Einmal mit einer echten Olympiafrau auf der Matte zu stehen, damit hatten die Schüler der Pestalozzigrundschule nicht gerechnet, als sie zum spielerischen Judo ins Heinrich-Heine-Gymnasium kamen. Oliveira und die ehemalige HHG-Athletin kennen sich seit 2007, die Vertrautheit ist zu spüren, die Chemie stimmt. Was Oliveira sagt, ist für die Schwergewichtskämpferin der richtige Weg. Natürlich kommuniziert der Cheftrainer der Sporteliteschule viel und eng mit dem Bundestrainer des Deutschen Frauen-Nationalteams, Michael Bazynski. Nur so war das „Zwischentrainingslager“ in Kaiserslautern überhaupt möglich. „Batze weiß genau, dass ich hier intensiv trainiere“, ist Jasmin Külbs glücklich über die gewonnene Woche in der von ihr geliebten Pfälzer Heimat. Pfalz, das ist für sie in erster Linie Böhl-Iggelheim. Dort steht das Elternhaus. Zweibrücken ist ganz wichtig. Dort gehört sie zum Judoclub Zweibrücken, und der Verein gehört zu ihr. Speyer ist eine weitere Bank für die Judofrau. Der Judosportverein Speyer war ihr erster Verein, für Speyer kämpft sie nach wie vor Bundesliga. Bleibt noch Kaiserslautern, das HHG, die Schule, das Internat und Sergio Oliveira mit Familie. „Meine zweite Familie“, bekennt sie lachend. Seit vier Jahren gehört sie der Sportfördergruppe der Bundeswehr an, lebt, trainiert und studiert in Köln. Nur dort war sie in den vergangenen Monaten nicht wirklich oft. Für das Olympiaticket hat Külbs ein Leben aus dem Koffer und auf den Matten dieser Welt verbracht. Es war ein Leben mitten im Judozirkus. Immer im Hinterkopf, in jeder Gewichtsklasse starten nur die 14 besten Judofrauen der Welt bei Olympia. Die Nominierung ist erfolgt, in der Gewichtsklasse plus 78 Kilo startet Külbs für Deutschland. Im April war Külbs noch bei der Europameisterschaft in Russland. Hat Bronze gewonnen und ist gleich mit dem Nationalteam weiter ins Höhentrainingslager nach St. Moritz gereist. Das Team trainiert diese Woche in Köln, sie in Kaiserslautern. Schon am Samstag geht es für alle weiter nach Südfrankreich ins Trainingslager, ein Turnier in Budapest steht an, und dann folgt ein Trainingslager in Spanien und das letzte in Kienbaum bei Berlin. Davor oder dazwischen, wann immer sich ein Zeitfenster auftut, paukt die Medien- und Kommunikationsmanagementstudentin für zwei anstehende Klausuren, zwei Hausarbeiten sind abzugeben. Am Samstag, 30. Juli, hebt der Flieger nach Rio ab. „Auf jeden Fall marschiere ich bei der Eröffnung mit ein“, kann Jasmin Külbs ihr Glück, für das sie jedes Bausteinchen selbst aufgelegt hat, noch immer nicht so ganz fassen. Besonders froh ist sie, dass ihr Vater aus Iggelheim den Weg nach Rio nicht scheut, um am 12. August, dem Tag X, in der Carioca Arena in Rio dabei sein zu können. Das gibt zusätzliche Motivation. Der 12. August ist der Tag an dem die Schwergewichte ins Geschehen eingreifen. Es ist aber auch der Tag, an dem sich Miriam Welte, auch Pfälzerin und auch eine ehemalige HHG-Schülerin, aufs Rad setzt und versuchen wird, erneut olympisches Gold zu holen. Und es ist der Tag, an dem 2008 in Peking die letzte Judogoldmedaille von Ole Bischof für Deutschland geholt wurde. Na, wenn das keine gute Zeichen sind. „An dem Tag kann alles oder gar nichts drin sein“, weiß Jasmin Külbs, wie im Judo der Hase läuft. Ihr Traum war das Ticket. Der hat sich erfüllt, was jetzt noch kommt, ist die pure Kür. Die Kür in Gold, das wär’s doch. Die Pfalz steht jedenfalls voll hinter ihrer First Lady im Judo.

x